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Objektives Recht - Definition und Beispiele

Wer das Wesen des Rechts verstehen will, muss objektives Recht und subjektives Recht unterscheiden. Die Bedeutung des einen erschließt sich in Abgrenzung zum Wesen des anderen.

Blinde Justitia - objektives Recht entspringt der menschlichen Würde.
Blinde Justitia - objektives Recht entspringt der menschlichen Würde.

Recht ist eigentlich immer existent. Es existiert, auch wenn der Mensch es nicht erkennt oder weiß. Die Lebenswirklichkeit schafft Recht. Für den Gesetzgeber gilt es, diese zu erkennen und als Gesetz zu formulieren. Recht insgesamt ist ausgesprochen vielgestaltig.

Recht ist die Gesamtheit aller Rechtsnormen

  • Recht allgemein lässt sich in vielfältiger Hinsicht unterscheiden. So gibt es objektives, subjektives, absolutes, relatives oder auch zwingendes oder nachgiebiges Recht. Teilweise überschneiden sich die Begriffe. Wer sie erklären will, kommt an rechtsphilosophischen Grundlagen nicht vorbei.
  • Objektives Recht besteht in der Rechtsordnung, also im Inbegriff der Rechtsnormen, die insgesamt das Zusammenleben einer Gesellschaft bestimmen. Oberste Rechtsnorm ist das Grundgesetz als Verfassung.
  • Recht ist objektiv, wenn es dem Willen der Beteiligten entzogen ist und nicht verändert werden kann. Soweit das Gesetz etwas zwingend vorschreibt, ist die Vertragsfreiheit ausgeschlossen.
  • Beispiel: Das Grundgesetz bestimmt, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Dieser Grundsatz ist objektiv, da er unveränderbar ist. Zugleich wirkt er subjektiv, da er das Recht eines jeden einzelnen Menschen begründet, in seiner Würde wahrgenommen und behandelt zu werden.
  • Auch die Bibel enthält im Grunde objektives Recht. Nur gewährt sie dem Individuum kein direkt ableitbares subjektives Recht. Dieses findet sich dann beispielsweise im Strafgesetzbuch, wo es heißt, Mord ist strafbar oder Diebstahl wird bestraft.
  • Letztlich lässt sich alles Objektive auf die Würde des Menschen zurückführen, die Grundlage unserer Gesellschaftsordnung und der Existenz eines jeden Einzelnen ist.

Objektives erschließt sich aus dem Subjektiven

Am besten erschließt sich der Begriff "objektives Recht" aus seinem Gegenteil, dem subjektiven Recht.

  • Subjektives Recht ist Willensmacht. Es verleiht dem Inhaber eine Bestimmungsbefugnis und lässt ihm Raum für seine Willensentscheidung. Damit sichert das subjektive Recht die Freiheit des Einzelnen.
  • Vor allem die Persönlichkeitsrechte sind subjektive Rechte. Das Recht der Person am eigenen Bild ist individuell und begründet das subjektive Recht des Einzelnen, jeglichem Missbrauch zu begegnen.
  • Kein subjektives Recht ist die Erwerbsaussicht. Sie ist die bloße Chance, in Zukunft ein subjektives Recht zu erwerben. Eine solche Erwerbsaussicht schützt die Rechtsordnung nicht. Insoweit gibt es auch kein objektives Recht, aus dem sich ein Subjektives ableiten ließe.
  • Subjektives Recht ergibt sich aus dem objektiven Recht: Es handelt sich nicht um ein subjektives Recht, wenn eine Befugnis nicht dem Recht, sondern den Regeln von Sitte und Sittlichkeit entspringt.
  • Beispiel: Besiegeln die Parteien einen Grundstückskaufvertrag per Handschlag, entspricht es den Regeln der Sittlichkeit oder des Anstands, dass die Parteien ihr Wort halten. Da der Kaufvertrag mangels notarieller Beurkundung nichtig ist, hat der Käufer keinen Anspruch darauf, dass der Verkäufer ihm das Grundstück tatsächlich übereignet. Es gibt dafür kein objektives Recht.
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