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Perspektive, Verblauung, plastisches Zeichnen - Räumlichkeit in Bildern

Wenn Sie Landschaften oder Interieurs realistisch zeichnen möchten, müssen Sie räumliche Tiefe auf ein zweidimensionales Blatt zaubern. Das gelingt Ihnen zum einen über perspektivisches Zeichnen mit Fluchtpunkten. Aber auch über die Farbgebung können Sie viel Räumlichkeit erreichen. Schließlich müssen auch die einzelnen Objekte plastisch ausgestaltet werden.

An einer Allee können Sie räumliches Zeichnen hervorragend üben.
An einer Allee können Sie räumliches Zeichnen hervorragend üben.

Perspektivisches Zeichnen mit Fluchtpunkten

Eines der wichtigsten Themen beim räumlichen Zeichnen ist das Arbeiten mit Fluchtpunkten. Sie können mit einem, zwei oder gar drei Fluchtpunkten arbeiten. Fluchtpunkte sind immer dann angezeigt, wenn Sie geometrische Formen wie Häuser, gerade Straßen oder Tische zeichnen.

  • Zunächst etwas Grundlegendes zum Fluchtpunkt: Wenn Sie mit einem oder zwei Fluchtpunkten arbeiten, liegen diese auf dem Horizont Ihres Bildes. Der Horizont ist gleichzeitig die Augenhöhe des Betrachters. Die Fluchtpunkte liegen also genau auf Augenhöhe.
  • Alle Linien, die in die Tiefe laufen, orientieren sich zum Fluchtpunkt hin. Linien, auf die Sie frontal schauen, sind horizontal.
  • Zeichnen Sie einen Würfel von direkt frontal, brauchen Sie nur einen Fluchtpunkt. Die Würfelkanten, auf die Sie schauen, verlaufen horizontal. Die Würfelkanten, die in die Tiefe streben, streben auf den Fluchtpunkt zu. Der Würfel wird dadurch nach hinten verjüngt. Denken Sie daran, ihn auch zu verkürzen. Die Linien, die in die Tiefe reichen, sind kürzer als die, auf die Sie frontal schauen.
  • Schauen Sie auf eine Ecke des Würfels, brauchen Sie zwei Fluchtpunkte zu beiden Seiten des Würfels. Es gibt nun keine horizontalen Linien mehr. Jede Kante des Würfels läuft auf einen der beiden Fluchtpunkte zu. Dabei verjüngen sich die Seiten nach hinten. Je dichter die Fluchtpunkte zusammenstehen, desto näher ist der Betrachter am gezeichneten Objekt.
  • Schauen Sie an einem Wolkenkratzer empor oder in eine tiefe Schlucht, brauchen Sie einen dritten Fluchtpunkt. Dieser befindet sich nicht auf Augenhöhe des Betrachters, sondern wesentlich weiter oben oder unten. Durch diesen dritten Fluchtpunkt verjüngen sich Objekte nach oben oder unten. So können Sie bei Objekten, die deutlich größer sind als der Betrachter, viel Räumlichkeit erzeugen. Denken Sie zum Beispiel an den Anblick eines Hochhauses, wenn Sie an dessen Fuß stehen, oder an eine tiefe Straßenschlucht.

Farben und Räumlichkeit

Auch Farben können Sie einsetzen, um Ihren Bildern Räumlichkeit zu verleihen.

  • Wenn Sie eine Landschaft zeichnen, werden Sie zum Horizont hin heller, sowohl beim Boden als auch beim Himmel. Können Sie weit bis zum Horizont schauen, treffen sich Himmel und Erde in einem sehr zarten Farbton.
  • Gleichzeitig verblauen Sie Ihre Landschaft nach hinten. Warme Farben treten nach vorn und kalte nach hinten. Ihre Landschaft wird also zum Horizont hin heller und bläulicher.
  • In einem Raum verhält es sich anders. Hier werden Sie nach hinten hin dunkler, um Raumtiefe zu erzeugen.

Diese Regeln gelten natürlich nur, wenn keine anderen Umstände hinzukommen. Ein Zimmer, das in der hintersten Ecke mit einer hellen Lampe ausgestattet ist, ist hier natürlich nicht dunkler. Hier können Sie Räumlichkeit erzeugen, indem Sie den Bildvordergrund dunkel zeichnen und den Betrachter zur Lichtquelle in die Tiefe des Bildes ziehen.

Schatten und Überschneidungen

  • Ganz wichtig für die Räumlichkeit sind Überschneidungen. Die vorderen Objekte sind dabei größer als die hinteren. Sie verdecken die hinteren Objekte teilweise. Ordnen Sie Ihre Objekte so an, dass sie sich überschneiden.
  • Alles wirft Schatten. Arbeiten Sie in Landschaften wie in Interieurs mit Schatten. Dabei entscheide Sie, von welcher Seite das Licht kommt, und zeichnen dann für jedes Objekt einen Schatten zur Gegenseite ein. Trifft der Schatten auf eine Wand oder einen anderen Gegenstand, verzieht er sich. Achten Sie auch darauf, dass ein Gegenstand einen Schatten auf sich selbst wirft. Die dem Licht abgewandte Seite ist dunkler als die dem Licht zugewandte.

So werden die Dinge plastisch

Um eine bestmögliche Räumlichkeit zu erzeugen, müssen auch die einzelnen Objekte plastisch ausgestaltet werden.

  • Objekte werden einmal durch den Schattenwurf plastisch. Bei einer direkten Lichtquelle werfen sie einen Schlagschatten. Sie selbst sind auf der der Lichtquelle zugewandten Seite am Hellsten.
  • Gegenstände werden nach hinten dunkler. So zeichnen Sie beispielsweise eine Kugel, indem diese zum Rand hin langsam dunkler wird.
  • Achten Sie beim Zeichnen von Licht- und Schattenbereichen auf die Textur des Gegenstandes. Dies lässt sich am Faltenwurf üben. Ein glatter Satinstoff hat tiefe Schatten und weiße Lichtbereiche, welche schnell, aber stufenlos ineinander übergehen. Ein stumpfer Leinenstoff zeigt weniger tiefe Schatten und keine Glanzlichter.

Diese Regeln müssen für jedes Bild neu gegeneinander abgewogen werden, da sie sich teilweise gegenseitig ausschließen. Sie müssen dabei vor allem die Lichtverhältnisse bei Ihren Zeichnungen berücksichtigen.

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