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Orchideen ohne Erde pflegen - so geht's

Epipythische Orchideen benötigen keine Erde.
Epipythische Orchideen benötigen keine Erde. © Michael_Fink / Pixelio
Orchideen bezaubern den Betrachter immer wieder von Neuem: die Farbenvielfalt, die Eleganz der zarten Blüten und die anmutig sich rankenden Wurzeln - ein Gesamtkunstwerk der Natur - auch in der Wahl ihres Lebensraus: sämtliche der ca. 100.000 Orchideenzüchtungen haben die Besonderheit, vollkommen ohne Erde zu wachsen und zu gedeihen.

Orchideen können Sie generell in zwei Gruppen einteilen: zum einen die terrestrischen oder Erdorchideen, die nicht wirklich in Erde gedeihen, sondern semi-terrestrisch, also in Tot- bzw. Moderholz. Der andere Typ Orchideen zählt zu den epiphytischen Pflanzen - den Aufsitzern, die auf Bäumen, aber auch auf Gestein wachsen.

Die Lebensadern der Orchideen sind Luftwurzeln

  • Die terrestrischen Orchideen, unter ihnen die Gattung Cymbidium mit den Vertretern Phalaenopsis, Cattleya und Frauenschuh, zählen zu den gängigsten Arten. Ihre Wurzeln wachsen zuerst einmal, wie bei allen Pflanzen, unter dem Boden, wobei Boden nicht gleichbedeutend ist mit Erde im herkömmlichen Sinn, zum anderen besitzen sie Luftwurzeln, in denen sie Feuchtigkeit speichern.
  • Die Ansprüche von Erdorchideen können unterschiedlicher nicht sein: heimische Orchideen - Frauenschuhgewächse, die gelegentlich noch im Alpen- und Juraboden anzutreffen sind, lieben kalkhaltige Böden, anderen fühlen sich in sumpfigen und saueren Moorböden heimisch.
  • Um lange Freude an Ihren terrestrischen Orchideen zu haben, sollten Sie Ihnen als Boden  Orchideensubstrat (im Fachhandel) gönnen. Es setzt sich aus einem hohen Rindenanteil, einer geringen Menge Hochmoortorf sowie Styroporkügelchen - diese begünstigen die Luft- und Wasserdurchlässigkeit - zusammen. Achten Sie darauf, dass die Pflanze niemals zu viel Wasser erhält. Es würde Fäulnis hervorrufen.
  • Für Orchideen ohne Erde können Sie selbst Pflanzsubstrat herstellen: besonders gut gedeihen sie in vermodertem Holz oder Rindenmulch, vermischt mit Blähtonkügelchen, diese sollten Sie allerdings sparsam verwenden, da Hydrokultursubstrate oftmals versalzen und dadurch den Wurzeln Schaden zufügen.
  • Hobbygärtner verwenden gerne Kork, zerkleinerte Nussschalen oder welkes Laub als Substrat. Zur Desinfektion dieser natürlichen Substrate eignet sich zerkleinerte Holzkohle - sie tötet die Bakterien der Materialien auf biologische Weise ab. In zahlreichen Internetforen finden Sie übrigens auch Rezepte zur Herstellung von Orchideensubstrat.

Beeindruckende Schönheiten in einem Lebensraum ohne Erde

  • Auch die Epiphyten - Aufsitzerpflanzen - sind Orchideen, die ohne Erde gedeihen, wobei der Name Epiphyten u. a. auch für Pflanzen wie Bromelien und Tillandsien steht. Epiphyten haben ihre Wurzeln über dem Boden, oftmals hoch in den Bäumen - wegen der besseren Lichtverhältnisse in den ursprünglichen Lebensräumen (häufig Regenwälder) oder wachsen anspruchslos auf Gestein. Wasser und Nährstoffe nehmen sie ausschließlich durch ihre Wurzeln auf.
  • Diese Art von Orchideen können Sie in Körbchen oder Gläser, gefüllt mit handelsüblichem Orchideensubstrat setzen. Die Behältnisse dürfen keinen Folieneinsatz haben, da sich sonst Staunässe bildet. Epiphythenorchideen, die ohne Erde auskommen, eignen sich - wegen der individuellen Platzierungsmöglichkeiteneignen - hervorragend, um Ihrem Wohnraum einen Hauch Exotik zu verleihen, vorausgesetzt Lichtverhältnisse, Temperaturen und Raumklima passen.
  • Das Substrat dient - sowohl bei terrestrischen als auch bei epiphytischen Orchideen - weder der Wasser- noch der Nährstoffversorgung, sondern ausschließlich dem Halt der Pflanze.
  • Besonders beeindruckend kommen epiphytische Orchideen zur Geltung, wenn Sie diese mit einem angemessen großen Substratballen auf einem Trägermedium anbringen. Befestigen Sie die Pflanze mir Blumendraht oder Naturbast an Wurzeln, Zweigen oder Ästen, Rindenstücken einer Korkeiche oder an Weinreben.
  • Verwenden Sie keine Eichenrinde, die darin enthaltene Gerbsäure führt zu Wurzelschäden.
  • Die benötigte Feuchtigkeit erhält Ihre Orchidee ohne Erde, indem Sie den Substratballen sparsam mit lauwarmem Wasser (ideal ist aufgefangenes Regenwasser) befeuchten, sprühen Sie die Luftwurzeln im Sommer etwas 2 x wöchentlich, im Winter 1 x pro Woche.  Auch in ihrem natürlichen Umfeld sind Orchideen darauf eingestellt, mit wenig Wasser auszukommen.
  • Dem Sprühwasser geben Sie während der Wachstumsphase - von Frühjahr bis Herbst - alle 2 bis 4 Wochen  Orchideendünger laut Gebrauchsanweisung bei. Benetzen Sie die Luftwurzeln sehr behutsam, sie nehmen Ihnen zu viel Mineralsalze (Bestandteil des Düngers) übel.
  • Rankende Wurzeln sind  Kennzeichen gesunder Orchideen, schneiden Sie niemals die Spitzen der Wurzeln zurück, die Pflanze würde unweigerlich eingehen …Und gerade diese Wurzeln unterstreichen die Exotik und Einzigartigkeit der Orchideen.
  • Orchideen ohne Erde sollten möglichst selten in neues Substrat gesetzt werden, weil die Pflanze Ruhe liebt. Es genügt Ihr, wenn Sie im Abstand von etwa 2 bis 3 Jahren  vor der Wachstumsphase im Frühling  neues Substrat erhält.

Orchideen sind weniger anspruchsvoll und empfindlich als Sie denken. Die Tatsache, dass sie ohne Erde gedeihen, macht vieles nur noch einfacher - vorausgesetzt, Sie beachten die Pflegehinweise. Die auffallenden, extravaganten Exoten danken Ihnen die Pflege mit außergewöhnlich bezaubernden Blüten, an denen Sie sich bis zu 8 Wochen erfreuen können.

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