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Tödliche Farbe - das "Lavender-Foal"-Syndrom beim Pferd

Haben Sie sich schon einmal gefragt, ob es Pferde mit lavendelfarbenem oder komplett silbernem Fell gibt? Die meisten Menschen haben solche Tiere noch nie gesehen. Es gibt sie zwar, doch sie sterben schon im Fohlenalter am "Lavender-Foal"-Syndrom.

Pferde mit dem "Lavender-Foal"-Syndrom sterben wenige Tage nach der Geburt.
Pferde mit dem "Lavender-Foal"-Syndrom sterben wenige Tage nach der Geburt.

Pferde mit besonderen Fellfarben sind sehr beliebt. Neben besonderen Scheckungsmustern sind vor allem Aufhellungen der ursprünglichen Farben gefragt. Ein Pferd mit einem silber- oder lavendelfarbenem Fell wäre ein echter Hingucker, doch leider sind diese Farben für Pferde absolut tödlich. Warum ist dies bei Pferden der Fall, aber nicht bei silbernen Farbschlägen in anderen Tierarten? Dies lässt sich anhand der Hintergründe der Farbaufhellung erklären.

Symptome des "Lavender-Foal"-Syndroms

  • Die Farbe von Pferden mit dem "Lavender-Foal"-Syndrom hängt von ihrer Grundfarbe ab. Schwarze Grundfarbe wird zu Silber aufgehellt, Braun zu Lavendel und Rot zu Rot-creme. Der Name des Syndroms leitet sich damit von dem lavendelfarbenem (englisch: lavender) Fell ab, das Fohlen mit diesem Syndrom häufig haben.
  • Zusammen mit der Fellfarbe kommt es jedoch zu schweren Gesundheitsproblemen, denn das Nervensystem funktioniert nicht richtig. Die Fohlen zeigen die Symptome schon direkt nach der Geburt.
  • Die Fohlen können nicht aufstehen und schaffen es auch nur sehr selten, sich in Brust-Bauchlage aufzurichten. In den meisten Fällen bleiben sie flach auf der Seite liegen.
  • Auf der Seite liegend führen die Tiere paddelnde und strampelnde Beinbewegungen aus. Es sieht aus, als würden sie auf der Seite liegend zu laufen oder springen versuchen.
  • Sie zeigen außerdem einen Opisthotonus, ein klassisches Symptom bei Nervenschäden. Kopf und Hals werden dabei nach hinten-oben gelegt und überstreckt.
  • Den betroffenen Fohlen ist es nicht möglich, Milch zu trinken oder zu schlucken. Sie sollten eingeschläfert werden, denn ansonsten sterben sie nach einigen Tagen ohnehin. Das Syndrom ist unheilbar.
  • Das "Lavender-Foal"-Syndrom ist vor allem bei Araberpferden bekannt. Rassen, in die viel Araberblut eingezüchtet wurde, können aber auch betroffen sein.

So entsteht die Farbaufhellung

  • Die Vererbung der Farbaufhellung sowie der Begleitsymptome erfolgt rezessiv. Das Pferd muss also reinerbig für den Defekt sein, um zu erkranken.
  • Vergleicht man Haare von normal pigmentierten und aufgehellten Tieren unter dem Mikroskop, dann sieht man, dass bei den normal pigmentierten Tieren die Farbstoffe sehr gleichmäßig im Haar verteilt sind. Bei den aufgehellten Tieren sind sie hingegen zu großen Klumpen verschmolzen. Zwischen diesen Klumpen ist jeweils kein Farbstoff zu sehen. Dadurch erscheint das Haar heller.
  • Die Verklumpungen deuten auf einen Fehler im Mechanismus für die Farbstoff-Verteilung hin. An diesem Mechanismus sind drei verschiedene Gene beteiligt. Diese arbeiten eng zusammen und bilden gemeinsam das Transportsystem. Fällt nur eines dieser Gene reinerbig aus, dann findet keine Farbstoff-Verteilung mehr statt und das Fell erscheint aufgehellt.
  • Das bei Pferden mit dem "Lavender-Foal"-Syndrom defekte Gen heißt MYO5A. Leider ist dieses Gen nicht nur für den Farbstofftransport im Haar wichtig, sondern es erfüllt auch an anderer Stelle im Körper Funktionen, und zwar in der Reizübertragung an Nerven. Deshalb haben alle Fohlen mit einem reinerbigen Defekt dieses Gens sowohl aufgehelltes Fell als auch die tödlich endenden Nervenschäden.
  • Sicher kennen Sie bei anderen Spezies silberfarbene Tiere, die gesund sind, so zum Beispiel bei Kaninchen, Mäusen, Hunden und Katzen. Bei diesen ist meist auch der Farbstofftransport gestört, jedoch liegt der Defekt hier in einem anderen Gen, das das Farbstoff-Transportsystem mitbildet. Dieses Gen wird nicht an anderer Stelle im Körper benötigt und daher haben Tiere mit einem Defekt dieses Gens auch nur ein aufgehelltes Fell und keine Nervenstörungen.  

Wie Sie das "Lavender-Foal"-Syndrom vermeiden

  • Die Fohlen, die am "Lavender Foal" Syndrom erkranken, sterben allesamt wenige Tage nach der Geburt. Daher vererben sie selbst den Defekt nicht weiter.
  • Da es sich um einen rezessiven Erbgang handelt, gibt es jedoch in der Pferdepopulation Anlageträger des Defekts, denen man diesen äußerlich nicht ansehen kann. Werden zwei Anlageträger miteinander gepaart, dann besteht ein 25-prozentiges Risiko, dass das Fohlen am "Lavender Foal" Syndrom erkrankt.
  • Da der Gendefekt inzwischen bekannt ist, gibt es einen genetischen Test auf dem Markt. Sind Sie unsicher, ob ein von Ihnen für Ihre Stute ausgewählter Hengst Anlageträger für das "Lavender Foal" Syndrom sein könnte, dann sollten Sie Ihre Stute auf den Defekt testen lassen. Ist diese frei von dem Defekt, dann kann kein Fohlen mit dem Defekt entstehen, gleichgültig, welchen Hengst Sie auswählen.
  • Stellt sich Ihre Stute jedoch als Anlageträgerin heraus, dann muss der ausgewählte Hengst negativ auf das Syndrom getestet worden sein. Ansonsten besteht das Risiko auf ein nicht lebensfähiges Fohlen.
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