Alle Kategorien
Suche

Stufenleiterverfahren - eine verständliche Erklärung

Unter Stufenleiterverfahren versteht man eine Berechnung im innerbetrieblichen Rechnungswesen. In jedem Betrieb ist es wichtig, alle anfallenden Kosten so genau wie möglich dem Verursacher zuzuordnen. Nur so ist es möglich, Kenntnisse zu erlangen, wo Kosten anfallen und wie diese Kosten bei einer Kalkulation umgelegt werden müssen. Nun gibt es dazu verschiedene Verfahren.

Betriebliches Rechnungswesen gibt es in jedem Betrieb.
Betriebliches Rechnungswesen gibt es in jedem Betrieb. © Manfred_Jahreis / Pixelio

Grundbegriffe und mögliche Verfahren

  • Beim innerbetrieblichen Rechnungswesen spricht man von sogenannten Kostenstellen. Man unterscheidet Hauptkostenstellen und Hilfskostenstellen. Die Hauptkostenstellen sind in der Regel das Material, die Produktion sowie die Verwaltung und der Vertrieb. Als Hilfskostenstellen bezeichnet man die Kosten, die nicht direkt auf die einzelnen Hauptkostenstellen zugeordnet werden können. Daneben gibt es Nebenkosten und Einzelkosten, auf die aus Vereinfachungsgründen nicht näher eingegangen wird.

  • Zur Aufstellung dieser Kostenstellen verwendet man üblicherweise einen Betriebsabrechnungsbogen (BAB). Man versteht darunter eine Tabelle, in der als Spalten die einzelnen Hilfs- und Hauptkostenstellen aufgeführt werden und als Zeilen die einzelnen Kosten wie Gehälter, Abschreibung, Zinsen und sonstige allgemeine Kosten.

  • Jedes Unternehmen muss selbst entscheiden, welche Untergliederung sinnvoll ist. In der Regel werden die Kosten aus der Buchhaltung entnommen, sodass eine ähnliche Untergliederung am besten nachzuvollziehen ist.

  • Da für die Kalkulation ein Zuschlag auf die einzelnen Kostenstellen errechnet werden muss, muss sichergestellt werden, dass alle Kosten darin enthalten sind - auch die, die als Hilfskosten bezeichnet werden. Daher ist es wichtig, diese Hilfskosten auf die Hauptkosten zu verteilen.

  • Um diese Verteilung zu erreichen, gibt es verschiedene anerkannte Verfahren: das mathematische Verfahren, das Annäherungsverfahren, das Blockverfahren oder das Stufenleiterverfahren. 

Das Stufenleiterverfahren und ein Beispiel

  • Im Beispielfall wurden die Kosten in einem BAB wie folgt verteilt: Hauptkostenstellen: Material 100.000 €, Produktion 200.000 €, Verwaltung und Vertrieb: 30.000 €, Hilfskostenstellen: Strom 5.000 €, Heizung 10.000 € und Reparatur 20.000 €. Die Summen ergeben sich aus den einzelnen Kostenarten: Material, Löhne, Hilfslöhne, Gehälter, Abschreibungen, Zinsen, sonstige Gemeinkosten. Die Summe dieser Kosten bezeichnet man auch als Primärkosten

  • Sie nehmen nun eine Tabelle in der Sie die erste Spalte als Kostenart bezeichnen und die nächsten Spalten jeweils mit den Hilfs- und Hauptkostenstellen bezeichnen. Sie haben nun im Beispiel sieben Spalten benannt. Als Zeilen schreiben Sie in die erste Spalte die einzelnen Kostenarten untereinander. Im Beispielfall sind es sieben Zeilen. Im Realfall werden nun die einzelnen Felder gefüllt, zum Beispiel in die Zeile Löhne werden die Fertigungslöhne in die Spalte Produktion geschrieben, oder die Abschreibungen werden aufgeteilt in die einzelnen Spalten Heizung, Strom, Reparatur, Produktion usw.

  • Nun müssen Sie die Hilfskosten, die sich auch gegeneinander Leistung erbringen, zuordnen. Gegeneinander Leistung erbringen bedeutet, dass zum Beispiel die Heizung auch Strom benötigt, oder für die Reparatur sowohl Strom als auch Heizung benötigt wird. Man ermittelt zuerst, welche Hilfskostenstelle am wenigsten Leistung von anderen enthält. In unserem Beispiel ist es die Kostenstelle Strom. Man vernachlässigt nun, dass Reparatur- und Heizkosten auch bei den Kosten Strom anfallen, und verteilt die Stromkosten nach einem Verteilungsschlüssel auf die verbleibenden Hilfskostenstellen Heizung und Reparatur sowie auf die Hauptkostenstellen. Diese Verteilung nennt man Umlage.

  • So verteilen Sie nun nacheinander die anderen Hilfskosten, im Beispielfall zunächst die Heizkosten und danach die Reparaturkosten. Ideal ist es, wenn Sie die Spalten für die Hilfskosten in der Reihenfolge benannt haben, in der Sie sie verteilen. Man sieht dadurch, dass die Verteilung wie Stufen bzw. wie eine Treppe nach unten führt. Daher kommt auch der Name Stufenleiterverfahren.

  • Nachdem Sie die letzte Hilfskostenstelle verteilt haben, stehen im BAB nur noch die Hauptkostenstellen. Als Primärkosten sehen Sie nun die direkt zuzuordnenden Kosten und als Sekundärkosten die Summe aller darauf anfallenden Nebenkosten. Diese Nebenkosten müssen Sie als Zuschlag auf die Primärkosten in die Kalkulation einbringen. Beispiel: Primärkosten = tatsächlich anfallendes Material: 100.000 €; Sekundärkosten = Kosten durch Verteilung 10.000 €; Zuschlag = 10 %

Teilen: