Werden Särge überhaupt zugenagelt?

  • Der Begriff "Sargnagel" deutet zwar darauf hin, aber Särge werden in Deutschland gemeinhin nicht mehr zugenagelt, sondern verschraubt. Dies hat den Vorteil, die stabilere Befestigung des Deckels am Sarg zu sein.
  • Tatsächlich stellt der Sargnagel jedoch ein äußerst interessantes kulturhistorisches Phänomen dar. Je nach Kulturkreis war und ist es nämlich sogar festgelegt, aus welchem Material die Nägel zu bestehen haben, mit denen der Sarg zugenagelt wird.
  • Lange hinweg galten Sargnägel als verfluchte Gegenstände, sodass nicht nur das Material nicht erneut verwendet werden durfte, auch die beim Herstellungsprozess involvierten Menschen wurden gemieden. Heute werden die entsprechenden Schrauben natürlich industriell gefertigt.

Das ist der Sinn hinter dem Vorgang

  • Der Brauch des Zunagelns von Särgen, hatte wohl schon bei seiner Entstehung nichts mit der Angst vor Untoten zu tun. Diese ist zwar in sehr vielen Kulturen über lange Zeiträume hinweg belegbar, doch musste jedem Zeitgenossen klar sein, dass wenn ein Untoter so mächtig ist, dass ihn das Gewicht von mehreren Kubikmetern Erdreich nicht aufhalten kann, Sargnägel dies wohl auch nicht vermögen.
  • Auch Grabraub kann in Deutschland als Ursache des Verschraubens von Sarg und Deckel ausgeschlossen werden. Es ist bei uns allgemein nicht üblich, dem Verstorbenen kostbare Grabbeigaben mitzugeben. Was sollten Grabräuber also stehlen wollen?
  • Der Grund dafür, warum Särge zugenagelt, beziehungsweise verschraubt werden, ist ein ganz praktischer. Es soll verhindert werden, dass beim Transport oder beim Herablassen des Sargs ins Erdreich der Deckel vom eigentlichen Sarg löst.
  • Wird ein Sarg über eine längere Distanz transportiert, ist sogar die genaue Art der Verschraubung der ummantelnden Holzhülle gesetzlich festgelegt. Hier spielen jedoch neben Gründen der Pietät, auch Hygiene und Seuchenschutz eine Rolle.