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Komparative Kosten - Definition und Kalkulation

Wenn zwei Staaten Dienstleistungen oder Waren austauschen, dann wird das als Außenhandel bezeichnet. Im 19. Jahrhundert beschäftigen sich Torrens und Ricardo mit diesem zwischenstaatlichen Handel und entwickeln als Erklärungsversuch die Theorie der komparativen Kosten. Vor dem Hintergrund dieser theoretischen Basis können auch Sie theoretisch Kalkulationen über den Außenhandel anstellen.

Den komparativen Kostenvorteil hat die Partei mit den geringsten Produktionskosten eines Guts.
Den komparativen Kostenvorteil hat die Partei mit den geringsten Produktionskosten eines Guts.

Komparativer und absoluter Kostenvorteil im Außenhandel

Die Theorien von komparativem und absolutem Kostenvorteil erklären Funktion und Ergebnis von zwischenstaatlichem Handel.

  • Eine Spezialisierung in Produktionsprozessen ist für den Außenhandel laut beider Theorien unverzichtbar. Ultimatives Ziel ist ein höheres Weltsozialprodukt. Alle Handelsbeteiligten sollen durch Arbeitsteilung den größtmöglichen Vorteil aus dem Handel ziehen.
  • Aber auf welche Güter soll sich ein Land in der Produktion spezialisieren, damit alle Beteiligten den größtmöglichen Vorteil davontragen? Zur Beantwortung dieser Frage nimmt die Theorie der komparativen Kosten die relativen Alternativ- oder Opportunitätskosten eines Produkts als Basis.
  • Diese entsprechen den Kosten der gesamten Arbeitsproduktivität, die für die Herstellung des Guts aufgewandt werden müssen. Hauptaugenmerk ist daher folgende Frage: Für welche Ware benötigt ein Land verglichen mit anderen Staaten die kleinste Arbeitsproduktivität?
  • Kurzum soll sich ein Staat auf die Produktion der Güter spezialisieren, die er durch die vorherrschende Produktionsstruktur günstiger herstellen kann als alle anderen. Günstiger meint in diesem Fall, dass das Land zur Produktion auf weniger Einheiten eines anderen Guts verzichtet.
  • Ein Beispiel: Jemand besitzt eine Hosenfabrik. Von 8 Uhr bis 12 Uhr Mittags werden dort weiße Hosen hergestellt. Von 12 bis 16 Uhr werden blaue Hosen produziert. Während in den 4 Stunden des Vormittags lediglich vier weiße Hosen fertig gestellt werden können, schafft die Fabrik ganze sechs blaue Hosen in den vier Nachmittagsstunden.
  • Allen anderen Fabriken für blaue und weiße Hosen stellen in derselben Arbeitszeit gleich viele weiße, wie blaue Hosen her. Würden sie sich auf eine der Farben spezialisieren, hätten sie demnach höhere Verluste als eine Fabrik, die in der gleichen Arbeitszeit mehr blaue Hosen produzieren kann als weiße.
  • Für eine solche Fabrik besteht bei der Produktion blauer Hosen ein komparativer Kostenvorteil. Eine Spezialisierung auf blaue Hosen und ein zukünftiger Zukauf weißer Stücke wäre effektiver als die Herstellung beider Farben. Insgesamt könnten an einem Tag so zwölf blaue Hosen produziert werden statt sechs blauer und vier weißer Farbe. Die Arbeitsproduktivität der Fabrik würde sich so erhöhen. Zugleich hätten andere Fabriken im Umkreis durch den dann notwendigen Zukauf weißer Hosen Profit von der Spezialisierung.
  • Diese komparative Art der Handelstheorie unterscheidet sich deutlich von ihren Vorgängern. Smiths Theorie des absoluten Kostenvorteils fordert zum Beispiel auch Spezialisierung für mehr Profit. Basis sind in diesem Fall aber nicht relative Alternativkosten sondern relative Gesamtproduktionskosten.
  • Das heißt folgendes: Wenn ein Land ein bestimmtes Gut günstiger produzieren kann, als alle anderen Länder, dann besteht ein absoluter Kostenvorteil. Der betroffene Staat soll sich dann auf diese Herstellung spezialisieren. Es geht dabei nicht um Arbeitsproduktivität oder Produktionsstrukturen, sondern lediglich reale Geldgrößen.
  • Obgleich sie auf dem Außenhandel basieren, können beide Theorien ebenso Basis für die Betrachtung von Unternehmen sein. Als volkswirtschaftliche Größe werden komparative Kosten dabei stets im Verhältnis angegeben. Absolute Produktionskosten werden demgegenüber nicht im Verhältnis, sondern als für sich stehender Geldbetrag der Gesamtproduktion ausgedrückt.

