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Richtig schön böse - so gelingen Antagonisten

Wer gern schreibt, kennt das Phänomen: Das Entwickeln von Bösewichten macht Spaß, ist aber auch schwer. Der Antagonist soll kein Stereotyp sein, soll aber auch schlecht genug sein, um gegen ihn sein zu können. Wenn Sie gerade auf der Suche nach Ihrem perfekten Bösewicht sind, helfen ein paar Grundsätze.

Gute Bösewichte sind beängstigend und vielschichtig.
Gute Bösewichte sind beängstigend und vielschichtig.

Wichtig: die richtige Sorte Bösewicht entwerfen

Als Schreibende/r sollten Sie sich zunächst klar machen, welche Sorte von Bösewicht Sie suchen. Es gibt verschiedene "Modelle" des Antagonisten. Klarheit darüber, welches Sie brauchen, hilft Ihnen bei der weiteren Figurenkonstruktion.

  • Zum einen wäre da der "richtig Böse". Ein wirklich böser Antagonist dient in Ihrer Story dazu, dem Helden die Heldenreise zu erschweren. Seine einzige Aufgabe ist es, den Helden durch seine Boshaftigkeit und Skrupellosigkeit noch heldenhafter erscheinen zu lassen. Es ist nichts Gutes oder Liebenswertes an diesem Bösewicht - der Leser muss sich mit ihm nicht identifizieren können.
  • Das geht so weit, dass derartige Antagonisten oft nicht mehr menschlich sind. Ihre Unmenschlichkeit übernimmt ihr Äußeres und lässt sie umso beängstigender wirken. Sie haben nichts Sympathisches an sich, können aber bisweilen lächerlich wirken, was sie noch unsympathischer machen soll. Beispiele für den "richtig Bösen" sind Sauron aus dem "Herrn der Ringe" oder auch Gargamel aus den "Schlümpfen".
  • Dann gibt es den "ambivalent Bösen". Diese Art von Figur ist interessant, denn sie weckt im Leser zwiespältige Gefühle. Einerseits verachtet man den Antagonisten für seine Taten, andererseits kann man ihn auf gewisse Weise leiden. Das mag an seinem guten Aussehen liegen, aber auch an seinem Humor, seinem Charme oder seiner Vorgeschichte.
  • Ambivalente Bösewichte ringen dem Leser Verständnis ab, sie erzeugen Sympathie, sie sind aber dennoch im Grunde schlecht und tun oft unaussprechliche Dinge. Bekannte Beispiele sind Hannibal Lecter aus dem "Schweigen der Lämmer", Hans Landa aus "Inglorious Basterds" oder auch Loki aus dem Marvel-Universum.
  • Die dritte bekannte Form von Bösewichten ist der "Bad Boy". Dieser ist nicht wirklich böse - er hat aber eine dunkle Seite an sich, die immer mal wieder durchkommt und ihn zu schlechten Taten verleitet. Häufig kommt er in Frauenromanen als Love Interest vor.
  • Er bedient das Motiv, dass die Heldin des Romans ihn retten möchte, ihn zum Guten bekehren möchte. Immer wieder scheitert sie, immer wieder reiben sich die beiden aneinander auf und können doch nicht voneinander lassen. Prominente Beispiele sind Damon Salvatore aus den "Vampire Diaries" oder Spike aus dem 90er-Jahre-Hit "Buffy".

Nun haben Sie einen Überblick über die wichtigsten und bekanntesten Rollenmodelle von Bösewichten. Entscheiden Sie sich für eines davon - dann können Sie ins Detail gehen.

Der Background - niemand hat nur eine Seite

Über eine Eigenschaft Ihres Bösewichts wissen Sie auf jeden Fall Bescheid: Er ist aus einem, wie auch immer gearteten Grund, kein guter Mensch.

