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Spitten lernen - so gelingen erste Raps

Rappen ist cool, spätestens seitdem Herrschaften wie Kool Savas, Bushido, Sido und andere die Charts gestürmt haben. Seitdem ist es für viele ein Ziel nicht nur Möchtegern zu sein, sondern die Fähigkeit zu besitzen, selbst tighte Rhymes mit passablem Flow zu spitten.

Raps spitten ist cool.
Raps spitten ist cool.

Was Sie benötigen:

  • einen Wortschatz auf gehobenem Durchschnittsniveau
  • Affinität zu Lyrik und Sprache
  • rhythmisches Vermögen

Raps spitten heißt reimen lernen

  • Um anständig rappen zu können, müssen Sie im Versmaß sattelfest sein. Hier ist es unerheblich, ob Sie en détail wissen, was ein Jambus ist, es geht einfach darum, nicht zu "hinken", es geht um ein Gefühl für einen Sprachrhythmus.
  • Dies können Sie auf zwei Wegen erreichen, die Sie kombinieren sollten. Einerseits sollten Sie selbst sich mit der Musik vertraut machen. Hören Sie den Größen der Branche zu, nicht den Popstars. 
  • Denken Sie daran, dass Massentaugliches selten sonderlich innovativ ist. Außerdem ist der Geschmack der Masse selten an Qualität interessiert. Informieren Sie sich auf Insiderseiten, auf denen sich viele Aktive bewegen (beispielsweise bei Myspace), wer dort hoch im Kurs steht und orientieren Sie sich daran. Auch Namen, die Ihnen wie aus tiefster Vergangenheit herüberzuwehen scheinen, sollten Sie nicht schrecken. Meist sind das die Leute, die auf die gegenwärtige Generation einen großen Einfluss ausgeübt haben.
  • Beginnen Sie sich in Aufnahmen dieser Leute hineinzuhören. Entwickeln Sie ein Gefühl dafür, was die Leute sagen, wie sie es sagen und nicht zuletzt, warum sie es sagen. Es kommt dabei vor, dass manches gewählte Wort eher dem Versmaß, als dem Sachzusammenhang geschuldet ist; dennoch, daran, wie intelligent ein Mensch solche Klippen umschifft, erkennen Sie den guten Schreiber (zur Verdeutlichung empfiehlt sich etwa ein Blick in das Buch "Goethes merkwürdige Wörter" von Martin Müller).
  • Der gute Schreiber ist aber noch längst nicht der beste Rapper. Beim Spitten ist die Technik genauso wichtig wie die Kreativität. Zwar kann die beste Technik nicht helfen, wo die Kreativität fehlt (weshalb der Verfasser in der Folge zur Beschäftigung mit den Großen der Literatur mit Nachdruck rät), aber was die Kreativität hervorbringt, kann nur mithilfe der Technik ausgedrückt werden. Insofern können Leute wie Jay-Z, Twista, Busta Rhymes und andere Ihnen auch dann zum Vorbild dienen, wenn Sie Ihre Texte aufgrund von Geschwindigkeit oder Slang bestenfalls bruchstückhaft verstehen. Wenn Ihnen Texte in Druckversion vorliegen, sollten Sie einmal bei langsamen Stücken versuchen mitzurappen.

Selber schreiben gehört zum Handwerk

  • Aber um wirklich Ihre Technik zu entwickeln, sollten Sie erst einmal Selbstgeschriebenes haben. Sie können sich thematisch natürlich von diesen Leuten inspirieren lassen, wenn Sie allerdings das Straßenleben in der Bronx beschreiben, Sie dieses aber nur aus Hip-Hop-Videos kennen, weil Sie in Berchtesgaden leben, wo beim besten Willen kein Getto zu finden ist, wird es künstlich. Damit verstoßen Sie schon gegen das Hip-Hop-Credo möglichst "real" zu sein. Gesellschaftskritisch kann man hingegen überall sein und schimpfen kann beinahe jeder (siehe Bushido).
  • Dennoch sollten Sie nicht dort stehen bleiben, wo andere Sie hinführen. Sonst ist es mit Ihrer Kreativität nicht weit her. Kreativität bedeutet auch, etwas aus seinem Kontext heraus völlig neu zu interpretieren, oder eben auf einem anderen Fundament basierend.
  • Der Verfasser rät daher zur Lektüre von klassischer Lyrik, deren Versmaß nicht zu frei ist. Wenn Sie etwa Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine und Stefan George lesen, so wird Ihnen auffallen, dass ersterer recht vortragsfreundlich sind, während letzterer Dinge geschrieben hat, die sich teilweise nicht reimen und sich deswegen einem Ungeübten zum Vortrag verschließen. Dies soll ausdrücklich kein Qualitätsurteil sein, denn es gibt kaum einen besseren Lehrmeister als George, wenn es darum geht, Ausdruck, Form und Gehalt zu harmonisieren. Nutzen Sie das später und lernen Sie dann von ihm.
  • Wenn Sie Lyrik lesen, sollten Sie beginnen, diese laut zu deklamieren. Deklamieren heißt nicht sie einfach laut vorzulesen, sondern diese Texte gewissermaßen zu spielen. Bedenken Sie, dass Sie als Rapper Ihre Texte verkörpern müssen, um glaubwürdig zu sein. Bestes Beispiel ist hier der Amerikaner Eminem. Mit dem Spitten allein ist es nämlich bei weitem nicht getan.
  • Zweifellos können Sie nicht erwarten durch Hören von berühmten Rappern, Lesen genialer Dichter und Schreiben eigener Zeilen zum Rapper zu werden. Die Mischung macht es. Sie können sich beim Hören sozusagen "eingrooven", Lesen erweitert ohnehin Ihren Wortschatz und Ihr Sprachgefühl, das Lesen von Lyrik dazu Ihr Gefühl für das notwendige Versmaß. Das Schreiben ist nun der Ort, an dem sich Groove und Gefühl treffen. Sie werden sicherlich zunächst ungeschickt sein, den einen oder anderen holprigen Vers anbringen. Doch werden Sie mit der Zeit, wenn Rhythmus- und Sprachgefühl ineinander wirken, sicherer werden und sich auf ein neues Niveau hieven. Viel Erfolg dabei!
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