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Trotz Finanznot die private Altersvorsorge nicht kündigen

Arbeitslosigkeit, Scheidung oder eine längere Krankheit - es gibt im Leben einige Situationen, in denen die finanziellen Mittel einmal knapp werden können. Sie kommen nicht umhin, Ihre monatlichen Ausgaben auf Sparpotenzial zu prüfen und gegebenenfalls zu senken. Trotz Finanznot sollten Sie Ihre private Altersvorsorge nicht vorschnell kündigen. Welche Nachteile hätte eine Kündigung? Vielleicht gibt es Alternativen.

Wer seinen Ruhestand genießen möchte, braucht eine private Altersvorsorge.
Wer seinen Ruhestand genießen möchte, braucht eine private Altersvorsorge.

Bei der privaten Altersvorsorge geht es im Prinzip um eine langfristige Vermögensbildung. Sie können sich für mehrere Strategien von Versicherungen über Wertpapiere oder Fonds bis Immobilien entscheiden. Meist zahlen Sie dabei mehr oder weniger hohe monatliche Beträge beziehungsweise Raten. In finanziell angespannten Zeiten kann das schwierig werden.

Private Altersvorsorge nicht kündigen

Wenn Sie Ihren Verpflichtungen aus Kreditraten, Versicherungsbeiträgen oder Fondssparen aus bestimmten Gründen nicht mehr nachkommen können, müssen Sie die Ausgaben kürzen oder Zahlungen einstellen. Die private Altersvorsorge komplett aufzulösen, wäre die denkbar schlechteste Lösung.

  • Der Wegfall monatlicher Zahlungen für eine Lebens- oder Rentenversicherung verschafft Ihnen einigen finanziellen Spielraum. Nehmen Sie Kontakt mit den betreffenden Gesellschaften oder Banken auf und beantragen Sie Umstellung des Vertrages auf Beitragsfreistellung. Bei Sparplänen informieren Sie über einen Stopp der Sparraten, oft reicht das Widerrufen der Banklastschrift. 
  • Wenn Sie dringend extra Geld brauchen, denken Sie an eine Kündigung und die Auszahlung des Sparguthabens. Das will für die einzelne Anlagevariante gut überlegt sein.
  • Eine private Renten- oder Lebensversicherung können Sie zwar kündigen, doch machen Sie dabei keinen Gewinn. In den ersten Jahren wächst das Sparguthaben kaum, Provisionen zehren zusätzlich an einem eventuellen Rückkaufswert. Beim Kündigen nach einer Laufzeit von 15 und mehr Jahren ist der Rückkaufswert immer noch zu gering.
  • Wollen Sie später erneut eine Police abschließen, fallen neue Provisionen an. Den Rückkaufswert müssen Sie versteuern. Sind es nur noch wenige Jahre bis zum Rentenbeginn, verzichten Sie auf das Kündigen. Sie werden die Vorteile der eigenen Altersvorsorge sehr schätzen.
  • Falls Sie eine für die Altersvorsorge dienende Immobilie finanzieren, lässt sich die Ratenzahlung nicht einfach abstellen. Den Kreditvertrag können Sie sicherlich kündigen. Doch dann wird der Restbetrag sofort fällig. Sie können mit dem Kreditgeber einen Zahlungsaufschub oder eine Tilgungsaussetzung vereinbaren.

Bezug von Sozialleistungen - Vermögen verbrauchen

Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie zum Kündigen Ihrer privaten Altersvorsorge gezwungen sein.

  • Angenommen, Sie müssen wegen einer längeren Erkrankung aus Finanznot Sozialleistungen des Staates beantragen. Zugleich sind Sie im Besitz einer private Rentenversicherung. Fällt diese zu hoch aus und bewegt sich oberhalb gesetzlicher Freibeträge, kann man Ihnen die staatlichen Leistungen verwehren.
  • Gemäß geltender Rechtsprechung müssten Sie die Versicherung verwerten. Das bedeutet, durch einen vorzeitigen Policenrück- oder –verkauf besorgen Sie sich eigene Finanzmittel, die Sie entsprechend verbrauchen müssen.
  • Beim Bezug von Sozialleistungen steht Ihnen ein gewisser Vermögensgrundfreibetrag zu. Zusätzlich gibt es einen Freibetrag für die Altersvorsorge in Höhe von 750 Euro je Lebensjahr.
  • Ausnahmen macht das Gesetz bei staatlich geförderten Riester- oder Rürup-Renten. Diese sind von einer Anrechnung ausgenommen.
  • Für eine Anrechnungsfreiheit wird gefordert. Die Verwertung des Vorsorgekapitals vor Eintritt in den Ruhestand ist per Vertrag unwiderruflich ausgeschlossen. Nicht zulässig wären eine Kündigung, ein Rückkauf oder eine Beleihung. Die Verwertung ist nach dem 60. Lebensjahr erlaubt.
  • Anrechnungsfrei sind weiterhin Betriebsrenten, soweit sie komplett vom Arbeitgeber finanziert wurden. Der Zugriff vor dem Eintritt des Versorgungsfalles muss ausgeschlossen sein.

Eine Eigentumswohnung oder ein selbst bewohntes Haus von normalem Wert müssen Sie trotz Sozialleistungsbezug nicht verwerten. Möglicherweise gehen staatliche Leistungen zulasten der späteren Erben. Der Staat leistet Zahlungen unter Vorbehalt und fordert sie später zurück.

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