Was Sie benötigen:
  • Beratungsstelle, Rechtsanwalt
  • Berechtigungsschein für Beratungshilfe
  • Detaillierte Auflistung aller Gläubiger und deren Forderungen

Bei dem für Sie zuständigen Amtsgericht können sie einen Berechtigungsschein für Beratungshilfe beantragen. Mit diesem Schein kann der von Ihnen beauftragte Rechtsanwalt seine Kosten abrechnen und Sie zahlen nur eine Eigenbeteiligung in Höhe von ca. 10 Euro. Sollten Sie keinen Beratungsschein ausgestellt bekommen, müssen Sie selbst die Anwaltskosten in voller Höhe tragen.

Vor der Privatinsolvenz - die außergerichtliche Einigung

  • Bei der Schuldnerberatungsstelle oder dem Rechtsanwalt werden Sie gebeten, eine genaue Auflistung aller Gläubiger, bei denen Sie verschuldet sind, anzufertigen. Sie dürfen niemanden vergessen, da dies das ganze Verfahren kippen könnte. Die Gläubiger sind verpflichtet Ihnen detaillierte Auskunft auf eigene Kosten zukommen zulassen.
  • Der Rechtsanwalt wird nun als ersten Schritt einen Schuldenbereinigungsplan erstellen. Er wird alle Gläubiger kontaktieren, darauf hinweisen, dass ein Insolvenzverfahren im Raum steht, aber eine außergerichtliche Einigung angestrebt wird. Er wird mit jedem Gläubiger einen Vergleich anstreben der zur Bereinigung Ihrer Schulden Nötig ist, unter Berücksichtigung Ihrer wirtschaftlichen und familiären Lage, es werden aber natürlich auch die Interessen Ihrer Gläubiger gewahrt. Ist dies von Erfolg gekrönt, wird die Privatinsolvenz unnötig und Sie müssen sich nur an die vereinbarten Regeln zur Schuldenbereinigung halten.
  • Sollte aber auch nur ein Gläubiger ablehnen oder die Zwangsvollstreckung gegen Sie einleiten, müssen Sie den Schuldenbereinigungsplan als gescheitert betrachten. Sehr häufig gilt das Finanzamt bei Steuerschulden als äußerst schwierig.

Mit den Verbindlichkeiten und Steuerschulden in die Insolvenz

  • Sie benötigen nun von der Schuldnerberatungsstelle oder dem Anwalt eine Bescheinigung über den gescheiterten Versuch einer außergerichtlichen Einigung. Liegt diese vor, kann nun das amtliche Antragsformular zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens, schriftlich beim Insolvenzgericht eingereicht werden.
  • Beizufügen ist, der Schuldenbefreiungsplan,
  • die Bescheinigung über den Versuch der außergerichtlichen Einigung
  • das Verzeichnis der Gläubiger mit den gegen Sie gerichteten Forderungen, des Weiteren müssen Sie ein 
  • Verzeichnis über Vermögen und Einkommen beifügen, bei dem ebenfalls kein Posten fehlen darf.
  • Sie müssen auch schriftlich einen Antrag auf Restschuldbefreiung stellen oder erklären, dass Sie darauf verzichten.
  • Das Gericht überprüft, ob Ihr Antrag Aussicht auf Erfolg hat und das Insolvenzverfahren eröffnet wird. Alle Ihre Gläubiger werden angeschrieben und müssen innerhalb von vier Wochen eine Stellungnahme abgeben. Sollten nicht mehr als die Hälfte der Gläubiger ablehnen, wird das Gericht das Verfahren der Privatinsolvenz eröffnen.
  • Die Laufzeit der Insolvenz beträgt sechs Jahre.
  • In dieser Zeit haben Sie regelmäßig die vereinbarten Raten an den Treuhänder zu zahlen. Pfändbares Vermögen wird eingelöst zur Schulden Regulierung. Vorausgesetzt wird auch Ihr Wohlverhalten. Während der gesamten Jahre werden Sie über den aktuellen Stand Ihrer Schulden informiert werden.

Restschuldbefreiung- das Ende der Privatinsolvenz und Steuerschulden

  • Nach ablauf dieser sechs Jahre Privatinsolvenz gelten Sie nun endlich als schuldenfrei. Das Gericht wird nun überprüfen, ob bei Ihnen eine Restschuldbefreiung gestattet wird. Sollte dies der fall sein, wird noch 4 Jahre nach Verfahrensende überprüft ob die Gerichtskosten, die bislang gestundet sind, von Ihnen gezahlt werden können. Ist dies bis Ablauf der Frist nicht der Fall, werden Ihnen die Kosten erlassen.
  • Die Restschuldbefreiung kann abgelehnt werden wenn Sie nach InsO § 290 (Insolvenz Ordnung)
  • einen Antrag auf verzicht gestellt haben.
  • Sie während der 6 Jahre Laufzeit straffällig geworden sind und rechtskräftig verurteilt wurden.
  • Wenn Sie vor oder nach dem Antrag falsche Angaben über ihre Vermögenssituation gemacht haben um einen Kredit oder staatliche Leistungen zu erhalten.
  • Vermögen von Ihnen verschwendet wurde oder Sie ihrer Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen sind.
  • Sie dürfen auch nicht in die Arbeitslosigkeit geraten oder neue Schulden aufnehmen.
  • Der häufigste Fallstrick für Schuldner in der Insolvenz ist die Gläubiger Bevorzugung.
  • Ein Beispiel zur Erklärung: Sie haben ein Auto, das auf Ihren Namen läuft, nicht verpfändet wurde und von Ihnen weiterhin genutzt werden darf. Bei dem Finanzamt haben Sie Kfz Steuerschulden und der Fiskus droht mit Stilllegung des Wagens. Sollten Sie nun Zahlen um dies zu verhindern, haben Sie den Gläubiger zu Unrecht bevorzugt, dies kann Sie ihren Anspruch auf Restschuldbefreiung kosten.
  • Von Vorteil ist in solchen Fällen das Ehegattensplitting, Ihr Ehepartner wird von den  Zahlungsverpflichtungen ausgenommen und hat seine Steuerlichen Vorteile nach wie vor. Ein Auto das Sie vor der Pfändung bewahren wollen oder für das neben den bestehenden Steuerschulden jährlich weitere Forderungen anfallen, sollten Sie auf Ihren Partner ummelden.