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Stück für Stück - objektive Hermeneutik und Sequenzanalyse im Fokus

DIe objektive Hermeneutik ist eine Theorie aus dem Bereich der qualitativen Sozialforschung. Ihr wohnt die Methode der Sequenzanalyse inne, die gern genutzt wird, wenn es um das Finden neuer Ansätze geht.

Bei der objektiven Hermeneutik geht es um neue Textansichten.
Bei der objektiven Hermeneutik geht es um neue Textansichten.

In der Sozialforschung gibt es quantitative und qualitative Methoden. Während erstere sich meist mit empirischen Verfahren wie Befragungen befassen, geht man in der qualitativen Forschung eher in die Tiefe - man führt beispielsweise ein narratives Interview und versucht dieses dann zu analysieren. Was einem als Forscher hier im Wege steht, ist oft die eigene Voreingenommenheit; man hat praktisch ein Ergebnis im Kopf und arbeitet dann auf dieses hin. Genau an diesem Punkt setzen objektive Hermeneutik und Sequenzanalyse an.

Unvoreingenommenheit lernen - die objektive Hermeneutik

Wenn Sie den Begriff der objektiven Hermeneutik einmal aufschlüsseln, stellen Sie schnell fest, dass es sich bei der Hermeneutik an sich um "die Lehre von der Auslegung eines Textes" (Duden) handelt. Wichtiger ist hier jedoch das Wort "objektiv", denn dies bestimmt, dass besagte Lehre hier auf Unvoreingenommenheit beruhen soll.

  • Erdacht wurde dieses Konzept in den späten 60ern im Rahmen eines Forschungsprojektes von Ulrich Oevermann. Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, dass Schlüsse in der Sozialwissenschaft genauso logisch und eindeutig sein sollten wie in den Naturwissenschaften - hierfür ist es aber nötig, dass sie nicht von subjektiven Aspekten beeinflusst werden.
  • Im Anschluss hat er unterschiedliche Analyseverfahren erarbeitet, die im Bereich der objektiven Hermeneutik zur Hilfe genommen werden können. Wichtig ist bei allen, dass ohne Zeitdruck gearbeitet wird, dass der Interpret ein kompetentes Mitglied der Gesellschaft sein muss, der sein Analysetext entstammt und dass er eben absolut unvoreingenommen sein muss.
  • Die Verfahren, die er mit diesen Vorzeichen entwickelt hat, erlauben wenig bis gar kein Vorwissen über den Text. Während es zwei Analysemethoden gibt, die ein Schattendasein fristen, hat sich die dritte - die Sequenzanalyse - in der qualitativen Sozialforschung absolut etabliert.
  • Objektiv zu sein, ist in einigen Situationen sehr vorteilhaft. Vor allem beim Bewerten …

So funktioniert die Sequenzanalyse

Wenn es um den Ablauf einer Sequenzanalyse geht, halten sich viele Forscher an eine Art Leitfaden, der von Mayring erdacht worden ist.

  1. Zunächst muss man, ganz klar, einen Text auswählen. Am schwierigsten wird die objektive Analyse natürlich, wenn Sie diesen Text bereits kennen, weil Sie beispielsweise das Interview selbst geführt haben. Dennoch kommen solche Fälle häufig vor.
  2. Dann sollten Sie eine Fragestellung erdenken, die aber vage bleiben muss. Dies ist wichtig, da es Ihnen bei der Sequenzanalyse darum geht, neue Schlüsse zu ziehen und nicht nur bestehende Thesen zu bestätigen.
  3. Dann befassen Sie sich mit der Art und Weise, auf welche die Daten erhoben worden sind, denn es ist wichtig, zu wissen, ob es sich um einen Interviewauszug oder vielleicht einen Prosa- oder gar einen Songtext handelt.
  4. Wenn Sie hinreichend Bescheid wissen, beginnt die eigentliche Analyse. Nun sehen Sie sich den Text Sequenz für Sequenz an - es sollte sich bei den Sequenzen um möglichst kurze Sinnabschnitte handeln - und stellen zu jedem Abschnitt möglichst viele plausible Thesen auf.
  5. Nach der Analyse schauen Sie, welche der Thesen in Bezug auf Ihre Fragestellung verifizierbar sein könnten. Kommen Sie hier zu einem Schluss, ziehen Sie weiteres Datenmaterial heran und stellen einen Vergleich an - und wenn Sie Glück haben, haben Sie eine neue, spannende Erkenntnis gezogen.

Fazit: Die Sequenzanalyse als Methode der objektiven Hermeneutik eignet sich vor allem dann gut, wenn man mit freiem Kopf an einen Text herangehen und ihm ganz neue Betrachtungsweisen entlocken will.

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