- 08.12.2011 Dr. Kathrin Kiss-Elder
Herausforderung schüchternes Kind
Für viele Eltern ist ein schüchternes Kind eine Herausforderung, gerade wenn sie selbst nicht schüchtern sind. Warum ist das Kind so? Könnte es sich nicht einfach zusammenreißen?
- Sinnvoll ist hier, zwei Arten der Schüchternheit zu unterscheiden: Schüchternheit als Persönlichkeitseigenschaft, ein leiser, introvertierter Charakter, der einfach gern allein ist und nicht gern im Mittelpunkt steht. So eine Schüchternheit ist völlig in Ordnung und muss nicht abtrainiert oder wegtherapiert werden.
- Anders ist es mit einer Schüchternheit aus mangelndem Selbstvertrauen heraus. Hier ist ein Gespräch mit Erziehern oder Lehrern hilfreich: Wirkt das Kind in der Klasse oder Gruppe unglücklich? Wird es vielleicht über die Maßen gehänselt? Sind Kinder deshalb leiser, zurückgezogener, weil sie vielleicht Angst vor anderen Kindern oder mangelndes Selbstvertrauen haben, muss man ihnen helfen.
Wie man einem schüchternen Kind hilft
Was nicht hilft: Schimpfen oder das Kind unmäßig unter Druck setzen. Setzen Sie es nicht herab, sondern beginnen Sie damit, das Kind, so wie es ist, erst einmal zu akzeptieren. Das allein kann ein schüchternes Kind schon entspannen.
- Nun wird es gezielt gestärkt. Am besten setzen Sie dazu in Bereichen an, in denen das Kind sowieso schon gut ist und Interessen hat. Wenn es gern schwimmt, gehen Sie öfter mit ihm schwimmen und loben es für sein Können. Wenn es gern liest, gehen Sie zusammen öfter in die Bücherei und sprechen mit ihm über die Bücher, die es liest. Zeigen Sie, dass Sie an seiner Welt interessiert sind.
- Und loben Sie, loben Sie viel mehr als früher. Jedes Kind kann was. Ihr Kind kann was. Das sollten Sie ihm zeigen, denn dadurch gewinnt es mehr Selbstvertrauen.
- Nun fangen Sie an, das Kind langsam auch zu fordern - in kleinen Schritten. Vielleicht kann es schon alleine einkaufen gehen. Oder traut sich, im Café mit Ihnen zu zahlen. Halten Sie seine Hand, wenn es das erste Mal einen Klassenkameraden anruft, um sich mit ihm zu verabreden.
- Feiern Sie jeden Schritt nach vorne. Sie können auch kleine Belohnungen geben, dass es sich etwa etwas Kleines aussuchen darf, wenn es sich traut, einzukaufen oder eine Süßigkeit, wenn es sich endlich getraut hat, den Klassenkameraden anzusprechen.
Vergessen Sie nie, dass ein schüchternes Kind eben einfach noch ein Kind ist. Unterstützen Sie es, aber überfordern Sie es nicht.