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Sind Augen das Fenster zur Seele?

"Schau mir in die Augen, Kleines, und ich sage Dir, wer du bist!" Frage: Woher stammt der Ausdruck? Die Antwort geht in der Zeit zurück: Vor Jahrhunderten erkennt Cicero die Miene als Abbild der Seele. Renaissance-Maler da Vinci beschreibt kurz darauf die Augen als ein Fenster zur Seele. Verloren hat sich die Redensart bis heute nicht - immer mehr Redensweisen lehnen sich daran an. Da Vinci sollte es wissen - als Maler wollte er die Aura seiner Modelle abbilden. An Aufmerksamkeit hat es ihm nicht gefehlt, aber hat er tatsächlich Recht?

Augen sind tatsächlich ein Spiegel der Seele.
Augen sind tatsächlich ein Spiegel der Seele.

Irisdiagnostik - Augen als Mikrokosmos des menschlichen Organismus

Das Auge ist ein viel verschalteter Mikrokosmos des menschlichen Organismus.

  • Als Teil des zentralen Nervensystems ist es mit allen Schaltstellen des Körpers verbunden. Die Pupille schließlich reagiert unmittelbar auf Erkrankungen, toxische Vorgänge oder Schockzustände.
  • Die Iris besteht demgegenüber aus zirkulären und strahlenförmigen Strukturen, die sich im Laufe des Lebens als Reaktion auf Innen- und Außenwelt verändern.
  • Die Zirkulärteile der Iris sollen den Gewebszustand des Organismus anzeigen können. Strahlenförmige Anteile sollen die Konstitution der Organe wiedergeben. Seit dem 17. Jahrhundert - in etwa da Vincis Zeit - übten sich Naturheiler daher an der sogenannten Irisdiagnose.
  • Diese Art der Augendiagnostik ist bis heute eine eigene, alternativmedizinische Richtung. Praktizierende Naturheiler wollen aus den Augen Erkrankungen des Körpers ablesen können.
  • Das Auge als Fenster zur Seele meint eine spiegelnde Fläche für alles dort draußen. Ebenso ist eine transparente Öffnung in das Innere inbegriffen, all das nämlich ist ein Fenster. Biologisch hat die Redensart demzufolge deutliche Vernetzungen zur Irisdiagnostik.

Bedeutender als der naturwissenschaftliche Aspekt ist in diesem Zusammenhang jedoch der psychische und interaktionsgeschichtliche. 

Mehr als tausend Worte - Blicke als Fenster zur Seele

Blicke spiegeln die Stimmung. Ihr Ausdruck gibt dem Menschen eine wie auch immer geartete Aura. 

  • Steht jemand mit dem Rücken zu Ihnen, können Sie nur durch Ansehen nicht das Geringste über seine Stimmung aussagen, richtig? Das liegt in erster Linie daran, dass Sie sein Mienenspiel nicht sehen können. Seine Augen können Ihnen keine Hinweise senden. Nicht zuletzt ist das Grund dafür, dass Kommunikation am Telefon eher scheitert als direkte Interaktion.
  • Kurzum: Die Augen sind das wichtigste Instrument nonverbaler, menschlicher Kommunikation. Stellen Sie sich vor, Sie starten einen Flirt. Wie machen Sie auf sich aufmerksam? Wie senden Sie Informationen? Wie zeigen Sie Interesse? Die Augen spielen hier eine übergeordnete Rolle, denn sämtliche Gefühlsausdrücke und sensualistische Eindrücke spiegeln sich am unmittelbarsten in ihnen.
  • Ein Blick sagt mehr als tausend Worte, so heißt es und so ist es wahr, denn innerhalb eines Sekundenbruchteils kann die momentane Gefühlslage umfassend vermittelt werden - verbale Kommunikation bräuchte dazu Stunden. Drücken Sie durch Letztere Gefühle aus, dann vermitteln Sie die Theorie eines Gefühls. Ihre Augen dagegen geben die Praxis des Gefühls wieder. 
  • Jemand wendet automatisch die Augen ab, wenn er lügt. Man kann anderen Menschen nicht mehr in die Augen sehen, wenn man sich schämt oder Angst hat. Stärke soll daran erkennbar sein, wie lange man einem anderen in die Augen sehen kann - man denke an das Blickduell. 
  • Weil die Augen nicht lügen können, kann Augenkontakt einem Gesprächspartner zu verstehen geben, dass eine Aussage unwahr ist oder einer verdeckten Botschaft unterliegt. Für menschliche Solidaritätsinteraktionen wie Humor oder Ironie ist das Blickspiel damit unabkömmlich. 
  • Kein Auge gleicht dem anderen, so wie kein Mensch dem anderen gleicht. Nichtsdestotrotz hat die Sprache der Augen etwas Universales: Verbale Sprache ist an eine Nationalität gebunden. Ebenso ist nonverbale Kommunikation durch Gestik abhängig von der Interaktionskultur. Auf die Kommunikation durch die Augen trifft das dagegen nicht zu.
  • Ihr Ausdruck ist universal, ja sogar unabhängig von der menschlichen Rasse. Wer mit Tieren interagiert, liest deren Stimmung aus den Augen. Über die eigenen Augen vermittelt er ihnen Forderungen. Über Blicke beruhigt er sie.

Eigentlich überflüssig, es an dieser Stelle noch einmal zu sagen, aber da Vinci hatte Recht: Die Augen sind ein Fenster. Zum Organismus, zum Innersten, zur Seele.

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