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Reiserecht im BGB - so verstehen Sie seine Anwendbarkeit

Das Reiserecht im BGB erfasst ausschließlich Pauschalreiseangebote von Reiseveranstaltern. Es gilt nicht für Individualreisende. Auch viele private Organisatoren von Reisen sind als Reiseveranstalter in der Haftung, ohne es zu wissen.

Pauschalreisende sind besser geschützt als Individualreisende.
Pauschalreisende sind besser geschützt als Individualreisende.

Deutsche sind Weltmeister im Reisen. Um überall problemlos hinzukommen, bieten Reiseveranstalter fertig organisierte Pauschalarrangements an. Um Reisende besser zu schützen, hat der Gesetzgeber im BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) mit den §§ 651a ff ein eigenständiges Rechtsgebiet "Reiserecht" geschaffen. Das Verständnis des Pauschalreiserechts erschließt sich aus der Abgrenzung zum Individualreiserecht.

Reiserecht betrifft nur Pauschalreisen

  • Voraussetzung der Anwendbarkeit des Reiserechts im BGB ist, dass der Anbieter mehrere Reiseleistungen organisiert, diese aufeinander abstimmt und als Reisepaket zu einem Gesamtpreis anbietet. Er verkauft dann eine Pauschalreise. Keine solche Pauschalreise liegt vor, wenn der Reisende nur eine einzelne Reiseleistung direkt beim Leistungsträger (Fluggesellschaft, Hotel, Fähre) bucht.
  • Der Vorteil des Reiserechts im BGB liegt darin, dass der Reisende im Reklamationsfall direkt den Reiseveranstalter beanspruchen kann und nicht darauf angewiesen ist, sich mit dem oft im Ausland ansässigen Leistungsträger auseinanderzusetzen. Der Individualreisende hingegen muss mit der vielleicht in Übersee ansässigen Fluggesellschaft oder dem Hotelier am Urlaubsort direkt verhandeln. Wegen des damit verbundenen sprachlichen und organisatorischen Aufwandes ist die Durchsetzung eventueller Rechte kaum möglich.
  • Da Reisende Buchungen meist im Voraus bezahlen müssen, ist der Pauschalreisende gegenüber dem Individualreisenden besser geschützt. Er erhält bereits bei der Anzahlung einen Reisepreissicherungsschein, der ihm garantiert, dass er sein Geld im Falle der Insolvenz des Reiseveranstalters von einer Versicherung erstattet bekommt. Der Individualreisende zahlt auf eigenes Risiko.

Das BGB erfasst auch private Organisatoren

  • Jeder, auch eine Privatperson, ein Verein oder eine sonstige Organisation (Gesangsverein, Volkshochschule, Kirche), der eine Reise als Pauschalreise organisiert und anbietet, gilt als Reiseveranstalter und haftet im Beanstandungsfall nach dem Reiserecht des BGB.
  • Es kommt also nicht darauf an, dass der Organisator gewerblich handelt.

Reiseveranstalter haftet für seine Leistungsträger

  • Als Reiseveranstalter haftet der Anbieter für die mangelfreie Erbringung der Reiseleistungen. Er verantwortet gegenüber dem Reisenden das Fehlverhalten der von ihm beauftragten Leistungsträger und kann sich nicht mit deren Verschulden enthaften.
  • Ihm obliegt insbesondere eine Verkehrssicherungspflicht. Er muss die von ihm beauftragten Leistungsträger regelmäßig auf Zuverlässigkeit überprüfen und haftet, wenn der Pauschalreisende beispielsweise durch das brüchige Balkongeländer stürzt und sich eine über das allgemeine Lebensrisiko hinausgehende Gefahr verwirklicht.
  • Pauschalreisende haben, wenn sich eine Reiseleistung als mangelhaft herausstellt, ein Minderungsrecht, das Recht zur Kündigung des Reisevertrags wegen eines Mangels und wegen höherer Gewalt sowie einen Anspruch auf Schadensersatz, insbesondere wegen verdorbener Urlaubsfreude. Voraussetzung ist ein vorhergehendes Abhilfeverlangen gegenüber dem Reiseveranstalter.
  • Dem Reiseveranstalter obliegen zahlreiche Informations- und Fürsorgepflichten gegenüber dem Reisenden. Er muss ihn über alles informieren, was für die Durchführung der Reise wesentlich und ihm bekannt ist (Visaerfordernis, Impfschutz, Einreisebestimmungen, Überfallgefahren).
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