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Mashallah - Bedeutung der arabischen Redewendung

"Mashallah, sind Sie aber schön." Solche Ausdrucksweisen schon mal gehört? Wenn ja, dann wahrscheinlich von Menschen aus dem arabischen oder türkischen Sprachraum. Die Bedeutung der Redewendung ist nur schwer übersetzbar. Bei dem Ausdruck handelt es sich nämlich um ein sogenanntes kulturelles Keyword.

Redensarten wie "Mashallah" sind mit religiöser Bedeutung im Zusammenhang mit dem Koran konnotiert.
Redensarten wie "Mashallah" sind mit religiöser Bedeutung im Zusammenhang mit dem Koran konnotiert.

Mā schā'a Llāh als kulturelles Keyword der islamischen Welt

Das arabische ‏ما شاء الله‎  wird nach DIN buchstabengetreu und lautgetreu als mā šāʾ Allāh wiedergegeben. Die lateinisierten Formen lauten Mā schā'a Llāh. Die Transkription dessen entspricht dem hierzulande gängigeren Mashallah. Was fällt Ihnen daran als Nicht-Araber wohl als erstes auf?

  • Richtig: Es handelt sich um eine direkte Anrede des islamischen Gottes Allah, sodass die Redewendung konventionell im gesamten islamischen Glaubensraum angewandt wird.
  • Die Wendung ist eine derer, die Sprachwissenschaftler wie Anna Wierzbicka als kulturelle Keywords bezeichnen würden. Solche kulturellen Keywords sind die Worte, die am meisten über eine spezifische Kultur aussagen und ohne Bedeutungsverluste nicht in andere Kulturräume übertragbar sind.
  • Wörtlich übersetzen lassen sich aber auch kulturelle Keywords. Im Fall von Mashallah würde die wörtliche Übersetzung nach Wörterbuch "Wie/was Gott will" bedeuten. Das wird aber bei weitem nicht allen Assoziationen und Konnotationen der Wendung gerecht.
  • Das volle Bedeutungsspektrum kultureller Keywords bleibt daher den Menschen der jeweiligen Kultur vorbehalten, weil deren Erfahrungsraum andere Assoziationen und Konnotationen zulässt, als der von Ausländern.

Trotzdem lässt sich über die Betrachtung der Bedeutungsnuancen in unterschiedlichen Anwendungskontexten ein kleiner Einblick in dieses Bedeutungsspektrum geben.

Bedeutungsspektrum von Mashallah durch Kontextanalyse

Die islamische Redewendung findet sich unter anderem an einer bekannten Stelle des Koran. Da es sich um eine Wendung religiöser Konnotation handelt, verrät Ihnen die Betrachtung dieser Koranstelle bereits den wichtigsten Rahmen des Gebrauchs.

  • In Sure 18:40 heißt es: "Warum hast du nicht damals, als du deinen Garten betreten hast, gesagt: Wie Allah es will?" Diese Stelle kritisiert die fehlende Dankbarkeit und Demut gegenüber Allah. Weiter heißt es "Er ist der Beste im Belohnen und der Beste, was den Ausgang anbelangt" - das aber nur gegenüber jenen, die ihm demütig und im Wissen seiner Macht begegnen. 
  • "Mashallah" ist in diesem Kontext ein Glaubensbekenntnis, das die Ergebenheit und hoffende Hingabe an Gott zum Ausdruck hat. Diese Bedeutung ist die grundlegende Konnotation der Redensart, die sich mit der Zeit in verwandter Bedeutung auf andere Bereiche ausgedehnt hat.
  • Im arabischen Sprachraum lautet die häufigste Bedeutung in der Anwendung etwa "Gott schütze dich" oder "Gott bewahre es" Die wichtigsten Konnotationen hierzu sind zugeneigte Verwunderung über oder Bewunderung von etwas Schönem oder Großartigem.
  • Ausgehend von dieser Bedeutung soll die Redensart vor dem "bösen Blick" schützen. Dieser böse Blick ist nach weitverbreitetem Glauben vieler Kulturen ein neidender Blick magischer Kräfte, der großes Unheil heraufbeschwören kann.
  • Der Sprecher erkennt durch die Ausdrucksweise also erstens die Macht Gottes an. Zweitens erkennt er etwas Schönes, Überraschendes oder Herausragendes. Zugleich erbittet er durch die Hingabe an Gott dessen Schutz. Dieser Schutz soll speziell vor dem Neid anderer und dem Verlust des Schönen, Überaschenden oder Herausragenden schützen. Viertens gesteht der Sprecher seinem Gott durch den Ausdruck aber ein, der alleinige Machthaber über guten oder bösen Ausgang zu sein.
  • ​Das erklärt, wieso man Komplimente im arabischen Raum, sowie auf Türkisch, stets mit "Mashallah" einleitet. Heute ist der Ausdruck ebenso gebräuchlich unter Nordafrikanern, Schwarzafrikanern, Vorder- und Hinterasiaten, Azerbeidschanern, Chinesen, Mongolen, Indern, Spaniern, Portugiesen, Sarden, Griechen, Mazedoniern, Albanern und Bosniern. Bei fehlendem Glaubenshintergrund ist die Bedeutung in der Regel allerdings mit schön, prächtig, wunderbar, riesig, großartig, wow, Bravo oder "gut gedeiht" belegt.