  • Nun gilt es, dies auszuarbeiten: Welche schlechten Taten vollbringt er? Und warum macht er es? Ist er "richtig böse" und will die Menschheit vernichten? Ist er "ambivalent böse" und sucht nach Anerkennung und Respekt? Ist er ein "Bad Boy" und einfach ein unverbesserlicher Rebell? Schreiben Sie eine lose Storyline für ihn auf.
  • Dann streichen Sie sich deren wichtigsten Punkte an und gehen Sie auf die Suche nach dem Motiv. Kommen Sie beispielsweise auf "will alle Mitglieder des Secret Service töten" und "verwendet dafür Gift", fragen Sie sich: Gut, aber warum macht er das und warum macht er es so?
  • Die Antwort werden Sie in seiner Vergangenheit finden. Vielleicht hat ihm der Secret Service übel mitgespielt - aber wann und warum? Und vielleicht war seine Mutter eine berüchtigte Giftmischerin und er hat ihre Tricks übernommen. Auf diese Weise schaffen Sie Ihrem Bösewicht einen Background, der ganz wichtig ist, um ihn zu einer lebensnahen Figur zu machen.
  • Wichtig ist dabei, dass Sie Folgendes bedenken: Niemand hat nur eine Seite. Jeder Bösewicht wurde durch etwas dazu gemacht. Kein Antagonist denkt tagein, tagaus nur ans Zerstören der Welt. Lassen Sie Ihren Bösewicht also beispielsweise einen Feinschmecker sein oder einen Glücksspieler, lassen Sie ihn eine Schwäche für Blondinen haben oder für seine Großmutter, die er rührend umsorgt.
  • Selbst Sauron, der monströse Bösewicht des "Herrn der Ringe" hat einen Hintergrund, der verrät, dass er mal gut war. Hannibal Lecter hatte einst eine kleine Schwester, die er über alles liebte.

Sie sehen: Was Ihren Bösewicht wirklich interessant und besonders macht, sind die Details seiner Biografie.

Den Antagonisten in die Story bringen

Nun müssen Sie Ihre neu geschaffene Figur noch geschickt unterbringen. Hierfür benötigen Sie natürlich ein Konzept, aus dem hervorgeht, wie Ihre Geschichte ablaufen soll. Dies beinhaltet wahrscheinlich schon einen Teil des Unheils, das der Bösewicht anrichten soll. Die Frage ist nun aber, in welcher Form?

  • Haben Sie den "richtig Bösen" gewählt, brauchen Sie ihm keine eigene Perspektive einzuräumen. Es reicht, ihm ein paar eindrucksvolle Auftritte zu gewähren, bei denen Sie seine Monstrosität aus der Sicht des Helden oder einer anderen Figur zeigen. Diese Distanz hilft dabei, dem Leser den Antagonisten als Unmenschen zu verkaufen.
  • Ein Bösewicht vom zweiten Typ hingegen braucht Raum. Er ist ein komplexer Charakter, der viel Hintergrund hat und eine eigene Perspektive verträgt. Bekommt er die nicht, ist es wichtig, dass Sie ihm anders Platz einräumen. Geben Sie ihm einen Sidekick, dem gegenüber er sein Charisma ausspielen kann, oder zwingen Sie den Helden, ihm nahezukommen. Lassen Sie den Leser seinen zwiespältigen Charakter in jeder Begegnung spüren.
  • Den "Bad Boy" hingegen können Sie am besten aus der Sicht der Protagonistin herüberbringen. Er/Sie kann sein Aussehen bis ins Detail beschreiben, kann sich selbst darüber ärgern, wie gut er ihm/ihr gefällt, kann sich von ihm immer wieder angezogen und abgestoßen fühlen. Lassen Sie den Leser mit ihr auf die Reise und in die Tiefe gehen - das funktioniert natürlich auch mit einem Helden und einem "Bad Girl".

Fazit: Der Bösewicht ist in einer Story das Gegengewicht zum gebeutelten Helden. Geben Sie ihm den Raum, den er verdient und Ihre Leser werden es Ihnen danken.

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