Das hört sich alles sehr theoretisch an? Richtig und deswegen soll ein praktisches Kalkulationsbeispiel an dieser Stelle für Klarheit sorgen.

Kalkulation von komparativen Kosten - so geht's

Stellen Sie sich folgenden Fall vor: Land A produziert drei Flaschen roten und drei Flaschen weißen Wein pro Stunde. Land B produziert in einer Stunde dagegen zwei Flaschen roten und eine Flasche weißen Wein. Alle weiteren Produktionskosten fallen gleich aus. Während Rotwein hergestellt wird, kann in keinem der Länder allerdings gleichzeitig Weißwein gebrannt werden und anders herum.

  1. Berechnen Sie für den absoluten Kostenvorteil zunächst die Inputkosten. Da Arbeitskräfte, Stundenlohn etc. gemäß der Beschreibung in beiden Ländern gleich ausfallen, unterscheidet sich der Input lediglich im Zeitaufwand.
  2. Teilen Sie die Stundenzahl durch die Anzahl produzierter Weinfalschen. Sie erhalten folgendes Ergebnis: Land A benötigt für eine Flasche Weißwein genauso wie für eine Flasche Rotwein 20 Minuten. Land B dagegen benötigt für  Rotwein 30 und für Weißwein 60 Minuten.
  3. Der absolute Kostenvorteil liegt in diesem Fall bei Land A. Die Herstellungskosten sind verglichen mit Land B für beide produzierten Weinarten nämlich geringer.
  4. Der komparative Kostenvorteil ist vom absoluten Kostenvorteil unabhängig. Für seine Kalkulation ermitteln Sie nun die Opportunitäts- oder Alternativkosten.  Erinnern Sie sich: Während der Rotweinherstellung wird auf die Weißweinherstellung verzichtet und anders herum.
  5. Bei der Rotweinherstellung verzichtet Land A pro Stunde dementsprechend auf einen Weißwein. Land B verzichtet in einer Stunde dagegen auf einen halben weißen. Während der Weißweinherstellung wiederum verzichtet Staat A auf einen Rotwein, während Staat B auf ganze 2 Rotweinflaschen verzichten muss.
  6. Bei der Herstellung von Rotwein hat Land B niedrigere Alternativkosten. Der komparative Kostenvorteil in der Rotweinproduktion liegt dementsprechend bei Land B. B gehen nämlich weniger mögliche Weißweinflaschen pro produziertem Rotwein durch die Lappen. Bei der Produktion von Weißwein verhält es sich exakt gegenteilig und der komparative Kostenvorteil liegt bei Land A. 

Sie haben in nur 6 Schritten absoluten und komparativen Kostenvorteil der beiden Länder ermittelt. Dabei stellen Sie fest, dass Handel und Spezialisierung auf das Gut mit dem komparativen Kostenvorteil je zu einer höheren Produktionsmenge führen könnten. Beide Länder würden auf diese Weise vom Handel miteinander profitieren. Mit alleiniger Basis des absoluten Kostenvorteils wäre ein solcher Profit nicht gewährleistet.

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