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Sprachursprungstheorien einfach erklärt

Sprachursprungstheorien beschäftigen sich damit, wie die Sprache entstanden ist. Die Wissenschaftler, die sich mit der Entstehung der Sprache beschäftigen, werden Paläolinguistiker genannt. Die Paläolinguistik ist das Spezialgebiet innerhalb der Sprachwissenschaft, das die Vorgeschichte der Sprache erforscht, von den ersten als Sprache zu bezeichnenden Lauten bis zu dem Zeitpunkt, an dem die historische Überlieferung begann.

Geheimnissvoller Sprachursprung.
Geheimnissvoller Sprachursprung.

Die Sprache ist eines der entscheidenden Merkmale, die den Menschen zum Menschen macht. Die Sprachursprungstheorien versuchen mit verschiedenen Ansätzen zu erklären, wie die Sprache entstanden ist. Die Erforschung dieses Sachgebiets nimmt innerhalb der gesamten Forschung rund um die Evolution des Menschen einen wichtigen Platz ein.

Sprachursprungstheorien als wichtiger Teil der Evolutionsforschung

  • Die Evolutionstheorie beleuchtet die Entwicklung des Menschen in all ihren Facetten. Die Frage, ab wann der Mensch als Mensch zu bezeichnen ist, ist einer der Problemkreise, die im Mittelpunkt des Interesses stehen.
  • Auch die Evolutionstheoretiker haben unterschiedliche Wege eingeschlagen, um die Entwicklung des Menschen zu erklären. Gemeinsames Merkmal all dieser Erklärungsversuche ist jedoch, dass die Entwicklung der Sprache als bedeutendes Ereignis in der Menschheitsentwicklung angesehen wird.
  • Deshalb ist die Paläolinguistik als eigenes Wissenschaftsgebiet innerhalb der Sprachwissenschaft entstanden, die mit Erforschung der Vorgeschichte der sprachlichen Verständigung einen entscheidenden Beitrag zur gesamten Evolutionsforschung leistet.
  • Das Forschungsgebiet, das sich mit allen Fragen rund um den Ursprung der Sprache beschäftigt, wird auch Glottogenese genannt, während der genaue Zeitpunkt, an dem der Mensch die sprachliche Artikulierung aufnahm, als Glottogonie bezeichnet wird. Dieser genaue Zeitpunkt kann bis heute noch nicht eindeutig festgelegt werden.


Verschiedene Ansätze der Sprachursprungstheorien

  • Im Laufe der Forschungsgeschichte wurden sehr unterschiedliche theoretische Erklärungsansätze für die Entstehung der Sprache aufgestellt, die die abgelaufenen Prozesse ganz unterschiedlich einschätzen.
  • In diese Ansätze fließen Forschungsbefunde der Zoosemiotik ein, die sich mit den Möglichkeiten eines Vergleichs der Tierverständigung mit der Humansprache beschäftigt, häufig bilden diese Befunde die Grundlage der Sprachursprungstheorien.
  • Ein grundsätzlicher Streit über die Vorgänge besteht zwischen den Vertretern der Naturlauttheorie und den Befürwortern der Nachahmungstheorie. Erste gehen davon aus, dass Menschen sich ursprünglich durch Ausrufe verständigten, während Letztere annehmen, dass die Sprachentwicklung mit der Nachahmung von Lauten ihren Anfang nahm.
  • Eine weitere grundsätzliche Meinungsverschiedenheit betrifft den Ort der Sprachbildung. Die Monoglottogenetiker sehen den Sprachursprung als einheitlichen Vorgang, sie gehen also von der Entstehung einer Welt-Ursprache aus. Die Polygenetiker sind der Ansicht, dass zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Sprachen an mehreren Orten der Welt gebildet wurden, die sich dann verbreiteten. Aus diesen Ursprachen seien die gegenwärtigen Sprachen hervorgegangen.


Sprachursprungstheorien bedeutender Wissenschaftler

  • Der Sprachursprung hat in unserer Vergangenheit viele berühmte Denker beschäftigt: Johann Gottfried Herder verfasste 1772 sein Werk “Über den Ursprung der Sprache”, Jacob Grimm veröffentlichte seine Schrift “Über den Ursprung der Sprache” im Jahr 1851. Ebenfalls in diesem Jahr publizierte der Berliner Philosoph und Philologe Heymann Steinthal sein bedeutendstes Werk “Der Ursprung der Sprache im Zusammenhang mit den letzten Fragen alles Wissens”, er hat sich noch in vielen anderen Werken zu diesem Problemkreis geäußert. Weitere bedeutende Paläolinguistiker dieser Zeit waren Lazarus Geiger und Ludwig Noiré.
  • Diese ersten Sprachursprungstheorien mit ihren onomatopoetischen Ansätzen (Ursprung der Sprache als Lautmalerei) wurden von der nächsten Generation der Sprachtheoretiker scharf kritisiert. Das waren der Sprachwissenschaftler Friedrich Max Müller und der Philosophieprofessor Ernst Cassirer, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts erste evolutionstheoretische Ansätze in die Diskussion brachten.
  • Deren Sprachursprungstheorien wurden im 20. Jahrhundert ausgebaut und abgelöst durch die Holistische Sprachgenesetheorie, die Theorie der evolutionären Entstehung der menschlichen Sprache. Die erste holistische Sprachursprungstheorie wurde 1922 vom dänischen Linguisten Otto Jespersen begründet.
  • Seitdem entstanden noch viele weitere Sprachursprungstheorien, konstruktivistische (Sprache als erlerntes Konstrukt), empirische (Sprache als auf beobachtbare Vorgänge zurückführbares Sprachverhalten) und tranzendentale (hier soll eine die Gegenstände möglicher Erfahrung konstituierende Sprache rekonstruiert werden) beispielsweise.


Wer sich für Sprache interessiert, wird bei einer Beschäftigung mit den Sprachursprungstheorien viele Erkenntnisse gewinnen können. Ein sicher ebenso interessantes, aber noch viel unerforschteres Gebiet ist der gesamte Wissensbereich rund um die Kommunikation der Tiere.

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