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Umrechnungskurs - das globale Finanzsystem erklärt

Das globale Finanzsystem ist eines der komplexesten, undurchsichtigsten Systeme überhaupt. Selbst Experten scheitern immer wieder daran, Zukunftsprognosen korrekt abzugeben oder Lösungen für immer wieder auftretende Probleme zu finden. Der Umrechnungskurs ist ein jedoch ein Indikator, mithilfe dessen zumindest die Grundstrukturen dieses Finanzsystems erläutert werden können.

Die aktuellen Wechselkurse werden neben Aktienkursen ununterbrochen neu berechnet.
Die aktuellen Wechselkurse werden neben Aktienkursen ununterbrochen neu berechnet.

Die Zentralbanken als wichtige Stütze im Finanzsystem

  • Wer durch den Wirtschaftsteil einer Zeitung blättert, wird schnell auf eine Randnotiz aufmerksam werden: der Dollar-Euro-Umrechnugskurs. Dieser gibt an, wie viele Dollar man pro Euro erhält. Auf den ersten Blick mag dieses Zahlenverhältnis nicht viel aussagen, jedoch ist es ein enorm wichtiger Wirtschaftsindikator.
  • Alle für die Wirtschaft relevanten Nationen haben sogenannte Nationalbanken. Diese sorgen dafür, dass in der entsprechenden Nation die Menge an Geld zur Verfügung steht, um die erforderlichen politischen Eingriffe zu ermöglichen. Zudem fungieren sie als Kreditgeber für Banken, die wiederum Geld an Unternehmen verleihen.
  • Das Prinzip, das dahintersteht, ist einfach: Je besser es der Wirtschaft geht - also je mehr unter anderem folgende Kennzeichen zutreffen: niedrige Arbeitslosenquote, hohe Auftragsbestände und Investitionsbereitschaft vonseiten der Arbeitgeber -, desto höher werden die Zinsen angesetzt, die für die vergebenen Kredite gezahlt werden müssen. Denn mit einer guten Konjunktur, also einem großen Wirtschaftswachstum, ist gleichzeitig eine enorme Preissteigerung der Handelsgüter verbunden: Es wird allgemein mehr verdient, dementsprechend wird mit den Preisen angezogen.
  • Durch das Erhöhen der Zinsen und das Einschränken des zur Verfügung gestellten Geldbudgets seitens der Nationalbank wird dieser teilweise zu heftig ablaufende Aufschwung auf ein moderates Niveau gesenkt - die Unternehmen investieren nicht mehr so viel, das Lohnniveau sinkt. Diese Intervention ist unabdingbar, da ansonsten eine gewaltige Inflation droht.
  • Darunter versteht man eine Geldentwertung, die alles andere als erwünscht ist: zu viel Geld für zu wenig Gegenwert - einfach ausgedrückt: Mit Geld kann man sich kaum mehr etwas kaufen. Folge kann im schlimmsten Fall eine Wirtschaftskrise sein. Die Europäische Zentralbank (EZB) steht hier noch eine Stufe über den Nationalbanken in Europa und hat die Aufgabe, jene Geldentwertung durch frühzeitiges Eingreifen zu verhindern und Preisstabilität zu gewährleisten. Zudem hat sie sich verpflichtet, Nationen sich nicht mehr als 3 % ihres jeweiligen Bruttoinlandsprodukts verschulden zu lassen.

So dient der Umrechnungskurs als Indikator

  • Nachdem Deutschland ein sehr stark exportorientierter Staat ist, ist der Umrechnungskurs, der Tag für Tag von Euro zu Dollar und vielen weiteren Währungen berechnet wird, ein aussagekräftiger Wert. 
  • Verkauft Deutschland viel, ist also der Export hoch, so ist die Nachfrage nach Euros sehr groß. Nun steigt dementsprechend der Vergleichswert zwischen Euro und Dollar, sodass man pro Euro mehr Dollar erhält. Als Folge stellt sich ein Abklingen des hohen Exports ein, weil sich nur vereinzelt Käufer für "teure" Produkte aus Deutschland finden lassen, die mit Euros gezahlt werden müssten.
  • Ist der Umrechnungskurs nun zugunsten des Euros, ist davon auszugehen, dass es der deutschen Marktwirtschaft im Vergleich zur amerikanischen gut geht.
  • Das Vertrauen in den Euro ist daher in so einem Falle sehr hoch, es werden Devisenankäufe aus dem Ausland vorgenommen. Das heißt, dass Banken und Privatpersonen mit einer Fremdwährung in den Euro investieren und so die Nachfrage nach dem Euro in die Höhe treiben. Sie gehen davon aus, dass der Euro noch weiter steigt, und haben vor, ihre Euros zu einem besseren Kurs anschließend wieder zu verkaufen.
  • Folge wiederum ist, dass der Euro im Vergleich zu anderen Währungen im Wert steigt - so lange, bis die ersten Investoren unsicher über den weiteren Verlauf des Kurses sind, dann verkaufen sie wieder. 

Die EZB und die Nationalbanken stehen also permanent vor einer schweren Aufgabe: Die Preisniveaustabilität muss gewährleistet sein und gleichzeitig müssen jedoch außer Kontrolle geratene Wechselkurse im Zaum gehalten werden. Dies kann auch dadurch erreicht werden, dass sie durch Interventionen in Form massiver Devisenkäufe die eigene Währung künstlich drücken.

Ist der Wechselkurs hoch, profitieren die einen, ist er niedrig, die anderen. Das globale Finanzsystem ist ein ständiges Hin und Her, dessen aktueller Stand sich durch Betrachten der Umrechnungskurse zumindest grob einschätzen lässt.

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