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Klavierschulen im Vergleich - Hinweise für Klavierpädagogen

Vielen Klavierlehrern stellt sich am Anfang des Unterrichts die Frage nach der richtigen Klavierschule. Welches Lehrwerk ist für den betreffenden Schüler am geeignetsten? Manche beginnen direkt mit dem Spiel nach Noten, andere gehen kleinschrittiger vor. Nutzen Sie das breite Angebot, um Ihren Schüler je nach Alter und eventuellen Vorkenntnissen optimal zu fördern.

Aller Anfang ist schwer. Mit der richtigen Klavierschule wird das Lernen leichter.
Aller Anfang ist schwer. Mit der richtigen Klavierschule wird das Lernen leichter. © Helene_Souza / Pixelio

Früh übt sich... - Klavierunterricht im Vorschulalter

Manche Eltern wollen ihren Kindern schon sehr früh den Zugang zum Klavierspiel ermöglichen. Nehmen Sie die Herausforderung als Lehrer an, indem Sie entsprechend kindgerechtes Unterrichtsmaterial verwenden. Ein empfehlenswertes Lehrwerk für Vorschulkinder ist die Klavierschule "Tastenmini" (2000). Sie wurde von Elfi Renetzeder geschrieben und ist im Verlag Pianodidact erschienen.

  • Das Besondere an dieser Klavierschule ist zunächst die Unterteilung in verschiedene Lernaspekte. Zwar werden Sie bei fast allen Lehrwerken mehrere Bände mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad finden. Hier jedoch gibt es darüber hinaus Hefte, die einem speziellen Thema gewidmet sind.
  • Bisher besteht die Klavierschule "Tastenmini" aus sieben Bänden. Auf jedem Band steht ganz vorne auf dem Titelblatt, was das Heft beinhaltet. Das erste Heft beispielsweise enthält Gehörspiele, Rhythmusspiele und Pentatoniklieder.
  • In den ersten beiden Heften wird die traditionelle Notenschrift noch nicht eingeführt. Diese Hefte sind deswegen besonders für Vorschulkinder geeignet. Sie finden sie unter dem Titel "Frühstart Band A" und "Frühstart Band B".
  • Das Kind wird vorrangig über das Gehör an das Klavierspiel herangeführt. Erste Aufgaben sind es beispielsweise, hohe und tiefe Töne zu unterscheiden. Um die Inhalte zu veranschaulichen, sind musikalische Begriffe stets mit außermusikalischen Assoziationen verknüpft. Hierzu werden besonders Tierstimmen verwendet.
  • Die Klavierschule enthält zahlreiche Bilder, die ebenfalls aus Kinderhand stammen. Die im Impressum angegebene Illustratorin ist selbst nicht älter als 8 Jahre. Ermutigen Sie Ihre Schüler, die vorgegebenen Zeichnungen bunt auszumalen und auch eigene hinzuzufügen.
  • Durch die gesamte Klavierschule führen die zwei Maskottchen Klavio und Flüga. Die kindgerechten Symbole für Klavier und Flügel sind lustig und liebevoll gezeichnet. Sie werden bei allen Spiel- und Lernerfolgen zu treuen Begleitern Ihres Schülers.
  • Nach den beiden Heften zum Frühstart wird nach und nach die Notenschrift eingeführt. Dies ist Hauptthema des dritten Heftes namens "Band 1: Notenstart". Bevor in Band 3 der "Notenfortschritt" folgt, sorgt Band 2 namens "Pausenbuch" für Abwechslung. Weitere Bände beschäftigen sich speziell mit dem Rhythmus. So lenken Sie die Aufmerksamkeit des Kindes gezielt auf bestimmte musikalische Feinheiten.

Neben diversen Heften zu verschiedenen Aspekten enthält das Lehrwerk "Tastenmini" zusätzliches Unterrichtsmaterial. Mit Lernkarten können Sie Ihren Unterricht abwechslungsreich gestalten und viele Inhalte spielerisch wiederholen. So lernt das Kind, ohne es zu merken, und wird von Anfang an Spaß am Klavierspiel haben.

Von der Schulbank auf die Klavierbank - Klavierschulen für Grundschulkinder

Normalerweise gehen Kinder schon in die Schule, wenn sie Klavier lernen wollen. Auch hier haben Sie verschiedene Möglichkeiten, eine passende Klavierschule auszuwählen. Mit dem Unterrichtsmaterial, das für Erstklässler geeignet ist, wird sich ein Zehnjähriger nur langweilen. Empfehlenswert für Erst- und Zweitklässler sind "Meine allerersten Tastenträume" (2000), erschienen im Holzschuh Verlag. Hierbei handelt es sich um eine vierbändige Klavierschule von Anne Terzibaschitsch.

