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Religionskritik bei Nietzsche

Friedrich Nietzsche ist ein außergewöhnlicher Philosoph, dessen Ansichten völlig neue Denkansätze lieferten. Im Mittelpunkt seiner Überlegungen steht die Religionskritik. Dieser Blick auf die christliche Moral und deren Wertesystem ist im Zusammenhang mit seinem Gesamtwerk zu sehen.

In Naumburg verbrachte Friedrich Nietzsche den größten Teil seiner Kindheit und Jugend.
In Naumburg verbrachte Friedrich Nietzsche den größten Teil seiner Kindheit und Jugend.

Friedrich Nietzsche - Leben und Hauptwerk

Nietzsche wurde am 15. Oktober 1844 in Röcken geboren und starb im Alter von 55 Jahren am 25. August 1900 in Weimar. Nach seinem Studium arbeitete er als außerordentlicher Professor für Klassische Philologie in Basel, musste aber bereits 1879 aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig pensioniert werden.

  • Zeit seines Lebens litt er unter starker Migräne und fortschreitender Kurzsichtigkeit. In den letzten zehn Jahren seines Lebens entwickelte sich, vermutlich in Folge einer Syphilis-Infektion, eine starke psychische Erkrankung. Diese ging einher mit einem Hang zum Größenwahn und Wahnvorstellungen. Schließlich verstarb Nietzsche an einer Lungenentzündung und mehreren Schlaganfällen. Er blieb Zeit seines Lebens unverheiratet.
  • Zu Beginn seines philosophischen Schaffens wurde Nietzsche insbesondere von Schopenhauer und Feuerbach beeinflusst, entwickelte aber zusehends sein eigenes philosophisches Konstrukt. Dabei stellte vor allem seine radikale Lebensbejahung einen großen Gegensatz zu den pessimistischen Ansichten Schopenhauers da.
  • Zu den Besonderheiten seines Werkes gehört der ganz eigene Stil, in dem seine Bände verfasst sind. Nietzsche beschrieb seine Gedanken in mitreißender Prosa und bediente sich häufig der Form des Aphorismus. Auch dies hebt ihn von anderen Philosophen stark ab.
  • Sein unbestrittenes Hauptwerk ist der Band "Also sprach Zarathustra", der zwischen den Jahren 1883 und 1885 entstand. Wichtige Werke in Bezug auf die von ihm entwickelten zentralen Begriffe "Gott ist tot", "Übermensch", "Wille zur Macht" und "Ewige Wiederkunft" sind "Die Fröhlichkeit der Wissenschaft", "Zur Genealogie der Macht" und "Götzen-Dämmerung".

Zu Nietzsches philosophischem Gesamtwerk sind zahlreiche Sekundärwerke erschienen. Zu den wichtigsten gehören sicherlich: Günter Abel: "Nietzsche. Die Dynamik der Willen zur Macht und die ewige Wiederkehr", Karl Jaspers: "Nietzsche. Einführung in das Verständnis seines Philosophierens" und Wolfgang Müller-Lauter: "Nietzsche. Seine Philosophie der Gegensätze und die Gegensätze seiner Philosophie". Zu Nietzsches Biografie äußerten sich unter anderem Ivo Frenzel in " Friedrich Nietzsche in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten" und Rüdiger Safranski in "Nietzsche: Biographie seines Denkens".

Zentraler Bestandteil des philosophischen Werkes: die Religionskritik

Im Zentrum von Nietzsches Religionskritik steht die Kritik an der Moral, der christlichen Moral im Besonderen. Sie ist für Nietzsche ein Sinnbild gegen freies und aufgeklärtes Denken. Ein zentraler Begriff ist hier die Herren- beziehungsweise Sklavenmoral. Das Christentum vertritt dabei für Nietzsche die Haltung der Sklavenmoral. Somit fußt das christliche Wertesystem auf Missgunst, Neid und Schwäche.

