- 21.12.2011 Meggi Erwig
Ein Ratgeber wird bei einer Scheidung nicht ausreichen
Eine Scheidung kann durchaus von dem einen oder anderen als "Vulkan" empfunden werden, vielleicht aber auch als "Sog", der ihn immer tiefer in die Erde zieht. Betroffene Menschen können mit Verzweiflung, Liebesverlust, Hoffnung, Wut, Ratlosigkeit, Angst, Resignation, Trauer und Einsamkeitsgefühl reagieren.
- Eine Scheidung bahnt sich durch Beziehungsstress an, sodass z. B. unerfüllte Wünsche, gegenseitige Anpassungsprobleme, Vertrauensverluste, Enttäuschungen, Sprachlosigkeiten, Schuldzuweisungen zum Bruch der Beziehung führen. Und mitten in all den ungeordneten Gefühlen, bei denen vielleicht noch nicht einmal ein Ratgeber weiterhelfen konnte, stehen Kinder, denen zueigen ist, bereits im Vorfeld zu spüren: "Etwas ist anders."
- Während Sie als Paar noch nicht ahnen, dass Ihre gegenseitigen Unzufriedenheiten, Forderungen, Streitigkeiten, in der Beziehung einer gründlichen Klärung bedürfen, spüren die Kinder oft schon Angst: "Habt Ihr euch nicht mehr lieb?" "Habe ich etwas falsch gemacht?" "Was geschieht jetzt bloß" Mit dieser Unsicherheit fühlen sich viele Kinder lange allein, weil zunächst Sie als Paar begreifen müssen, dass etwas verändert werden muss.
- Natürlich ist es für Kinder genauso untragbar, in einer "zerrütteten" Ehe und Partnerschaft zu leben, wie für Sie, denn alles, was nicht authentisch gelebt werden kann, schmerzt. Die Frage ist, welcher Ratgeber Ihnen helfen kann, mit dem Durcheinander der Gefühle, Verwicklungen und Zerrissenheiten erträglicher umzugehen. Sicherlich ist die Welt inzwischen so offen, nach "überstandenem Gefühlschaos" mit den Kindern zu klären, dass beide Elternteile nach einer Scheidung weiterhin Eltern bleiben.
- Dennoch ist es für Kinder erst einmal ein herzzerreißender Schmerz, im wahrsten Sinne des Wortes, denn das Herz des Kindes gehört beiden Elternteilen - und es gehört zusammen. Die Spannung, die Kinder von ihrer ersten Angst bis zum "Zerreißen" ihres Herzens, mit sich schleppen, endet meistens, entgegengesetzt zu dem Empfinden der Eltern, die sich langsam, innerlich auseinandergesetzt und vorbereitet haben, nämlich: Plötzlich. Dieses abrupte Zerbrechen nach einer angstbesetzten Zeit verursacht einen schmerzhaften "Schlüsselreiz", den man später nur noch sehr schwer mildern kann.
- So unterschiedlich Menschen sind, so unterschiedlich sind Empfindungen und jeder Ratgeber wird Ihnen auf der Grundlage eigener Sichtweisen, Erfahrungen, Empfindungen und Lehren zu Ihrem Thema "Scheidung - was geschieht mit den Kindern?" raten. Aus diesem Grunde sollten Sie sich niemals nur auf einen Ratgeber verlassen, sondern Ihr eigenes Empfinden als den stärksten Ratgeber nutzen und diesen verschiedenen Erfahrungsberichten und Vorschlägen sensibilisieren.
Ein Ratgeber mit bestimmter Perspektive
- Sprechen Sie über eine Scheidung im Bekanntenkreis nicht abfällig, sondern eher wertfrei oder betroffen, mit einem Blickwinkel auf eine wünschenswerte Zukunft. Solange Sie keine deutlichen Hinweise spüren, dass Ihre eigenen Beziehungsstreitigkeiten in eine "Gefühlstrennung" führen, erklären Sie Ihren fragenden Kindern, dass sich auch Erwachsene mal streiten können.
- Wenn Sie bei Ihren Beziehungsstreitigkeiten feststellen, dass Sie sich von Ihrem Partner gefühlsmäßig immer mehr distanzieren, ist Aufmerksamkeit geboten, denn Kinder werden den Spannungsunterschied zwischen "streiten" und "entfernen" spüren. Spätestens jetzt sollten Sie mit Ihrem Partner klären, was Sie empfinden, und dass Sie eine Zeit der "Klärung" benötigen.
- Nehmen Sie eine Gesprächstherapie für sich in Anspruch, und wenn Ihre Kinder Sie fragen, seien Sie mit Ihrer Antwort ehrlich: Sie spüren, dass sich etwas verändert hat, und wünschen sich, wieder zusammenzufinden. Ab jetzt sollten Sie mit Ihren Kindern und Ihrem Partner ehrliche, authentische Gespräche führen, damit Ihr Kind spürt, dass Sie beide ihm als Eltern erhalten bleiben werden.
- Geschrieben liest sich das gut - sicher. Aber es ist oft schwer, umzusetzen. Aus diesem Grunde ist es wichtig, dass Sie eine Gesprächstherapie, vielleicht sogar mit Ihrem Partner zusammen, aufnehmen, denn eine solide, fachlich geführte Gesprächstherapie ist wie eine Supervision, die Ihnen helfen wird, einen Überblick über die Geschehnisse und Gefühlsbewegungen zu bekommen.
- Halten Sie den Schmerz aus, wenn Sie feststellen, dass auch Ihr Partner Anspruch auf die Kinder erhebt. Nicht selten würde ein (Liebesmacht-) Kampf um die Kinder, diese in eine unerträgliche Situation führen. Lernen Sie als Paar zu akzeptieren, dass Sie gleichberechtigte Partner sind, um mit Ihren Kindern eine gemeinsame Zukunft planen können.
- Eine gemeinsame Zukunft zu planen, kann bedeuten, dass Sie Ihren Kindern mitteilen, dass Sie als Paar nicht mehr zueinanderpassen aber als Eltern immer. Überlegen Sie, je nach Alter Ihrer Kinder, gemeinsam, wer wo, bei wem wohnen und leben möchte, wie der Kontakt gehalten wird und welche äußerlichen Gegebenheiten bedacht werden müssen (Beruf, Schule Wohnort).