Sie haben sehr gute Sprachkenntnisse(am besten noch in einer wirtschaftlich interessanten Sprache wie Russisch, Chinesisch, Arabisch oder Spanisch) und wollen sich damit Ihren Lebensunterhalt verdienen? Der Gedanke an Übersetzen oder Dolmetschen liegt nahe. Ehe Sie sich für diesen Weg entscheiden und Dolmetscher werden wollen, sollten Sie sich jedoch gründlich informieren – der Weg zum Dolmetscher ist nicht unbedingt einfach.
- 12.07.2010 Christine Bärsche
Was Sie benötigen
Dafür brauchen Sie beide Hände
Dolmetscher oder Übersetzer? Und was ist das?
- Ein Dolmetscher, generell gesprochen, übersetzt mündliche Sprache in eine zweite. Hier unterscheidet er sich vom Übersetzer, der mit schriftlichen Texten arbeitet. Einsatzgebiete von Dolmetschern sind zumeist internationale Konferenzen und Verhandlungen, aber auch in der Rechtspflege (Gerichtsprozesse) und im Geschäftsverkehr (Vertragsverhandlungen in Firmen).
- Im Grunde gibt es zwei Arten des Dolmetschens. Beim Simultandolmetschen wird parallel zur Kommunikationssituation übersetzt. Das Ergebnis wird den Zuhörern beinahe gleichzeitig über Kopfhörer zugespielt. Bei maximal zwei Zuhörern gibt es die Möglichkeit des sogenannten Flüsterdolmetschens. Der Dolmetscher sitzt zwischen beiden und flüstert Ihnen die Simultanübersetzung zu. Die zweite Technik ist Konsekutivdolmetschen. Nach größeren Passagen des originalsprachlichen Texts macht der Sprecher eine Pause, in der der Konsekutivdolmetscher die wörtliche Übersetzung nachliefert. Diese Technik ist weniger verbreitet und kommt eher bei Festlichen Anlässen (Festakt etc.) zum Einsatz.
- Die Berufsbezeichnung Dolmetscher ist in Deutschland und Österreich nicht geschützt; dennoch gibt es Standards, an denen der Qualifikationsgrad kenntlich gemacht wird und an denen Sie sich messen sollten.
Voraussetzungen und Ausbildung zum Dolmetscher
- Zunächst sollten Sie Ihre Muttersprache sehr sicher beherrschen – auch wenn das vielleicht wie eine Selbstverständlichkeit klingt. Es genügt nicht, die Sprache mündlich und schriftlich zu beherrschen, Sie sollten auch grammatikalisch und vor allem stilistisch sicher sein und beispielsweise sprachliche Ebenen (literarische oder Umgangssprache, wissenschaftliche oder Verhandlungssprache) unterscheiden können.
- Zusätzlich benötigen Sie sehr gute Kenntnisse einer, besser noch zweier Fremdsprachen. Gängig ist, zwei Sprachen aktiv (bei einem deutschen Muttersprachler beispielsweise Deutsch und eine weitere) und eine dritte passiv (so dass aus ihr ins Deutsche gedolmetscht werden kann) zu beherrschen. Sie benötigen also neben Ihrer Mutter- mindestens eine (besser zwei) Arbeitssprachen.
- Im besten Fall können Sie ein Studium dieser Sprachen nachweisen und/oder haben längere Zeit in Ländern mit entsprechender Amtssprache gelebt.
- In jedem Fall gehören zu Ihren Fähigkeiten eine breite Allgemeinbildung (Sie müssen in der Lage sein, verschiedenste Themen zu dolmetschen), hohe Konzentrationsfähigkeit (Ihnen darf – auch nach mehreren Stunden – kein Wort entgehen) und eine rasche Auffassungsgabe. Sie müssen bereit sein, sich auf jeden neuen Auftrag auch inhaltlich (Fachvokabular) neu vorzubereiten.
- An zahlreichen Universitäten können Sie ein Studium zum Diplomdolmetscher (inzwischen immer häufiger Dolmetscher B.A./ M.A.) absolvieren. Das Studium vermittelt neben Perfektionierung sprachlicher Fähigkeiten auch Dolmetschstrategien und fachliche Inhalte. Diese Ausbildung gilt als anspruchsvoll. Eine genaue Aufstellung möglicher Universitäten und Fachakademien finden Sie auf der Website des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (www.bdue.de). Zu den Zugangsanforderungen der einzelnen Institute informieren Sie sich am besten auf deren Internetportalen.
- Für einzelne Sprachen gibt es keine regulären Studienfächer. In den meisten Bundesländern und bei einigen wenigen IHKs können jedoch staatlich anerkannte Prüfungen abgelegt werden.
Berufliche Einsatzbereiche für Dolmetscher
- Behörden: Dolmetscher vermitteln und übersetzen im Umgang von Notaren, Gerichten und Ämtern mit fremdsprachlichen Personen. Hier hat auch die besondere Form des Gebärdensprachdolmetschers ihren Haupteinsatzort. Dolmetscher arbeiten zumeist freiberuflich, von institutioneller Seite wird in der Regel eine Beeidigung verlangt. Die Anforderungen hierfür erfahren Sie an Ihren präferierten Einsatzorten.
- Internationale Institutionen – beginnend mit dem Auswärtigen Amt und dem Bundesverteidigungsministerium bis hin zur Europäischen Union und den Vereinten Nationen – haben einen eigenen Sprachendienst mit klar vorgegebenen Einstellungsvoraussetzungen. Diese können Sie über die entsprechenden Websites erfahren (etwa beim Bundessprachenamt: www.bundessprachenamt.de oder beim europäischen Amt für Personalauswahl: europa.eu/epso/apply/today/tra_de.htm).
- Europäisches Parlament und Europäische Kommission führen zudem ein Verzeichnis freiberuflicher Dolmetscher, auf die im Bedarfsfall zurückgegriffen wird. Zur Aufnahme in diese Liste müssen Sie einen Auswahltest bestehen.
- Neuere Einsatzfelder für Dolmetscher sind Mediendolmetschen (etwa für Fernsehberichterstattung) oder das Dolmetschen bei Veranstaltungen auf einer Bühne (Bühnendolmetscher). Diese Bereiche erfordern zusätzlich eine gute Stimme und sicheres Auftreten in der Öffentlichkeit.