Alle Kategorien
Suche

Metaphysisches Paradoxon - Definition

Obwohl das Allmachtsparadoxon um ein metaphysisches Wesen eine philosophische Frage ist, mit der sich schon viele kluge Köpfe beschäftigt haben, ist es doch eine relativ junge Problemstellung der Geistesgeschichte.

Kann ein metaphysisches Wesen einen Stein erschaffen, den es selbst nicht heben kann?
Kann ein metaphysisches Wesen einen Stein erschaffen, den es selbst nicht heben kann?

Das Grundproblem des Allmachtsparadoxons

  • Der arabische Philosoph und Arzt Averroës (1126-1198) war einer der ersten Denker, die sich dem Paradoxon der Allmacht genähert haben. Seit dem Mittelalter streift diese Frage bis heute immer wieder Ansätze in der Philosophie.
  • Als metaphysisches Paradoxon versteht man eine relativ einfache Fragestellung: Falls ein göttliches, allmächtiges Wesen existiert, kann dieses Wesen etwas erschaffen, das seine eigene Allmacht aufhebt?
  • Als häufigste Verbildlichung wird folgende Frage angeführt: Kann ein metaphysisches, allmächtiges Wesen einen Stein erschaffen, der so schwer ist, dass es ihn selbst nicht heben kann?
  • Das Paradoxon in dieser Frage liegt darin, das ein metaphysisches, allmächtiges Wesen seine eigene Allmacht mit einer solchen Kreation einschränken und damit natürlich selbst aufheben würde.

Ein metaphysisches Wesen ist unmöglich zu beweisen

  • Bereits an diesem Punkt scheiden sich die Geister vieler Philosophen, denn während die einen in diesem Paradoxon die Unmöglichkeit der Existenz eines metaphysischen Wesens sehen, argumentieren andere damit, dass diese Denker einem falschen Verständnis von Allmacht unterliegen würden.
  • Entsprechend haben viele Philosophen versucht, einen Gottesbeweis mithilfe des Allmachtsparadoxons zu erbringen oder zu widerlegen - gescheitert sind alle.
  • Das Paradoxon jedenfalls kann nicht mehr angewendet werden, wenn man Allmacht als die Fähigkeit des metaphysischen Wesens versteht, außerhalb von dem zu handeln, was für Menschen Logik bedeutet.

Die philosophische Diskussion

  • Im Laufe der Jahrhunderte haben sich viele Antwortmöglichkeiten auf die zentrale Frage herauskristallisiert, die das Paradoxon allerdings nur noch paradoxer machen.
  • Wenn man von dem Stein-Beispiel ausgeht, lässt sich z. B. fragen: Wenn das allmächtige Wesen einen Stein erschaffen kann, der so schwer ist, dass es ihn selbst nicht heben kann, kann es das Gewicht des Steins zu einem späteren Zeitpunkt verringern oder seine eigene Stärke steigern? Bedeutet diese Fähigkeit dann wiederum, dass das metaphysische Wesen die gesamte Zeit allmächtig bleibt oder seine eigene Allmacht nach der entsprechenden Zeit wieder selbst herstellt, nachdem es sie verloren hat?
  • Aus dieser und anderen Fragen resultieren wiederum drei Ansätze, mit denen sich das metphysische Paradoxon betrachten lässt.
  • Die erste Variante geht von der sogenannten abdingbaren Allmacht aus: Wenn das Wesen einen Stein erschaffen kann, der so schwer ist, dass es ihn selbst nicht heben kann, verliert es seine Allmacht.
  • Die zweite Variante basiert auf der absoluten Allmacht des Wesens, womit das Paradoxon gar nicht erst entsteht.
  • Die dritte und komplexeste Variante konzentriert sich auf die essenzielle Allmacht des metaphysischen Wesens und geht von zwei Grundsätzen aus: Das metaphysische Wesen ist grundsätzlich allmächtig und kann diese Allmacht nicht verlieren; darüber hinaus kann es nichts tun, was unmöglich ist. Dieser Logik zufolge ist die Erschaffung eines so schweren Steines also unmöglich, selbst für ein allmächtiges, metaphysisches Wesen. Damit bleibt die Allmacht erhalten - das Paradoxon allerdings auch. 
Teilen: