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Le Corbusier: Die wichtigsten Merkmale seiner Architektur

Le Corbusier war einer der einflussreichsten modernen Architekten, ohne dessen Ideen heutige Großstädte mit ihren Hochhäusern kaum denkbar wären. Vielen gilt er auch als Urheber allen Übels im modernen, oft als anonym empfundenen Bauen.

Viele moderne Hochhäuser beruhen auf der Grundlage von Le Corbusiers Gestaltungsprinzipien.
Viele moderne Hochhäuser beruhen auf der Grundlage von Le Corbusiers Gestaltungsprinzipien.

Geboren wurde Le Corbusier 1887 als Charles-Édouard Jeanneret-Gris (erst seit 1920 nannte er sich Le Corbusier) in dem Städtchen La Chaux-de-Fonds im Schweizer Jura. Hier besuchte er auch die Kunstgewerbeschule und machte eine Ausbildung zunächst zum Graveur. Schließlich war seine Geburtsstadt Zentrum der gerade florierenden Uhrenindustrie. Seine Lehrer prägten Charles-Édouard Jeanneret-Gris im Geist des Jugendstils. Wer seine spätere Ablehnung von Ornamenten und seiner Vorliebe für klare, geometrische Formen kennt, mag sich darüber wundern. 1917 ging Le Corbusier als Architekt nach Paris, wo er 1930 die französische Staatsangehörigkeit annahm. 1965 starb er 78-jährig an einem Herzschlag. Im Lauf seines Lebens war Le Corbusier als Architekt und Architekturtheoretiker international tätig, unter anderem auch in Indien und den USA, wo er an den Planungen zum UNO-Hochhaus beteiligt war.

Architektonische Prinzipien von Le Corbusier

Durchdachte Proportionen, gute Belichtung und leichte Zwischenwände, die den wechselnden Bedürfnissen der Bewohner gerecht werden, sind Grundsätze der Architektur Le Corbusiers, denen er schon in seinen frühesten Bauten folgte.

  • Le Corbusier war der Überzeugung, dass die Hauptaufgabe moderner Architektur sei, den Wohnungsmangel des 20. Jahrhunderts zu beheben und den Industriearbeitern angemessenen Wohnraum zur Verfügung zu stellen.
  • Le Corbusiers Bauten zeichnen sich durch blockhafte Anordnung und lange Straßenfronten aus. Hohe Funktionalität und die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Bewohner prägen die Grundrisse.
  • Le Corbusier legte Wert auf einen ausgewogenen Rhythmus. Dafür entwickelte er den "Modulor", ein eigenes Proportionssystem, das auf dem Goldenen Schnitt und den Durchschnittsmaßen eines Menschen beruht.
  • Wenn Sie beim Wort Brutalismus an agressives Verhalten denken, dann liegen Sie falsch. …

  • Neben Beton verwendete Le Corbusier sehr hochwertige Materialien wie zum Beispiel Eichenholz. Die Oberfläche des Betons gestaltete der Architekt so vielfältig, dass sie dekorativen Wert erhielt.

"Wohnmaschinen": Architektur aus Beton und Stahl

Unter anderem in Marseille und in Berlin baute Le Corbusier in den 1950er-Jahren seine berühmten "unités d’habitation". Mehr als 300 Wohnungen hatten in diesen auch als "Wohnmaschine" bezeichneten Hochhauskomplexen Platz. Die Konstruktion aus Stahl und Beton sollte die Kosten senken, vorfabrizierte Elemente ermöglichen und eine freie, an statische Erfordernisse nicht gebundene Raumaufteilung ermöglichen.

  • Privates und gemeinschaftliches Leben wollte Le Corbusier in diesen Häusern vereinbaren. Er entwarf sie als "vertikale Dörfer" nach dem Vorbild von Ozeandampfern, bei denen alle Funktionen in verschiedenen Ebenen übereinander liegen. Stockwerke mit Läden und Büros wechseln sich mit reinen Wohnetagen ab.
  • Die Wohnungen reichen von West nach Ost von einer Seite des Hauses zur anderen und umfassen stets zwei Geschosse, sodass alle sowohl Morgen- als auch Abendsonne haben. Außerdem ist so eine optimale Belüftung möglich.
  • Die Wohnungen waren mit allem Komfort ausgestattet: Zentralheizung, ein Bad und ein zweites Duschbad für die Kinder mit fließend warmem Wasser waren zur Zeit der Erbauung noch keine Selbstverständlichkeit.
  • Die Wohnungen waren auch in Details durchdacht. Sie hatten zwei nebeneinanderliegende Kinderzimmer, mit einer als Maltafel gestalteten Trennwand, die zum Spielen zur Seite geschoben werden konnte, und viele Raum sparende Wandschränke.
  • Sogar eine Küche mit kompletter Ausstattung gehörte zum Standard. Sie enthielt auch einen Eiskasten und ein Brotfach, in das vom Gang aus das Brot direkt geliefert werden konnte. Für die Kochtöpfe hatte Le Corbusier genau passende Halterungen vorgesehen.

Obwohl die Wohnungen für heutige Verhältnisse recht klein sind, schätzen die meisten Bewohner die durchdachte Gestaltung und die Bequemlichkeit der Räume auch heute noch.

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