Mashallah, haben Sie bis hierher gut gelernt. Wo Sie gerade schon dabei sind, ist vielleicht auch die Bedeutung der verwandten Ausdrücke Inshallah und Subhanallah von ihrem Interesse, die ebenso kulturellen Keywords entsprechen.

Bedeutung von Inshallah und Subhanallah als verwandte Redensweisen

Das arabische  ‏إن شاء الله‎, transliteriert als in schā'a llāh, nach DIN buchstaben- und lautgetreu šāʾa llāh und transkribiert als Inshallah, wird meist durch die Phrase "So Gott will" wiedergegeben. سبحان الله‎, nach DIN transliteriert als Subḥana’llāh und transkribiert als Subhanallah, übersetzt sich meist nach der Gebetsphrase "Gott sei herrlich". Verchristlicht könnte es heißen "Geheiligt werde sein Name".

  • Ähnlich dem Begriff Mashallah, ​entspricht Inshallah einer häufig genutzten Redewendung in der arabischen Sprache, deren Bedeutungskomponenten so nicht vollständig in andere Kulturräume übertragbar sind. Die Kernbedeutung des Ausdrucks ist aber „hoffentlich“. Wörtlich übersetzt passt der Ausdruck "So Gott will" in gewisser Weise darauf.
  • Bei den genannten Übersetzungsequivalenten geht allerdings die leicht fatalistische Konnotation und Demutshaltung der islamischen Wendung verloren. Auch in dieser Wendung manifestiert sich nämlich die Überzeugung, Gott allein sei Machthaber über guten oder bösen Ausgang der Dinge. Man solle ihm daher in bittendem Demut begegnen.
  • Im Koran heißt es zum Beispiel: „Und sag ja nicht im Hinblick auf etwas (das du vorhast): Ich werde dies morgen tun“, ohne (zu sagen): 'Wenn Gott es will!" Die Auslieferung an Allah kommt in den Folgezeilen noch stärker zum Ausdruck, als es weiter heißt: "Und sag: Vielleicht wird mich mein Herr zu etwas leiten, das eher richtig ist als dies (mein Vorhaben)!“
  • Auch diese Redensart ist heute bis nach Spanien und Griechenland verbreitet, wo die Entlehnungen ojalá und oxalá) in ähnlicher, obgleich nicht gleicher Bedeutung stehen.
  • Subhanallah ist demgegenüber ein Ausspruch, der meist im Rahmen von Gebeten stattfindet. Die Redensweise soll Allah von allen anthromorphen Eigenschaften beschreiben. Das heißt von solchen, die der Muslim mit ihm assoziiert.
  • Der Grund hierfür ist in der Negativen Theologie begründet, die besagt, Gott übersteige alles, was ein Mensch sich vorstellen könne. Die ihm durch Menschenhand zugeteilten Eigenschaften können so in keinem Fall seiner wahren Natur entsprechen. Wörtlich übersetzt bedeutet der Ausdruck so viel wie "Ruhm sei Allah zu Teil"

Die erklärten Redewendungen zeigen Ihnen als kulturelle Keywords, wie sehr arabische Sprache und Kultur von der islamischen Religion geprägt sind. Für Sprachforscher und Anthropologen ist die arabische Sprache daher eine wahre Fundgrube.

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