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Nach dem Kostenvoranschlag die Überschreitung - was tun?

Ein Kostenvoranschlag sollte kein Lockvogelangebot sein, um Sie zur Erteilung eines Auftrags anzuhalten. Bei einer Überschreitung der veranschlagten Kosten sollten Sie wissen, was zu tun ist.

Handwerker sind keine Propheten.
Handwerker sind keine Propheten.

Der Kostenvoranschlag ist im Werkvertragsrecht relevant. Wenn Sie ein Werk beauftragen (Autoreparatur, Verputzen der Hauswand, Installation einer Heizungsanlage, Fällen eines Baums), möchten Sie wissen, welche Kosten entstehen. Der Handwerker macht Ihnen dazu einen Kostenvoranschlag und rechnet vor, mit welchen Kosten Sie voraussichtlich rechnen müssen.

Ein Kostenvoranschlag kann verbindlich oder unverbindlich sein

  • Bei einer Überschreitung der vorab kalkulierten Kosten verlangt der Handwerker mehr Geld. Die Frage ist, inwieweit der Handwerker an seinen Kostenvoranschlag gebunden ist und ob Sie kündigen können oder zahlen müssen. Jetzt kommt es auf die Umstände an.
  • Im Regelfall wird der Handwerker seinen Kostenvoranschlag als unverbindlich bezeichnen. Dennoch ist er die Grundlage, auf der Sie Ihren Auftrag erteilen. Da auch der Handwerker nicht immer den tatsächlichen Kostenaufwand abschätzen kann, müssen Sie ihm eine Überschreitung in einem gewissen Rahmen zugestehen; Voraussetzung ist, dass sie unwesentlich ist.

Überschreitung bis 20 % ist unwesentlich

  • Wann eine Überschreitung wesentlich ist, ist eine Einzelfallentscheidung, für die es keine allgemeingültigen Angaben gibt. Nach der Rechtsprechung sind 15 bis 20 % wohl hinzunehmen; nur in Ausnahmefällen kann sie 25 % betragen. Dann bleiben Sie an den Auftrag gebunden und dürfen nicht kündigen, ohne zahlungspflichtig zu bleiben.
  • Hat der Handwerker einen verbindlichen Kostenvoranschlag erstellt, kann er nur den veranschlagten Betrag verlangen. Achten Sie daher bei der Frage nach den voraussichtlichen Kosten darauf, dass das Angebot ausdrücklich als verbindlich vereinbart wird.

Sie dürfen kündigen, müssen aber zahlen

  • Der Kostenvoranschlag ist in § 650 BGB ansatzweise geregelt. Hat der Handwerker ein solch unverbindliches Angebot gemacht und stellt sich später heraus, dass das Werk nur unter einem höheren Kostenaufwand (über 15 bis 20 %) erstellt werden kann, dürfen Sie den Auftrag kündigen, müssen dem Handwerker aber den bis dahin geleisteten Arbeitsaufwand und die Materialkosten bezahlen.
  • Der Handwerker ist verpflichtet, Sie unverzüglich zu informieren, wenn er erkennt, dass er das Werk nur unter einem höheren Kostenaufwand erstellen kann. Unterlässt der diese Information, macht er sich schadensersatzpflichtig und kann im Nachhinein keinen höheren Kostenansatz berechnen. Die Überschreitung des Voranschlags geht dann zu seinen Lasten.

Vorsicht vor scheinbar günstigen Angeboten

  • In der Praxis gibt es immer wieder Fälle, in denen ein Handwerker seinem Kostenvoranschlag bewusst und vorsätzlich fehlerhafte Angaben zugrunde legt. Beispielsweise errechnet er eine zu geringe Quadratmeterfläche der zu verputzenden Hauswand, erkennt nach der Auftragserteilung und dem Arbeitsbeginn den Mehraufwand und verlangt danach einen höheren Kostenansatz. Ihm kam es darauf an, mit dem scheinbar günstigen Kostenvoranschlag den Konkurrenten aus dem Weg zu räumen und Sie zur Auftragserteilung zu verleiten.
  • Sie können diesen Fehler erkennen, wenn Sie sich Vergleichsangebote anderer Handwerker einholen und die Kostenansätze miteinander vergleichen.
  • Hat sich das Problem aber offenbart, steht der Verdacht des Betrugs im Raum. Verweigern Sie die Zahlung. Lassen Sie sich am besten anwaltlich beraten.
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