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Kreationismus - Erklärung

Wie ist die Erde entstanden und wie das Leben auf ihr? Der Kreationismus antwortet mit der Bibel: Gott hat sie erschaffen. Dagegen steht die Lehre von Urknall und Evolution. Beide Parteien stehen sich unversöhnlich gegenüber.

Laut Bibel schuf Gott Erde und Menschen.
Laut Bibel schuf Gott Erde und Menschen.

Für Naturwissenschaftler ist an der Entwicklung aller Lebewesen durch Evolution nicht zu rütteln. Seit Jahrhunderten finden sie Belege, dass sich das Leben auf der Erde ständig weiterentwickelt. Mutation und Auslese sind Grundpfeiler dieser Evolutionstheorie. Dem widersprechen zahlreiche Anhänger des Kreationismus, die meinen, allein Gott schuf das Leben und die Erde.

Kreationismus als Glaube an göttliche Schöpfung

Das lateinische Wort creatio bedeutet Schöpfung, Kreationismus somit Glaube an die Schöpfung. Selbst Atheisten kennen die Zeilen der Bibel zum Thema: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde…“ Vielleicht kennen Sie den Schöpfungstext nicht wörtlich. Aber Gott schuf demnach das Licht bis hin zu den Pflanzen, Tieren und Menschen.  Das geschah in sieben Tagen.

  • Bevor Charles Darwin (1809 bis 1882) seine Evolutionstheorie entwickelte, herrschte der Glaube an die Schöpfung vor. In dieser Zeit musste die biblische Schöpfung durch Gott als Lehre nicht extra betont werden. Erst im 19. Jahrhundert entstand Kreationismus als Widerstand gegen Darwinismus und moderne Lehren der Naturwissenschaften. 
  • Sie können zwei große Richtungen des Glaubens unterscheiden: Die einen betrachten die Worte zur Schöpfung in der Bibel nicht wörtlich, andere schon.
  • Für viele Gläubige ist die Bibel die heilige Schrift. Die meisten betrachten ihre Worte zur Schöpfung jedoch als Metapher. Oder sie sehen den Text der Bibel im Kontext des Wissensstandes zur Zeit ihrer Niederschrift. Für diese Menschen sind die Erkenntnisse der Naturwissenschaft mit den Lehren der Kirche vereinbar.
  • Auf die Frage, wie alt die Erde den nun ist, können Sie verschiedene Antworten …

  • Für Kreationisten stimmt das nicht. Sie betrachten die Schöpfungsworte wie einen Augenzeugenbericht und lehnen die Vereinbarkeit mit modernen Erkenntnissen ab. Besonders das lange Erdzeitalter und die Evolutionslehre Darwins werden abgelehnt.

Unterricht an Schulen  - ein Streitpunkt

Im Jahr 1858 veröffentlichte Darwin sein Theorie zur natürlichen Selektion und Anpassung der Lebewesen an deren Umwelt. Damit stellte er die göttliche Schöpfung in Frage. Als Gegenbewegung entstand der Kreationismus. Seit dem streiten sich die gegensätzlichen Parteien darum, was in den Schulen unterrichtet wird. 

  • In den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es immer wieder Prozesse, in denen es genau darum ging. Vielleicht haben Sie schon einmal etwas vom „Affenprozess“ gehört? Er ist der Höhepunk dieses Streites im Jahr 1925. Damals verbot der US-Bundesstaat Tennessee, die Evolutionslehre zu unterrichten. Ein Lehrer klagte dagegen und verlor. Trotzdem erlitten die Kreationisten eine Niederlage. Wegen Formfehlern galt das Urteil als ungültig, der Prozess zog die kreationistische Lehre ins Lächerliche.
  • Noch heute leben in Amerika die meisten Anhänger dieser Theorie, überwiegend evangelikale Christen. Und bis heute gibt es Auseinandersetzungen um den richtigen Unterrichtsstoff. Selbst der ehemalige Präsident George W. Bush sprach sich 2005 dafür aus, die kreationistisch geprägte Lehre des „Intelligent Design“ (siehe unten) an Schulen gleichrangig neben der Evolutionstheorie zu lehren. Im US-Staat Kansas ist das Realität.

Strömungen und Bedeutung des Kreationismus

  • Am weitesten verbreitet ist gegenwärtig die Richtung des „Kurzzeit-Kreationismus“. Er betrachtet die Schöpfungstage tatsächlich als Tage und geht davon aus, dass die Erde demnach etwa 6.000 (maximal 12.000) Jahre alt ist. Mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen ist das unvereinbar.
  • „Langzeit-Kreationisten“ erkennen zwar das wissenschaftlich begründete Erdalter an, lehnen aber die Entstehung des Menschen und deren Abstammung vom Affen ab. Für sie ist deren Schöpfung durch Gott wie ein Naturgesetz gegeben.
  • Eine moderne Richtung ist „Intelligent Design“. Deren Anhänger gehen davon aus, dass die komplizierte Entstehung der Welt und der Lebewesen nicht allein durch Evolution zu erklären ist. Sie meinen, es muss für diesen Prozess eine intelligente, steuernde Schöpfungskraft geben. 
  • Neben den genannten Strömungen sind zahlreiche weitere bekannt. Einige versuchen, wenige Naturgesetze in Einklang mit der Schöpfungslehre zu bringen. Den Hauptwiderstand leisten Kreationisten gegen den Darwinismus. Sie meinen, Gott ist laut Bibel allein der Schöpfer des Menschen.
  • In den USA glauben (laut Wikipedia) 42 Prozent der Bevölkerung daran, dass die Erde schon von Anbeginn so existiert wie heute. Das Land verzeichnet die meisten Anhänger des Kreationismus. Die Mehrheit ist hier dafür, dass Kreationismus gleichberechtigt neben den Naturwissenschaften in den Unterricht gehört. In Europa sind Kreationisten eine geringe Minderheit. Der Papst hat die Evolutionslehre anerkannt, die Kirche bemüht sich um einen intensiven Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaft.

Inzwischen folgt eine deutliche Mehrheit, unabhängig ihres Glaubens, den Naturwissenschaften. Trotzdem nimmt der Kreationismus noch einen bedeutenden Raum in der Diskussion um Entstehung von Erde und Mensch ein. Dabei sollte es nicht nur darum gehen, wer Recht hat. Beide Parteien müssen ihre Ansichten tolerieren (nicht teilen). Kreationismus im Schulunterricht lehnen die Staaten jedoch (überwiegend) ab, da die Lehre nicht als wissenschaftlich, sonder religiös bedingt zu betrachten ist. Im Religionsunterricht kann die Lehre also einen Platz haben, im Unterricht staatlicher Schulen nicht.

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