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Spießer - Bedeutung und Herkunft dieser Bezeichnung

Es ist meist nicht schmeichelhaft gemeint, wenn jemand als Spießer bezeichnet wird. Darin schwingt ein guter Anteil Verachtung mit und zugleich der Hinweis, selbst natürlich kein Spießer zu sein. Die klare Definition des Spießers ist allerdings gar nicht mehr so einfach zu finden.

Am Anfang stand eine Waffe.
Am Anfang stand eine Waffe.

Die Ursprünge der Spießer oder Spießbürger

  • Es gehörte immer dazu, von oben herab auf diese Bürger herabzusehen, die sich mit Spießern bewaffneten. Die Spießbürger oder in der Kurzform Spießer hatten allerdings im Mittelalter gar keine andere Wahl. Bürger hatten zwar ihre Städte zu verteidigen, als Waffen waren aber nur die Spieße erlaubt. Schwerter blieben dem Adel vorbehalten.
  • Dabei stellte sich allerdings heraus, dass die Spießer den adligen Rittern in ernsten Gefechten durch die Reichweiten ihrer einfach und günstig herzustellenden Waffen überlegen waren. Fußtruppen aus Spießern gewannen in den Kriegen schnell an Bedeutung, da sie große Erfolge erzielten.
  • Die Bedeutung als Soldaten schwand zwar, aber es blieb die Bezeichnung Spießer für einen Teil des Bürgertums. Gemeint war ein Teil der Kleinbürger und auch der Mittelklasse, der im Grunde dadurch negativ auffällt, dass er eben nicht auffallen will. Anpassung ist für Spießer wichtig. Sie wollen mit der Obrigkeit nicht aneinander geraten. Ordnung und Unauffälligkeit hat große Bedeutung, während neue Ideen mit Misstrauen und Ablehnung betrachtet werden.
  • Nachdem bei der 68er-Bewegung Spießer genau das engstirnige Weltbild verkörperten, das unbedingt geändert werden musste, verändert sich die Bedeutung der Bezeichnung inzwischen. Unruhige Zeiten wecken das Bedürfnis nach Ruhe und eher bürgerlichen Werten. Spießer ist nicht mehr unbedingt ein Schimpfwort.

Die Bedeutung des Spießertums in der Literatur

  • Bei Charles Dickens war die Bedeutung der Spießer nicht durchweg negativ gemeint. Seine Spießer sind eher konservative Bürgerliche, die ihre Familie schätzen und oftmals einfach nur ihre Ruhe haben wollen. Das macht sie oberflächlich, denn für sie ist nur ein recht kleiner Teil der Welt um sie herum von Bedeutung.
  • Der Begriff der Spießigkeit wird in der Gesellschaft sehr großzügig verwendet. Doch …

  • Verachtet werden sie hingegen von Schriftstellern wie Ödön von Horváth. Er zeichnet im "Der ewige Spießer" kein so mildes Bild der Spießer. In seiner Bedeutung sind sie egoistisch, heuchlerisch und durch ihre Engstirnigkeit durchweg negative Menschen.
  • Der amerikanische Spießer wird von Sinclair Lewis in seinem Roman "Babbitt" beschrieben. Gefangen in den festgelegten Ritualen einer fiktiven amerikanischen Stadt namens "Zenith" versucht die Hauptfigur zwar, dem Spießertum zu entkommen, scheitert aber. Am Ende ist Babbitt der gleiche, kleinbürgerliche und angepasste Mensch, der er zu Anfang war.
  • Grundsätzlich sind Spießer keine Sympathieträger, werden sie in der Literatur oder der Kunst dargestellt. Oft besteht ihre Bedeutung darin, als negativer Gegensatz zu den vom Künstler natürlich höher angesiedelten Tugenden wie Kritik oder Veränderung zu stehen.

Ein wenig Spießertum muss nicht immer schlecht sein. Wie viel jeder davon verträgt, ist eine ganz individuelle Einschätzung und es wäre spießig, sich ein allgemeines Urteil darüber zu erlauben.

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