  • Wie die Klavierschule "Tastenmini" beginnt auch dieses Lehrwerk zunächst ohne Noten. Dennoch können Sie die Schüler von Anfang an an das Spiel gewöhnen. Lassen Sie sie zunächst die schwarzen Tasten erkunden. Hierzu gibt es im ersten Band viele ansprechende Stücke.
  • Ein Vorteil der ersten Stücke besteht darin, dass Sie als Lehrer mitspielen. Die Schülerstimme ist so einfach gesetzt, dass der Klavieranfänger sie leicht bewältigen kann. Die Lehrerstimme ist dagegen melodisch und harmonisch reich besetzt. Auf diese Weise hat der Schüler auch klangliche Erfolgserlebnisse. Ein Stück, das sich schön anhört, wird er auch zu Hause gerne üben.
  • Bald nach diesen ersten Gehversuchen am Klavier wird die Notenschrift eingeführt. Hier lernt der Schüler jedoch nicht alle Noten auf einmal, sondern Schritt für Schritt einen Ton dazu. Stücke, die nur auf einem Ton gespielt werden, werden durch die Lehrerstimme zu einer echten Komposition.
  • Sämtliche Stücke im Heft haben ansprechende Melodien. Sie sind so geschrieben, dass von Anfang an beide Hände gleich stark beteiligt sind. Achten Sie darauf, dass Ihre Schüler es sich hier nicht zu einfach machen, indem sie nur eine Hand benutzen.
  • Abgerundet wird die Klavierschule durch regelmäßige Quizseiten und Notenrätsel. Diese sind nicht nur gut geeignet, um den Lernstoff spielerisch abzurufen. Auch wenn ein Schüler mal nicht geübt hat, können Sie die Stunde hierdurch interessant gestalten.
  • Für Dritt- und Viertklässler ist die zweibändige Klavierschule "1, 2, 3, Klavier" (1995) besser geeignet als "Meine allerersten Tastenträume". Sie wurde von Claudia Ehrenpreis und Ulrike Wohlwender geschrieben und ist im Verlag Breitkopf & Härtel erschienen.
  • Auch "1, 2, 3, Klavier" ist mit kindgerechten Illustrationen ausgestattet und beginnt ohne Noten. Statt mit schwarzen Tasten anzufangen, legen die Autoren hier mehr Wert auf eine rhythmische Vorgehensweise. Hierzu klatschen die Kinder im Rhythmus zu einem vorgegebenen Vers. Anschließend können sie ihn auf die Tasten übertragen.
  • Neben dem Aspekt des Rhythmischen ist auch die grafische Notation ein permanenter Bestandteil dieser Klavierschule. Bevor Noten eingeführt werden, können Sie mit Ihrem Schüler eine Gewittergeschichte spielen. Hierzu werden grafische Symbole aufgeschrieben, die Sie zusammen entschlüsseln können. Auf diese Weise schärfen Sie nicht nur das Gehör des Schülers, sondern regen auch seine Kreativität an.
  • Im Vergleich zu der Klavierschule von Anne Terzibaschitsch wird die Notenschrift hier in größeren Schritten eingeführt. Der Schüler lernt sofort fünf Töne auf einmal. Auf diese Weise sind bereits die ersten Stücke klanglich vielversprechend.

Noch ein weiterer Tipp: Lassen Sie Ihre Schüler zwischendurch frei mit Klängen experimentieren, wie es in "1, 2, 3, Klavier" gelegentlich verlangt wird. Hierdurch vermitteln Sie ihm ein Gespür für unterschiedliche Stilrichtungen in der Musik. Später wird er dann aufgeschlossener sein gegenüber moderneren Klängen, die auf den ersten Eindruck fremd klingen.

Man lernt nie aus... Klavierunterricht im Erwachsenenalter

Heutzutage sind Klavierschüler, die die Schule längst abgeschlossen haben, keine Seltenheit. Doch auch für Teenager, die sich für das Instrument entscheiden, wäre eine speziell auf Kinder abgestimmte Klavierschule ungeeignet. Wählen Sie für älterere Klaviereinsteiger zum Beispiel die "Russische Klavierschule" (1999) von Alexander Nikolajew, erschienen im Sikorski Verlag.

  • Die Russische Klavierschule besteht aus drei Bänden. Im Gegensatz zu den anderen hier aufgeführten Schulen werden die Noten hier direkt eingeführt. Für ältere Schüler ist das genau richtig. Meist wissen sie genau, was sie wollen, und haben konkrete Vorstellungen von dem, was sie spielen wollen. Indem Sie Ihnen von Anfang an die musikalische Sprache beibringen, bringen Sie sie ihrem Ziel schnell näher.
  • Besonders erwachsene Schüler sind oft wissbegierig und möchten zuhause selbständig üben. Viele haben sich schon Vorkenntnisse angeeignet, bevor sie in den Unterricht kommen. Die Russische Schule geht darauf ein, indem sie einen theoretischen Überblick an den Anfang stellt.
  • Hier ist nicht nur die gesamte Tastatur mit allen Notennamen aufgeführt. Es folgt eine Übersicht über alle Grundbegriffe, die für das Klavierspiel wichtig sind. Hierzu gehören die Notenwerte, die Pausen, die Taktarten und nicht zuletzt die richtige Handhaltung. In diesem Sinne ist die Schule natürlich kein Ersatz für den Lehrer. Dennoch unterstützt sie den Schüler optimal in seiner häuslichen Übetätigkeit.
  • Die Auswahl der Kompositionen ist in der Russischen Klavierschule breit gefächert. Sie reicht von Kinder- und Volksliedern über Stücke im Fünftonraum bis zu vierhändigen Kompositionen. Obwohl die Stücke russischer Komponisten den größten Raum einnehmen, streut der Autor auch andere berühmte Namen ein. Hierzu gehören zum Beispiel Bach oder Mozart.
  • Der zweite und dritte Band der Russischen Klavierschule ist jeweils ein Spielbuch. Hier gibt es kaum noch Erklärungen, sondern nur Kompositionen, die nach aufsteigender Schwierigkeit sortiert sind. Da die Schule in diesem Sinne schnell voranschreitet, kann es angebracht sein, zusätzliches Unterrichtsmaterial einfließen zu lassen.

Egal für welche Klavierschule Sie sich entscheiden: Zeigen Sie dem Schüler von Anfang an, warum Sie sie ausgewählt haben. Blättern Sie schon vorab die Seiten zusammen durch und spielen Sie einige der schönsten Stücke vor. Auf diese Weise erfährt der Schüler, was ihn erwartet, und kann sich gleichzeitig auf die ersten Erfolge freuen.

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