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Sahara-Sand - so "erreicht" er Europa

Wer ihn einmal auf als feinen, gelben, oft auch rötlichen Staub auf dem Auto hatte, weiß: Sahara-Sand kommt auch Europa. Und mehr noch: Er gelangt buchstäblich um die ganze Welt. Aber warum?

Sandstürme sorgen für "Blutregen" in Europa.
Sandstürme sorgen für "Blutregen" in Europa. © Hexe110 / Pixelio

Sahara-Sand in Europa - das verwundert

  • Sand aus der Sahara soll bis nach Europa kommen? Dass Sand tatsächlich solche Distanzen zurücklegen kann, kommt nicht nur in zeitlichen Abständen Nachrichten oder Zeitungen vor. Manchmal kann man ihn auch als leicht gelblichen oder sogar rötlichen Staub auf dem im Freien abgestellten Auto beobachten - dieser Fallout wird, falls zusätzlich mit Regen vermischt, bezeichnenderweise "Blutregen" genannt, obwohl er mit Blut natürlich nichts zu tun hat.
  • Da stellt sich doch die Frage, wie gerade dieser Sand solch gewaltige Strecken zurücklegen kann? Denn Satellitenbilder zeigen, dass pro Jahr mehrere Millionen Tonnen nährstoffreichen Staubs aus der Sahara im wahrsten Sinne des Wortes "weggewirbelt" werden.
  • Grund hierfür ist, dass bei Sandstürmen in bestimmten geologischen Gegenden (beispielsweise Senken zwischen zwei Gebirgszügen) feinste Sandkörnchen wie bei einer Düse bis in hohe Luftschichten gelangen und dort von Winden (sog. interkontinentale Stürme) in großer Höhe (etliche Kilometer) und über große Strecken getragen werden können. Allerdings ist dies nur für wirklich kleine Sandstäubchen möglich.
  • Grund für den europäischen Blutregen ist jedoch eine eher seltene Erscheinung, nämlich ein ausgedehnter Südwind, der die rote bzw. gelbe Sandfracht bis hierher bringt. 

Übrigens: Durchschnittlich 9-mal im Jahr erreicht der Sahara-Sand Deutschland. Ein wirklich zur damaligen Zeit furchterregender rötlicher Regen muss im Jahr 1553 die Stadt Leipzig getroffen haben. Ob allerdings das Wort "Blutregen" von diesem Ereignis abstammt, ist eher nicht anzunehmen.

Sahara-Sand - ein Weltreisender

  • Der Sand gelangt nicht nur nach Europa, auch den Amazonas-Regelwald düngt er in (fast) regelmäßigen Abständen. Ohne ihn gäbe es die sprichwörtliche Fruchtbarkeit der tropischen Regenwälder Südamerikas nämlich gar nicht, denn die Böden sind extrem arm an mineralischen Nährstoffen, die noch von den Flüssen ausgewaschen werden.
  • Auch hier sorgen die Staubwinde aus der Sahara für Nährstoffzufuhr. Rund 10 % des aufgewirbelten Sandes überqueren - laut Satellitenfotos - den Atlantik, düngen nach mehr als 5000 Kilometer den Amazonas-Regenwald und sorgen zusammen mit dem Regen tatsächlich für eine üppige Vegetation. 
  • Grund sind durch ausgeprägte Azorenhochs westwärts gerichtete Winde in der hohen Atmosphäre, die die Sandlast über den Atlantik bringen.

Übrigens: Auch in Grönland wurde schon Sand aus der Sahara nachgewiesen. Man findet ihn dort auf Gletschern. Und: Ausgedehnte Staub- und Sandstürme haben auch Einfluss auf das Klima, da sie die Sonneneinstrahlung abschwächen.

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