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Was ist ein Bergfried? - Wissenswertes zur Architektur von mittelalterlichen Burgen

Der Bergfried ist ein weithin sichtbarer Bestandteil mittelalterlicher deutscher Burgen. Selbst kleinere Anlagen verfügten - soweit bekannt - immer über einen solchen Wehr- und Schutzturm. Wozu diente der Bergfried und welche weiteren Gebäude gehörten zu einer Burg?

Der Bergfried überragt die Burganlage.
Der Bergfried überragt die Burganlage. © Makrodepecher / Pixelio

Der Bergfried ist weithin sichtbar

  • Burgen wurden im Mittelalter erbaut, um Besitz und Macht der Burgherren zu sichern. Daher ist es verständlich, dass man sie an exponierten Stellen (z. B. auf schroffen Felsnasen) errichtete, um einerseits die Eroberung von außen so schwierig wie möglich zu gestalten und andererseits den Überblick zu wahren. Der Bergfried genannte Hauptturm überragte alle anderen Gebäude der Burganlage.
  • Dieser Hauptturm, der bis ins 12. Jahrhundert hinein zumeist quadratisch angelegt war und erst dann allmählich rund wurde, diente als letzte Zufluchtsstätte der Burgbewohner im Falle eines Angriffs. Daher liegt sein Eingang immer auffallend hoch, er konnte oft nur über eine Leiter erreicht werden, die im Anschluss nach innen hochgezogen wurde.
  • In den frühen Burganlagen steht der Bergfried meist alleine inmitten der Anlage, das heißt, es besteht kein baulicher Kontakt zu anderen Gebäudeteilen. Diese Maßnahme erschien den Bauherren sicherer. Im 13. Jahrhundert ging man jedoch verstärkt dazu über, ihn an der Stelle des Felsens zu errichten, die am meisten gefährdet erschien, und ihn mit der Außenmauer zu verbinden.

Das Leben auf der Burg war unbequem

  • Das Leben auf einer mittelalterlichen Burg gestaltete sich völlig unromantisch. Wer einmal eine solche Anlage besichtigt, merkt schnell, dass jeder - heute selbstverständliche - Wohnkomfort fehlte. Die Möblierung war karg und nichts anderes als zweckmäßig.
  • Neben dem Bergfried waren zwei weitere Bestandteile wesentlich und typisch: der Palas genannte Wohnbau und die alles umschließende Ringmauer (meist mit Wehrgang).
  • Bis zur Erfindung des Schießpulvers waren Festungsanlagen, wozu auch Burgen zählen, …

  • Der Palas, das Wohngebäude, lag meist nach der Seite hin, die am wenigsten anfällig für Stürme war; außerdem beachtete man die Ausrichtung nach der Sonne, denn oft gab es nur einen dauerhaft beheizten Raum: die Kemenate (von Kamin abgeleitet), das Frauengemach.
  • Auch die Ausstattung der Betten mit einem Himmel hatte übrigens nur zweckbezogene Gründe: einerseits sollte durch das Stoffdach möglichst viel Wärme in unmittelbarer Nähe verbleiben und andererseits schützte man sich so vor Ungeziefer, das an der Zimmerdecke umherkrabbelte und zuweilen nach unten fiel.
  • Das Material für den Burgenbau wurde, wenn irgend möglich, aus dem Felsgestein in unmittelbarer Nähe des Bauplatzes herausgeschlagen; ein Transport über weite Strecken wäre nicht nur kostspielig, sondern auch wegen möglicher Überfälle gefährlich gewesen.
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