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Warum schlafen Giraffen nur 7 Minuten?

Vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt, ob und wie lange Giraffen schlafen. Wie alle Säugetiere benötigen Giraffen Tiefschlafphasen zur Regeneration. Doch anders als beispielsweise der Mensch kommen sie mit nur 7 Minuten Schlafdauer am Stück aus, teilweise sogar mit weniger. Dieser Umstand hat verschiedene Ursachen.

Eine schlafende Giraffe erkennt man am nach hinten gelegten Kopf.
Eine schlafende Giraffe erkennt man am nach hinten gelegten Kopf.

Giraffen werden von Raubtieren angegriffen, während sie schlafen

  • Der erste Grund ist ein wichtiger Punkt aus evolutiver Sicht. Ein Beutetier - und dazu zählt auch die Giraffe - kann leicht Opfer von Raubtieren werden, während es schläft.
  • Raubtiere, die so große Tiere wie Giraffen jagen, sind vor allem Löwen, Hyänen und Leoparden. Wenn die Giraffe wach ist und steht, kann sie mit den Beinen kräftig nach dem Angreifer schlagen oder bei der Flucht innerhalb kurzer Zeit eine hohe Geschwindigkeit erreichen. Damit hat sie gute Chancen, den Verfolgern zu entkommen. Der beste Schutz der Giraffe besteht also darin, so wenig wie möglich zu schlafen.
  • Daher ruht sich die Giraffe häufig im Stehen oder auch im Liegen aus. Ihr Kopf ist dabei erhoben und sie ist bei ungewöhnlichen Geräuschen sofort hellwach. Sie befindet sich in diesen Phasen allerdings nicht im Tiefschlaf, sondern sie döst nur.

Die Regulation des Blutdrucks bei der Giraffe

  • Selbst wenn eine schlafende Giraffe rechtzeitig aufwacht, kann sie meist nicht schnell genug vor der Bedrohung fliehen. Dies liegt daran, dass das Aufstehen durch ihre langen Beine und den langen Hals ein paar Sekunden dauert. Auch das Hinlegen ist für sie mit Schwierigkeiten verbunden.
  • Dies wiederum liegt daran, dass das Herz der Giraffe das Blut mehrere Meter nach oben pumpen muss, damit es im Gehirn ankommt. Obwohl Giraffen ein ausgefeiltes, speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmtes Herz-Kreislauf-System haben, können sie den Kopf nicht allzu schnell senken oder hochheben. Es würde zu Blutdruckschwankungen kommen. Auch Hinlegen und Aufstehen gehen vergleichsweise langsam vonstatten.
  • Im Gegensatz zu Giraffen, die dösen oder sich im Halbschlaf befinden, erkennt man wirklich schlafende Giraffen an ihrer Körperhaltung. Die 7 Minuten, in denen sie schlafen, liegen sie und neigen dabei Hals und Kopf zur Seite. Der Kopf liegt dabei im Bereich der Hinterhand.
  • Junge Giraffen haben weniger Probleme, sich hinzulegen. Sie benötigen auch noch mehr Schlaf und sind daher häufiger in der typischen Schlafposition anzutreffen.

Das Vormagensystem erlaubt nur 7 Minuten Schlaf

  • Ein weiterer wichtiger Grund dafür, dass Giraffen nur 7 Minuten am Stück schlafen, liegt in ihrem Vormagensystem begründet. Wie beispielsweise Kühe und Schafe gehören auch Giraffen zu den Wiederkäuern.
  • Das bedeutet, dass das vorverdaute, pflanzliche Futter mehrfach wieder hochgewürgt wird, um es weiter zu zerkauen und damit zu zerkleinern. Dieser Prozess ist sehr wichtig für die Verdauung der Pflanzenfasern. Während des Schlafens nimmt die Aktivität der Vormägen naturgemäß ab.
  • Außerdem entsteht im Vormagensystem permanent Gas, da die Vorverdauung durch Bakterien unter Gasbildung geschieht. Das Gas wird durch ein als "Ructus" bezeichnetes Aufstoßen entfernt. Dieser Ructus findet während des echten Schlafes so gut wie nicht statt und das Vormagensystem würde bei zu langer Schlafdauer aufblähen.

Wie Sie sehen, gibt es gute Gründe, aus denen die Giraffe nicht mehr als 7 Minuten am Stück schläft. Allerdings kann sie diese kurzen Schlafphasen bei Bedarf mehrmals pro Nacht in gewissen zeitlichen Abständen wiederholen. 

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