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Oktopus - Tintenfisch oder nicht?

Der Oktopus ist ein faszinierendes Tier. Fast jeder hat von diesem Tintenfisch schon einmal ein Bild gesehen, Sie bestimmt auch. Trotzdem wissen viele Menschen erstaunlich wenig über das verblüffende Lebewesen. Er ist trickreich, beherrscht unglaubliche Täuschungsmanöver und verzaubert mit seinen Tarnkünsten.

Dank seiner Färbung ist der intelligente Oktopus stets gut getarnt.
Dank seiner Färbung ist der intelligente Oktopus stets gut getarnt.

Verborgenes Leben im Meer

Der Oktopus ist ein Tintenfisch. Er und seine Verwandten bewohnen nahezu jeden Lebensraum im Meer. Einige von ihnen, darunter Riesenkalmare oder Vampirtintenfische, eroberten sogar die Tiefsee. Die bekannteste Art der Oktopusse, der Gemeine Krake (Octopus vulgaris) können Sie in der kalten Nordsee ebenso finden wie im warmen Mittelmeer.

Viele Tintenfische sind gute Schwimmer, die auch auf offener See anzutreffen sind. Nicht so die Kraken, die lieber ein ruhiges Leben auf dem Meeresgrund führen. Dort bewegen sie sich mit Hilfe der Saugnäpfe an ihren Armen gemächlich „kletternd“ fort. Bei Gefahr können sie dank eines „Raketenantriebes“, den jeder Tintenfisch besitzt, aber schnell davon schwimmen. Den größten Teil ihres kurzen Lebens - sie werden nur rund 3 Jahre alt - verbringen sie als Einzelgänger versteckt zwischen Ritzen und Nischen. Nur zur Paarung kommen sie zusammen. Dann übergibt das Männchen dem Weibchen ein Samenpaket, Spermatophore genannt. Damit befruchtet das Weibchen bis zu 150000 Eier, die sie anschließend bis zum Schlupf einen Monat später bewacht und umsorgt.

Kraken ernähren sich vorwiegend räuberisch von Weichtieren und anderen Wirbellosen und fangen sogar kleinere Fische geschickt mit ihren Armen.

Der Tintenfisch ist kein Fisch

Kraken gehören zu einer Klasse, die wegen ihres Aussehens als Kopffüßer (Cephalopoda) bezeichnet wird. Im Deutschen werden sie meist als „Tintenfisch“ bezeichnet. Tatsächlich sind sie jedoch keine Fische. Viel eher gehören sie zur Gruppe der Weichtiere oder Mollusken, zu denen auch Muscheln und Schnecken gerechnet werden. Wissenschaftler bezeichnen sie darum als Tintenschnecken.

Kraken gehören zu einer Untergruppe der Tintenfische, die als Achtarmige Tintenschnecken bezeichnet werden. Im Unterschied zur zweiten Gruppe, den Zehnarmigen Tintenschnecken, fehlt ihnen das Paar Fangarme, auch Tentakel genannt.

Ein Krake besitzt einen sackartigen Mantel. Er enthält die lebenswichtigen Organe, darunter auch die großen, sehr effizienten Linsenaugen. Die für Weichtiere übliche Kalkschale ist bei den meisten Krakenarten fast vollständig zurückgebildet oder fehlt ganz. Kraken besitzen einen vogelähnlichen Schnabel und eine zum Zerkleinern von Beute dienende Raspelzunge, Radula genannt. Um die Mundöffnung herum angeordnet sind die acht Arme des Kraken. Jeder Arm besitzt zwei Reihen von Saugnäpfen, die der Fortbewegung und zum Festhalten dienen. Bei Männchen ist einer der Arme zu einem speziellen Begattungsorgan umgewandelt.

Der größte Oktopus ist der Riesenkrake (Enteroctopus dofleini), der bis zu fünf Meter lang und 50 Kilo schwer werden kann. Die Gemeine Krake wird dagegen je nach Verbreitungsgebiet nur zwischen einen und drei Metern lang und ist deutlich leichter.

Das Erfolgsrezept des Oktopus: tarnen, täuschen, trickreich sein

Die Gruppe der Kraken hat eine ganze Reihe von Kniffen parat, die sie zu einem echten „Erfolgsmodell“ der Evolution gemacht haben. Da wäre zum Beispiel die Fähigkeit, sich perfekt an die Farbe des Meeresbodens anzupassen. Kraken sind wahre Tarnkünstler. Möglich macht das eine Vielzahl von Farbpigmentzellen in der Haut. Damit können sie sogar miteinander kommunizieren.

Einige Arten haben diese Fähigkeit der Tarnung perfektioniert: Der Karnevalskrake (Thaumoctopus mimicus) ist ein richtiger Verwandlungskünstler und imitiert andere Tiere. Zu seinem Verwandlungsrepertoire gehören unter anderem andere Kraken, Plattfische, Seeschlangen und giftige Rotfeuerfische. Diese Art der Masquerade wird Mimikry genannt und ist so effizient, dass Fressfeinde in die Flucht geschlagen werden.

Einige Kraken tun nicht nur so als wären sie ein anderes giftiges Tier, sie sind es wirklich. Blaugeringelte Kraken produzieren ein Gift, das eines der gefährlichsten im gesamten Tierreich ist und selbst Menschen töten kann.

Erstaunlich sind auch die geistigen Fähigkeiten der Kopffüßer. Sie gelten als die intelligentesten wirbellosen Tiere und können sich in manchen Bereichen sogar mit Ratten messen. In zahlreichen Versuchen wurde nachgewiesen, dass Kraken zielgenau Beutetiere in einem Labyrinth auffinden können, obwohl sie sie gar nicht mehr sehen können. Sie scheinen also zu wissen, wo sich die Beute befindet. In anderen Versuchen stellten Forscher die Tiere vor ein ganz anderes Problem: Sie befüllten Glasflaschen mit Garnelen und korkten diese zu. Die Kraken begriffen schnell, wie sie die Flaschen öffnen und an die „Belohnung“ gelangen konnten. Vom Kokosnuss-Oktopus (Amphioctopus marginatus) weiß man, dass er Reste von Kokosnussschalen sammelt und sich daraus Schutzbehausungen baut - ein Verhalten, dass hoch komplex ist und die Fähigkeit zum Planen von Handlungen voraussetzt.

Was lernen Sie daraus? Kraken mögen trotz der Bezeichnung „Tintenfisch“ zwar keine Fische sein, sie haben jedoch einige Fähigkeiten, die über die gewöhnliche Vorstellungskraft hinausgehen. Sie sind intelligenter als allgemein angenommen und beherrschen die Kunst der Verkleidung wie kaum ein anderes Lebewesen.

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