  • Um diese Machtverhältnisse umzudrehen, schafft das Christentum ein metaphysisches Konstrukt, etwa die Vorstellung von einem christlichen Jenseits. Dabei handelt es sich nach Nietzsche also um eine bloße Erfindung, die die Machtposition des Christentums herstellen soll.
  • Eng verzahnt mit diesem Gedanken Nietzsches ist seine Vorstellung vom Nihilismus. Dabei ist sein vielzitierter Kerngedanke: Gott ist tot. Damit meint er, dass der Fortschritt der Wissenschaft des 19. Jahrhunderts die christliche Vorstellung von Gott und Teufel, Gut und Böse, unglaubwürdig mache.
  • Die christliche Zivilisation verfällt zusehends und ein neues Wertesystem ist nötig. Wie dieses genau aussehen soll, verrät uns der Philosoph jedoch nicht. Vielmehr stellt er in seinem Werk "Götzen-Dämmerung" die Schwierigkeit dar, die Welt überhaupt in eine bestimmte Systematik zu pressen.

Was bei Nietzsches Religionskritik nicht falsch verstanden werden darf, ist seine Haltung. Nietzsche versteht sich als außenstehender Beobachter. Dabei prägte er den Begriff des Perspektivismus. Hier handelt es sich um eine Kritik an den gängigen Methoden der Philosophie, wie sie beispielsweise Kant betrieb. Nietzsche fragt sich einzig, wie es zu bestimmten Moralvorstellungen und Wertesystemen bestimmter Gruppen kommt. Für ihn ist die Frage nach der Perspektive ausschlaggebend, die zu einer bestimmten Interpretation der Welt in einem bestimmten Wertesystem führt.

Der Einfluss der Religionskritik und weitere zentrale Begriffe

In seinem Werk "Also sprach Zarathustra" spielen folgende zentrale Begriffe Nietzsches eine wesentliche Rolle: Der Übermensch und der damit einhergehende Wille zur Macht. Unter dem Willen zur Macht ist konkret mehr ein Wille zum Können, zur Selbstbereicherung und schließlich zur Selbstüberwindung zu verstehen.

  • Das Individuum, das diese Ziele mithilfe der Vernunft erreicht, ist der sogenannte Übermensch. Dieser steht nicht zwingend über den übrigen Menschen, sondern ist seinen Weg in ein neues Denken und ein neues Wertesystem gegangen.
  • Ein anderer wesentlicher Gedanke Nietzsches ist die Ewige Wiederkunft. Dabei wird sich alles Geschehene endlos oft wiederholen. Doch damit ist kein pessimistisches Weltbild gemeint. Im Gegensatz zu Ansichten anderer Philosophen wie Schopenhauer sieht Nietzsche darin die Liebe zum Schicksal. Dies stellt für ihn die höchste Form der Lebensbejahung des Philosophen dar.
  • Nietzsche hat das große Interesse an seinen Schriften und seine Berühmtheit nicht mehr erlebt. Seine Kritik vor allem am Christentum, aber auch am Judentum wurde allerdings auch negativ aufgenommen. Ihm wurden von seinen Kritikern immer wieder Antisemitismus und ein Hang zum Größenwahn unterstellt.
  • Vor allem sein Begriff der Herrenmoral, die abschätzige Haltung des Herrschenden gegenüber den Beherrschten, wurde vom Nationalsozialismus mit Freude aufgegriffen. Auch als Kind seiner Zeit vertritt Nietzsche ganz klar eine antidemokratische Haltung.
  • Der ganz neue Ansatz Nietzsches durch die Infragestellung einer allgemeingültigen Wahrheit hat weitreichende Auswirkungen auf bedeutende philosophische Strömungen wie den Existentialismus sowie auf den Poststrukturalismus und die Dekonstruktion gehabt. Sartre und Camus lieferte Nietzsche wichtige Anregungen und Derrida und Foucault interpretierten sein Werk von Grund auf neu. 

Friedrich Nietzsche ist einer der bedeutendsten Philosophen des 19. Jahrhunderts. Obwohl er keine systematische philosophische Lehre hinterließ, beeinflusste er die auf ihn folgenden philosophischen Strömungen maßgeblich. Er schuf eine neue Haltung und einen ganz neuen Blick auf unsere Wertesysteme. Sicherlich ist vieles aus unserer heutigen Sicht kritisch zu betrachten, doch lohnt die Beschäftigung mit seiner Philosophie allemal.

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