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Was tun bei Angststörungen?

Was tun bei Angststörungen?4:17
Video von Helpster Redaktion4:17

Angst ist ein wichtiges Gefühl, denn es warnt Sie vor Gefahren. Ist die Angst aber übersteigert, können Angststörungen entstehen. Diese können durch Konfrontation beispielsweise in einem Seminar für Angstbewältigung abgebaut werden. Im Video erklärt Uschi Riedinger den Ablauf eines solchen Seminars.

Angst ist ein unangenehmes Gefühl, das Sie vor allem empfinden, wenn Sie sich bedroht fühlen. Der Körper spannt sich an, die Muskeln werden mehr durchblutet und Sie atmen flacher, dafür aber häufiger und schneller. All diese Reaktionen sollen dazu dienen, den Körper auf eine bedrohende Situation vorzubereiten, bei der Sie etwa wegrennen oder sich körperlich zur Wehr setzen müssen. Angst ist zudem eine sehr negative Emotion, sodass Sie Situationen, vor denen Sie Angst haben, oft nur widerwillig aufsuchen, vermeiden oder sich schnell wieder aus diesen Situationen befreien möchten. Es kann aber passieren, dass Sie eigentlich harmlose Dinge fürchten und auch dann eine Angstreaktion zeigen, wenn dies gar nicht erforderlich oder angemessen wäre. In diesem Fall spricht man von Angststörungen, also einer unangemessenen, übersteigerten Angst, die das Leben vielleicht auch deutlich einschränkt.

Arten von Angststörungen

Es gibt nicht nur eine Angststörung, sondern viele verschiedene Symptombilder, die in der Medizin und Psychologie als Angststörungen bezeichnet werden. Welche dies sind, wird in der ICD (International Statistical Classification of Diseases) festgelegt.

  • Dazu zählen die soziale Phobie (starke Schüchternheit, Angst vor anderen Menschen), die spezifischen Phobien (zum Beispiel Hundephobie oder Angst vor Spinnen) sowie die Panikstörungen (plötzliche starke Angst).
  • Ebenso werden hierunter die Agoraphobie (Angst davor, aus einer Situation nicht schnell flüchten zu können) und die generalisierte Angststörung (übermäßige Sorgen über ganz verschiedene Themen) zusammengefasst.
  • Man geht davon aus, dass viele der Angststörungen durch belastende Ereignisse und auch durch Vermeidungsverhalten gewissermaßen erlernt werden. Wenn Sie beispielsweise einmal von einem Hund gebissen wurden, dann werden Sie Hunden vielleicht mit einer gewissen Vorsicht gegenübertreten und fühlen sich nach dem Vorfall etwas unwohl, wenn ein Hund in der Nähe ist.
  • Möglicherweise vermeiden Sie es deswegen, sich in der Nähe von Hunden aufzuhalten und gehen den Tieren aus dem Weg. Sie versuchen also durch Ihr Tun, die Angst zu vermeiden. Dadurch wird die unangenehme Anspannung etwas reduziert, aber Sie können nicht lernen, dass andere Hunde sich durchaus friedlich verhalten.
  • Sie machen also keine korrigierenden Lernerfahrungen, sondern haben stattdessen den Eindruck dass es immer sinnvoll ist, sich von Hunden fernzuhalten, weil sonst auch die Angst wiederkommt. Genau das kann aber zu einer übersteigerten Angstreaktion führen; Sie tun sich mit der Vermeidung also nichts Gutes.

Was man bei Angststörungen tun kann

Wenn Angststörungen daher kommen, dass Sie es gelernt haben, etwas Unangenehmes zu vermeiden und zunehmend Ängste vor Situationen, Tieren, Menschen oder Dingen entwickelt haben, dann ist es eine mögliche Lösung, diese Lernerfahrungen neu zu erwerben.

  • Wie kann das aussehen? Bei der als Beispiel genannten Angst vor Hunden kann die systematische Desensibilisierung angewendet werden. Bei dieser erstellen Sie eine Liste mit Situationen, die Ihnen Angst machen.
  • Diese sortieren Sie danach, wie sehr Sie sich in diesen Momenten ängstigen. Vielleicht finden Sie es relativ harmlos, einfach nur ein Bild eines Hundes anzuschauen.
  • Mehr Anspannung löst es vielleicht aus, das Gebell eines Hundes zu hören oder gar einen angeleinten Hund zu sehen, der einige Meter von Ihnen weg steht. Mit therapeutischer Begleitung setzen Sie sich dann genau diesen Situationen aus und bleiben so lange in der Situation, bis die Angst abgenommen hat, das heißt, bis eine Adaption stattgefunden hat.
  • Dann ist die nächste, schlimmere Situation an der Reihe, bis Sie es irgendwann sogar aushalten, einen Hund zu streicheln.
  • Diese Technik kann auch allein in der Vorstellung durchgeführt werden. Hier würden Sie also nicht wirklich mit einem Hund konfrontiert, sondern Sie stellen sich die Situationen jeweils nur so lange vor, bis diese in Gedanken weniger Unbehagen auslösen.
  • Bei Panikattacken, also übersteigerten, plötzlichen Ängsten, lernen Betroffene stattdessen, sich frühzeitig abzulenken. Denn die Panikattacken entstehen dadurch, dass Sie sich in körperliche Symptome gewissermaßen hineinsteigern, und das sollten Sie nicht tun.
  • Sie bemerken, dass Ihr Herz schneller schlägt und Sie schneller atmen und weil Sie auf diese Veränderungen so genau achten, schlägt das Herz noch schneller, bis eine richtige Panik entstanden ist.
  • Um das zu vermeiden, versuchen Sie, schon bei den ersten Anzeichen der Attacke etwas Beruhigendes zu machen, was Sie von Ihrem Körper ablenkt. Das kann bedeuten, dass Sie etwas zählen oder an etwas intensiv Duftendem riechen beziehungsweise aus den Buchstaben von einem langen Wort viele neue Begriffe zusammensetzen.
  • All dies fesselt Ihre Konzentration, sodass Sie sich nicht weiter in die körperlichen Vorgänge hineinsteigern.
  • Manchmal sind Konflikte die Ursache von Angststörungen, etwa wenn Sie mit jemandem Streit hatten und danach Ängste davor haben, mit dieser Person noch einmal konfrontiert zu werden.
  • Hier kann es hilfreich sein, die Konflikte und Ihr Tun noch einmal aufzuarbeiten, sich etwa in die andere Person hineinzuversetzen und deren Position zu verstehen versuchen.

Es gibt also viele verschiedene Angststörungen, aber genauso unterschiedliche Möglichkeiten der Behandlung.

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