- 14.06.2011 Ralf Winkler
- eine gute Idee
- Lust am Schreiben
Zu den Merkmalen einer Kurzgeschichte gehört, sofern sie gut geschrieben ist, dass sie den Leser mit nur wenigen Worten fesseln und so trotz der namensgebenden Kürze Emotionen transportieren und ihn in das Geschehen hineinziehen kann. Das mag Ihnen zwar erst mit etwas Übung gelingen, doch die Grundlagen sind schnell erlernt.
Merkmale, die zu beachten sind
- "Nomen est omen." Auf die Kurzgeschichte trifft dieses Sprichwort besonders zu. Fassen Sie sich deshalb beim Schreiben einer Kurzgeschichte kurz, denn Ihr Werk sollte problemlos in einem Stück gelesen werden können. Für eine ausschweifende Handlung und eine umfangreiche Charakterentwicklung ist so schlicht kein Platz. Deshalb muss das Thema zur Form passen. Wer sich eine zu umfangreiche Geschichte vornimmt und dann einfach kürzt, läuft Gefahr, eine Zusammenfassung anstatt einer Kurzgeschichte zu schreiben.
- Grundsätzlich unterscheidet sich der Schreibstil bei einer Kurzgeschichte nicht von dem eines Romans. Damit die namensgebende Kürze dennoch erreicht werden kann, greift man als Autor in der Regel nur eine kurze Episode auf. Sehr gut sichtbar ist dieses Vorgehen beispielsweise an Wolfgang Bocherts "Die Küchenuhr".
- Diese Episodenhaftigkeit hat der Kurzgeschichte den Ruf einer Skizze in Worten eingebracht. Handelnde Figuren werden nicht ausführlich vorgestellt werden. Wesenszüge finden nur insoweit Erwähnung, wie sie für die Handlung wichtig sind. Das Gleiche gilt für den räumlichen und zeitlichen Rahmen.Diese bewussten Auslassungen gehören zu den prägenden Stilmitteln der Short Story und sollen den Leser zum Nachdenken animieren.
- Zu den Merkmalen der Kurzgeschichte gehören auch ein unvermittelter Einstieg und ein abruptes Ende. Stellen Sie sich Ihre Geschichte wie den Gang durch eine Einkaufsmeile vor. Vielleicht werden Sie dort Gesprächsfetzen anderer Passanten hören, die Ihnen etwas über die aktuelle Situation der Sprechenden verrät, aber kein Wissen über deren gesamtes Leben vermitteln können. Die Kurzgeschichte gleicht einem zufällig mitgehörten Gespräch, weil sie nicht in einen größeren Rahmen eingebettet ist.
- Verschiedene Schriftsteller haben mit ihrer Arbeit dafür gesorgt, dass noch weitere Merkmale mit einer Kurzgeschichte verbunden werden. So werden Kurzgeschichten meist nicht in der Ich-Perspektive geschrieben und handeln in vielen Fällen von Konfliktsituationen, wobei die Bewertung der Geschehnisse dem Leser überlassen wird. Viele Autoren greifen dabei auf aktuelle Probleme der Entstehungszeit zurück und machen alltägliche Figuren zu ihren Protagonisten.
Lassen Sie Ihrer Kreativität trotz dieser vermeintlich festen Grundlagen beim Schreiben freien Lauf. Vergessen Sie nicht, dass Kunst keinen Regeln folgt und sich ständig weiterentwickelt. Zur Übung können Sie natürlich versuchen, eine Geschichte am Reißbrett zu entwerfen, wirklich spannend wird es aber erst, wenn Sie eigene Ideen einfließen lassen und einen eigenen Stil entwickeln.