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Mündelsichere Fonds fachmännisch erklärt

Das Prädikat "mündelsicher" steht im Allgemeinen für höchste Sicherheit. Das gilt auch in Bezug auf Fonds. Wenn es an den Finanzmärkten turbelent zugeht, ist dieses Kriterium nicht zuletzt für mündelsichere Fonds ein gutes Verkaufsargument. Beim Bundesverband Investment und Asset Management werden weit mehr als 100 Fonds als mündelsicher aufgelistet. Die höchsten Sicherheitsansprüche erfüllen viele jedoch nicht.

Mündelgelder müssen verzinslich angelegt werden.
Mündelgelder müssen verzinslich angelegt werden.

Das Prädikat "mündelsicher" bedeutet, dass ein Betreuer oder Vormund das Geld seines Mündels nur sicher anlegen darf. Bei strengster Auslegung können nur Bundesanleihen, Spareinlagen (geschützt vom Einlagensicherungsfonds) oder Schatzbriefe als mündelsicher gelten. Denn so bestimmt es das Gesetz (§§ 1806/1811, BGB). Allerdings erlaubt das Gesetz eine Reihe von Ausnahmen.

Mündelsichere Anlagen - Vormund muss Geld verzinslich anlegen

Die Anlage von Mündelgeldern regelt das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB). Ein Vormund ist generell verpflichtet, das Geld des Mündels anzulegen. Im BGB sind die Anlageformen aufgeführt, die für eine Anlage von Mündelgeld infrage kommen sollten. Diese Anlageformen tragen die Bezeichnung "mündelsichere Anlagen".

  • Kann eine Anlage (Aktien, Investmentfonds, Grundbesitz) mit den Grundsätzen einer wirtschaftlichen Vermögensverwaltung vereinbart werden, kann Mündelgeld anderweitig angelegt werden.
  • Ein Vormundschaftsgericht muss das in jedem einzelnen Fall beurteilen. Der Vormund benötigt für die jeweilige Art der Anlage eine gesonderte Erlaubnis. Mündelbetreuer, die Fonds als Anlageprodukt sehen, wenden sich daher an Vormundschaftgerichte, um sich Ausnahmen genehmigen zu lassen. Die notwendigen Formularvordrucke sind auf den Webseiten der Fondsgesellschaften zu finden. 
  • Ausnahmegenehmigungen lassen sich wohl auch so erklären. Die bei Gericht tätigen Rechtspfleger haben zwar eine juristische Ausbildung. Ökonomischen Sachverstand muss man daher nicht unbedingt erwarten.

Unterschiedlichste Fonds mit Zulassung des Vormundschaftsgerichts

Investmentfonds sind und werden immer wieder von Vormundschaftsgerichten für die Anlage von Mündelgeldern erlaubt. Die Fonds sind dennoch nicht mündelsicher, auch wenn diese Art der Geldanlage im Einzelfall gestattet wird. 

  • Für die Beurteilung der Mündelsicherheit bei Investmentfonds reicht eine Gegenüberstellung von Kaufpreis und Anteilwert. Eine Wertstabilität sollte wenigstens abgelesen werden können. Nicht wenige der angeblich mündelsicheren Fonds lassen dies erkennen.
  • Vormundschaftsgerichte bewerten bei ihren Entscheidungen immer auch das Risikoprofil und Anlagehorizont des Betreuten, wenn es darum geht, einen Fonds als sicher einzustufen oder nicht.
  • Anlageberater nutzen sehr aktiv den Begriff „mündelsichere Fonds“. So entsteht für den Verbraucher häufig ein falscher Eindruck. Risiken trägt in jedem Fall nur der Verbraucher.

Da gerichtliche Urteile bezüglich mündelsicherer Fonds aus dem letzten Jahrhundert stammen, sollten einmal genehmigte Fondsanlagen regelmäßig vom Betreuer geprüft werden. Selbst Banken stufen Aktienfonds mit Risikoklasse 3 und 4 ein. Gerichte geben dennoch solche Anlagen als mündelsicher frei.

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