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Manfred Winkens - über Prvatsphäre in der modernen Gesellschaft

Kennen Sie Manfred Winkens? Wenn nicht, dann soll das auch so bleiben - und das, obwohl Sie seine Stimme mit Sicherheit schon einmal gehört haben. Doch Winkens gehört zu den öffentlichen Persönlichkeiten, die ihr Privatleben unter Verschluss halten. Dabei handelt es sich um ein seltenes, dennoch verständliches Phänomen in der Transparenz der Postmoderne.

Nicht jeder Prominente möchte stets öffentlich leben.
Nicht jeder Prominente möchte stets öffentlich leben.

Manfred Winkens - den kennen Sie

Sicher haben Sie schon einmal Stefan Raabs Fernseh-Dauerbrenner TV Total geschaut und kennen die Beiträge, die in der Sendung von Zeit zu Zeit eingeblendet werden. In diesen Beiträgen geht es mal um die TV-Tipps zum Wochenende, mal um Ankündigungen für andere Raab-Formate, doch immer haben sie eines gemein: Sie werden von einer Stimme kommentiert, die wie eine Parodie auf die Erklärstimme aus der Sendung mit der Maus klingt. Nun haben es sich viele Menschen im Internet zur Aufgabe gemacht, herauszufinden, wer hinter dieser Stimme steckt - sehr zum Unmut des Kommentators.

Jagd auf die TV-Total-Stimme

Weil lange Zeit niemand so genau wusste, wer sich hinter der TV-Total-Stimme versteckt, ging im Internet eine regelrechte Jagd los. Blogger und Fragensteller diskutierten angeregt über die Identität des Sprechers, bis sie schließlich auf einen Brainpool-Mitarbeiter namens Manfred Winkens stießen, der vor Jahren einen kurzen Auftritt in einem Videoclip zur Raab-Serie "Raab in Gefahr" hatte. Dort glaubten sie, die bekannte Stimme zu erkennen, woraufhin nicht nur private Fotos gepostet wurden, die den Kommentator bei einem Fußballspiel zeigen, sondern auch ein Internet-User bei Winkens zu Hause anrief. Dieser reagierte darauf sehr irritiert und laut Anrufprotokoll auch ein wenig verärgert - durchaus nachzuvollziehen, wenn man bedenkt, dass er offenbar nicht in der Öffentlichkeit stehen möchte. Winkens ist dabei längst nicht der Einzige, dem es so geht.

Öffentlichkeitsscheue Berühmtheiten - ein paar Beispiele

  • Neben Manfred Winkens ist auch sein Chef Stefan Raab sehr darauf bedacht, sein Privatleben weitgehend geheim zu halten. Obwohl der ehemalige Metzger in den Medien sehr präsent ist, weiß man nur wenig über sein Leben abseits des Scheinwerferlichts. Man weiß, dass er aus Köln stammt, mit zweitem Vornamen Konrad heißt und eine Schwester hat. Zudem soll er eine Lebensgefährtin und zwei Töchter haben. Doch Raab kommt stets allein zu Preisverleihungen und achtet strikt darauf, dass im WWW keine Bilder seiner Familie auftauchen.
  • Ähnlich wie Raab verhält sich der Zeichner und Illustrator Walter Moers. Er gibt so gut wie nie Interviews, lässt sich sehr ungern fotografieren und äußert sich lieber durch seine Kunst. So ist der Käpt'n-Blaubär-Erfinder für viele seiner Fans ein regelrechtes Phantom.
  • Neben dem Kommentator, dem Entertainer und dem Zeichner gelten zudem auch viele Autoren als öffentlichkeitsscheu. Patrick Süskind, der "Das Parfüm" schrieb, ist ein Schriftsteller, der sich so gut wie nie auf Veranstaltungen zeigt und es gar ablehnt, überhaupt über seinen größten Erfolg, das Buch um den Mörder Grenouille, zu sprechen. Andere Autoren verstecken sich hinter Pseudonymen, darunter beispielsweise Kenneth Bulmer, der als Alan Burt Akers schrieb.
  • Zu guter Letzt macht der Kampf ums Privatleben auch vor Hollywood nicht Halt. Das Paradebeispiel schlechthin ist Schauspieler Joaquín Phoenix, der als Jugendlicher miterlebte, wie sein Bruder River vor einem Nachtclub starb. Der von Joaquín abgesetzte Notruf wurde damals in den Medien verbreitet. Seitdem hasst er die Presse und hat es sich zur Aufgabe gemacht, in Interviews häufig Halb- und Unwahrheiten über sich zu erzählen.

Sie sehen: Viele Berühmtheiten wollen außerhalb ihrer Arbeit gar keine sein. Die Frage ist nun, woran das liegt.

Öffentliches Leben - Transparenz in der Postmoderne

Die Postmoderne ist auch bekannt als das Medienzeitalter. Informationen sind ein höheres Gut denn je und praktisch jeder giert danach, möglichst viel zu erfahren. Man möchte immer alles wissen, immer auf alles Zugriff haben - jeder, der mit dem Fernsehen und erst recht jeder, der mit dem Internet aufgewachsen ist, wurde in diese Informationsgier regelrecht hineinsozialisiert. Dazu kommt, dass praktisch alle, die ein Handy mit Kamera haben, heutzutage Paparazzi sind. Mussten sich Berühmtheiten früher gegen eine kleine Gruppe von Reportern wehren, kann sie heute jeder ablichten und das Bild oder Video binnen Sekunden über das Internet verbreiten. Während an Otto Normalverbraucher niemand ein solches Interesse hätte, muss, wer im Rampenlicht steht, eigentlich ständig auf der Hut sein. Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden beim Einkaufen, beim Sport, oder wenn Sie einfach einen schlechten Tag haben, die ganze Zeit über beobachtet werden - da würden Sie sich auch wünschen, einfach einer von vielen und eben kein Star zu sein. Und so kommt es, dass viele Prominente versuchen, sich dieser erwarteten Dauerverfügbarkeit zu entziehen, indem sie ihren öffentlichen Beruf strikt von ihrem Privatleben trennen. Mit anderen Worten: Auch wenn die Gesellschaft durch moderne Technik transparenter geworden ist, möchte kein Mensch für jeden transparent sein. Und Manfred Winkens, dessen Stimme Abend für Abend durch zahllose Wohnzimmer schallt, möchte trotzdem keine öffentliche Person sein. Denkt man an Geschichten wie die von River und Joaquín Phoenix, kann man es ihm nicht verübeln.

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