Rudolf Steiner - so lernen Sie an einer Waldorfschule

Lernen gemäß Rudolf Steiner- klassische Bildung und natürliches Lehrmaterial gehören zusammen. Lernen gemäß Rudolf Steiner- klassische Bildung und natürliches Lehrmaterial gehören zusammen.
Was sind eigentlich Waldorfschulen – und wer war noch einmal Rudolf Steiner? Viele Menschen haben davon bereits einmal etwas gehört, ohne genau definieren zu können, um was es konkret geht. Der besondere Reiz der Waldorfpädagogik besteht in ihrer Fokussierung des Kindes und seiner Interaktion mit der Lebenswelt, die aktivierend und ganzheitlich geschieht. Gleichzeitig verfügt die Waldorfpädagogik aber auch über umstrittene Punkte, die bei einer Entscheidung, ob die Waldorf-Pädagogik für Ihr Kind geeignet ist, gründlich abgewogen werden müssen.
Simon Kolzuniak
04.10.2010 Simon Kolzuniak
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  • Weiterführende Informationen (aus schriftlichen Quellen, dem Gespräch mit örtlichen Waldorfpädagogen sowie bei Fachleuten im eigenen Umfeld wie anderen Eltern, Pädagogen etc.)

Wer war eigentlich Rudolf Steiner?

  • Rudolf Steiner (1861-1925) war ein Philosoph und Gelehrter, der vornehmlich als Publizist, Dozent und Organisator von reformpädagogischen Einrichtungen öffentlich in Erscheinung trat.
  • Wie viele andere Vordenker der Anthroposophie fand auch Steiner in der damaligen akademischen Welt keine Heimat und stand am Rande der pädagogischen Debatten seiner Zeit. Dennoch beeinflusste sein Werk die Vorstellung von Bildung nachhaltig.
  • Rudolf Steiner hinterließ ein umfangreiches Lebenswerk, das neben pädagogischen und anthropologischen Ansätzen auch okkultistische Ideen sowie ideologische Irrtümer beinhaltet, die äußerst kritisch zu sehen sind und von der heutigen Waldorfpädagogik mit der nötigen Distanz aufgearbeitet werden.

 Rudolf Steiners Anthroposophie

  • Die „Anthroposophie“ Rudolf Steiners lässt sich in ihrer Auseinandersetzung mit metaphysischen (d.h. nicht wissenschaftlich überprüfbaren) Phänomenen als esoterisch – aber nicht sektiererisch -  verstehen.
  • In ihrer Verpflichtung auf das weit über die Grenzen der Literatur reichende Erbe Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832) besteht in dieser Esoterik aber eine Bindung an die Ideale der Freiheit, der Entwicklung und der organischen Zusammenhänge von Mensch und Umwelt, die den Anspruch einer ganzheitlichen Aufklärung beinhalten.
  • Im Interesse der sogenannten „Anthroposophie“ als humanistischer Weltanschauung steht der Mensch im Kosmos. Der Ansatz der sogenannten „Dreigliederung“ geht davon aus, dass der Mensch über die drei Eigenschaften des Denkens, Wollens und Fühlens definiert werden kann, was für die Pädagogik eine gleichmäßige Inanspruchnahme von intellektuellen, künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten bedeutet und gleichermaßen Humanität wie Kreativität fördert. 
  • Ein weiterer zentraler Bestandteil der „Anthroposophie“ ist die auf den griechischen Humanismus zurückgehende Auffassung, dass der Mensch jeweils innerhalb von sieben Lebensjahren entscheidende Entwicklungsstufen erlebt. Daraus ergeben sich die entsprechenden Schwerpunkte für den Waldorfkindergarten, die klassische Waldorfschule sowie die „Oberstufe“, in welcher die Jugendlichen die Schule abschließend und ihren eigenen Weg außerhalb der Schule antreten.

Lernen an einer Waldorfschule

  • Lerntheoretisch ist die Waldorfpädagogik vergleichsweise fortschrittlich, indem sie z.B. Zeugnisse als qualitatives Feedback an die Schüler versteht und dem Individuum die Entfaltung seines Potentials in der Gemeinschaft ermöglichen möchte.
  • Gleichzeitig bedeutet die Betonung künstlerischer und handwerklicher Weltaneignung keine Vernachlässigung klassischer Schulfächer – im Gegenteil: Auf frühzeitigen Unterricht in mindestens zwei Fremdsprachen wird ebenso wie auf interdisziplinäre („Projekt-„)Herangehensweise an wissenschaftliche Phänomene viel Wert gelegt.
  • Wie im amerikanischen Pragmatismus spielt insbesondere das Erfahrungslernen eine zentrale Rolle. Anstelle eines multimedialen Herangehens wird dabei zumindest bis Eintritt der Pubertät vorwiegend mit natürlichem Lernmaterial gearbeitet. Die Bindung an einen einzigen Lehrer als Erzieher wird insbesondere in den ersten Jahren der Schulbildung besonders gepflegt.

Das Für und Wider der Waldorfpädagogik

  • Viele Kritiker bemängeln die Qualitätsstandards der Waldorfpädagogik. Zwar unterliegt die Waldorfschule der staatlichen Schulaufsicht, dennoch wird immer wieder auf die mangelnde Vergleichbarkeit der Zeugnisse aufgrund des Fehlens von Noten (diese werden lediglich bei Abschlusszeugnissen ausgestellt) sowie für Außenstehende intransparenter Qualitätsstandards bei der Rekrutierung von Lehrpersonal hingewiesen.
  • Die Gefahr einer ideologischen Beeinflussung von Kindern erscheint nach aktueller Informationslage in Waldorfschulen nicht höher als in anderen Einrichtungen. Diverse Analysen machen deutlich, dass vorliegende Fälle von Indoktrination Einzelfälle sind, die den Grundprinzipien der Waldorfpädagogik widerstreben und auch in staatlichen Schulen vorkommen können.    

Damit das Lernen gelingt

  • Eine kritisch reflektierende Auseinandersetzung mit Pädagogik und Menschenbild der Waldorfpädagogik sollte von interessierten Eltern unbedingt frühzeitig geleistet werden. Die Frage ist nicht, ob die Waldorfpädagogik richtig oder falsch ist, sondern ob sie sich für die Entwicklung Ihres Kindes eignet.
  • Daher ist es ratsam, sowohl mit Waldorfpädagogen, als auch mit Waldorfkritikern zu sprechen und möglichst Menschen im eigenen Umfeld, die Erfahrungen mit der Waldorfpädagogik haben, zu konsultieren.
  • Letztlich sollten Sie vor einer konkreten Entscheidung auch die Waldorfschule Ihrer Wahl besuchen und sich insbesondere über ihre Reputation sowie die Qualifikation der Lehrkräfte gründlich informieren.
  • Egal ob für oder gegen die Waldorfpädagogik – Sie treffen eine Entscheidung für Ihr Kind. Daher ist es wichtig, dass Sie Ihren Nachwuchs möglichst frühzeitig in die Entscheidung mit einbeziehen.
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