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Pferd hat ein gebrochenes Bein - Therapien und Prognosen

Auf der Rennbahn passiert es nicht selten - ein Pferd stürzt unglücklich, bricht sich das Bein und wird "erlöst". Dadurch hält sich das Gerücht, dass Beinbrüche beim Pferd immer mit Euthanasie enden. Dabei gibt es einige Frakturen, die mit guter Versorgung eine günstige Prognose haben.

Die Beine des Pferdes sind großen Belastungen ausgesetzt - daher kommen Beinbrüche häufig vor.
Die Beine des Pferdes sind großen Belastungen ausgesetzt - daher kommen Beinbrüche häufig vor.

Verschiedene Frakurarten

Jeder, der sich schon einmal selbst etwas gebrochen hat, weiß: Bruch ist nicht gleich Bruch. Viele unterschiedliche Arten von Frakturen können auch beim Pferd auftreten.

  • Es gibt komplette und inkomplette Brüche. Letztere werden Fissuren genannt. Fissuren haben den Vorteil, dass sie meist gut ausheilen, bergen aber auch die Gefahr, dass sie sich bei unsachgemäßer Versorgung zu kompletten Brüchen weiterentwickeln.
  • Weiterhin wird zwischen einfachen Brüchen, Keilbrüchen und Trümmerbrüchen unterschieden. Bei einem einfachen Bruch geht die Fraktur nur einmal durch den Knochen, bei einem Keilbruch zweimal. Man kann, je nach Verlauf der Fraktur, noch weitere Unterarten einteilen. So gibt es zum Beispiel gerade, schräge oder Spiralbrüche. Trümmerbrüche bestehen aus vielen verschiedenen Frakturlinien.
  • Unterschieden wird auch zwischen offenen und bedeckten Brüchen. Dabei ist ein Bruch dann offen, wenn es eine Hautwunde, egal wie klein sie ist, gibt. Geschlossene Brüche sind also von vollkommen intakter Haut umgeben.
  • Ein Sonderfall ist der Bruch der Epiphysenfugen bei Fohlen. Diese befinden sich an Gelenken und bestehen aus Knorpel. Sie werden auch als Wachstumsfugen bezeichnet, da sie dem Knochen Platz für das Wachstum lassen und sich in jungen Jahren schließen. Solche Frakturen lassen sich zwar meist gut versorgen, haben aber die Gefahr der Wachstumsstörungen.

Therapie und Prognose ausgewählter Frakturen

  • Eine häufige Fraktur am Pferdebein, die konservativ behandelt werden kann, ist die Hufbeinfraktur. Diese wird vom Hornschuh umgeben und stabilisiert. Ein zusätzlicher Verband aus Kunstharz und ein besonderes Hufeisen sorgen dafür, dass der Huf innerhalb eines halben Jahres ausheilen kann.
  • Die meisten anderen Beinbrüche müssen chirurgisch versorgt werden. Dabei stehen verschiedene Implantate zur Verfügung: Platten, Schrauben, Drähte und Nägel werden so angebracht, dass die Frakturenden so wenig wie möglich gegeneinander verrutschen.
  • Fesselbeinfrakturen lassen sich so recht gut fixieren. Dies gilt vor allem, wenn der Knochen in der Achse des Beines durchgebrochen ist. Hier kommt es auch häufig zu Fissuren. Dabei ist meist keine OP nötig, doch die Boxenruhe sollte strikt eingehalten werden, um es nicht zu einem Bruch kommen zu lassen.
  • Auch der Ellenbogen lässt sich oft gut chirurgisch therapieren. Das liegt daran, dass er keine tragende Funktion ausübt und dadurch gute Heilungschancen hat. Dies gilt ebenso für Brüche der Griffelbeine.
  • Je höher der Bruch jedoch liegt, desto komplizierter ist die Versorgung, da der Verband einfach nicht mehr halten kann. Wenige Frakturen, zum Beispiel die der Hüfte (ohne Gelenkbeteiligung), können daher auch ohne Therapie ausheilen.

Grundlegende Regeln

  • Eine Frakturbehandlung braucht in jedem Fall Zeit. Selbst eine gut zu versorgende Hufbeinfraktur sollte sechs Wochen ruhig stehen, bevor das Pferd wieder langsam belastet werden kann. Oft handelt es sich aber um Monate bis Jahre.
  • Eine Fraktur heilt besser, wenn das Gewicht des Pferdes nicht so hoch ist. Eine markante Grenze bilden dabei 300 Kilogramm. Bei Ponys und jungen Pferden können Brüche erfolgreich versorgt werden, die beim Großpferd aussichtslos scheinen. Dies gilt besonders für die langen, tragenden Knochen, beispielsweise die Röhrbeine.
  • Die Prognose verschlechtert sich, sobald ein Gelenk betroffen ist. Dadurch kann es leicht zu Entzündungen kommen und Arthrosen setzen sich in das Gelenk.
  • Auch offene Brüche verschlechtern die Prognose. Dadurch haben Krankheitserreger leichtes Spiel und die Wunde kann sich wesentlich schneller infizieren und zu Wundheilungsstörungen führen.
  • Bevor Sie sich für eine Therapie entscheiden, sollten Sie sich im Klaren sein, dass eine Nutzung als Sportpferd in den meisten Fällen kaum möglich sein wird. Je nach Fraktur und Heilung kann es sein, dass Ihr Pferd nicht mehr geritten werden kann. Außerdem sollten Sie sicher sein, dass Sie die Finanzen aufwenden können. Prinzipiell können die meisten Frakturen versorgt werden, allerdings steigen mit sinkender Heilungsprognose die Kosten, sodass Sie bei komplizierten Frakturen um die 10.000 € einplanen sollten.

Ein Beinbruch bedeutet für das Pferd zwar nicht unbedingt das Todesurteil. Trotzdem handelt es sich meist um einen aufwendigen und riskanten Weg, den Sie und Ihr Tier gehen müssen.

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