- 22.12.2011 Susann Heinze-Wallmeyer
So werden Sie männliche Hebamme
- Viele junge Männer sind nach ihrer Schulausbildung auf der Suche nach einem Job und haben sich vielleicht erst einmal dazu entschlossen, Zivildienst respektive Bundesfreiwilligendienst zu absolvieren. Vielleicht werden sie auch als Rettungssanitäter eingesetzt und schnuppern so in die Medizin herein. Als Rettungssanitäter bekommen sie auch eine kurze Ausbildung in Geburtshilfe. Vielleicht finden Sie so den Einstieg in den Beruf als männliche Hebamme.
- Die richtige Bezeichnung der männlichen Hebamme ist übrigens Entbindungspfleger. Genau wie Ihre weiblichen Kollegen sind Sie für die Geburtsvorbereitung, für die Geburt selbst als auch für die Betreuung der jungen Eltern in den ersten Wochen nach der Geburt zuständig.
- Um als männliche Hebamme tätig zu werden, müssen Sie eine Ausbildung an einer Hebammenschule absolvieren. Sehr hilfreich ist es, wenn Sie zuvor ein Praktikum an einem Krankenhaus absolviert und hier schon einige Bereiche der Gynäkologie kennengelernt haben. Auch den Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) können Sie in einem Krankenhaus ausüben und so praktische Erfahrungen sammeln.
Fakten, die für männliche Entbindungspfleger sprechen
- In Deutschland gibt es über 13.000 niedergelassene Gynäkologen, fast die Hälfte davon sind männlich. Warum soll es also keine männliche Hebamme geben?
- Bereits seit 1987 steht der Beruf einer Hebamme auch Männern offen. In Österreich und der Schweiz werden sie als männliche Hebammen bezeichnet. Nur in Deutschland gibt es die Berufsbezeichnung Entbindungspfleger. In den Niederlanden gibt es übrigens mehr als 50 niedergelassene männliche Hebammen.
- Viele Standesvertreterinnen geben an, dass sich nur eine weibliche Hebamme in das Seelenleben der Mutter hineinversetzen kann, da sie auch schon Geburtserfahrungen gesammelt hat. Fakt ist: Es gibt auch einige weibliche Hebammen, die selbst keine Kinder bekommen haben. Und auch ein Chirurg muss sich nicht unbedingt einen Fuß gebrochen haben, um sich in seine Patienten hineinzuversetzen, wenn der Fuß operiert wird.
- Der einzige Entbindungspfleger Deutschlands betreibt übrigens gemeinsam mit seiner Frau eine Hebammenpraxis in Dresden. Schauen Sie sich auf der Webseite einfach mal um und staunen Sie, welche umfangreichen Angebote eine Hebammenpraxis bietet.
Vielleicht zählen ja auch Sie bald zu den Entbindungspflegern in Deutschland und sorgen somit für etwas mehr Gleichberechtigung? Sicher würden viele Frauen auch die Angebote männlicher Hebammen nutzen, genauso wie sie auch männliche Gynäkologen aufsuchen.