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Kinderlärm in der Mietwohnung - so gehen Sie damit richtig um

Des einen Freud - des anderen Leid. Kinderlärm in der Mietwohnung gegenüber kann belästigend sein. Sind Sie betroffen, sollten Sie Ihre eigenen Emotionen kontrollieren und in Kenntnis Ihrer Rechte richtig damit umgehen.

Kinder lärmen, das ist normal.
Kinder lärmen, das ist normal. © Stephanie__Hofschlaeger / Pixelio

Der Gesetzgeber hat das Bundes-Imissionenschutzgesetz geändert. Danach gilt Kinderlärm nicht mehr als schädliche Umwelteinwirkung, zumindest wenn der Lärm von Kinderspielplätzen oder Kindertagesstätten ausgeht. In diesem Sinne müssen Sie sich als Mieter in einer Mietwohnung ebenfalls orientieren, wenn aus der Nachbarwohnung Kinderlärm zu hören ist.

Kinderlärm kann rücksichtslos sein

  • Beachten Sie, dass im Nachbarrecht aber nach wie vor das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme gilt und Eltern keinen Freibrief haben, Kinderlärm als unvermeidbar darzustellen und Einwände von Nachbarn abzuweisen.
  • Sie werden im Fall einer streitigen Auseinandersetzungen vor Gericht nach wie vor Recht bekommen, wenn Sie den Nachbarn rücksichtsloses Verhalten nachweisen. Genau in diesem Punkt aber liegt das Problem.

Prüfen Sie Ihre Einstellung zu Kindern

  • Bedenken Sie, dass ein Lärmempfinden immer subjektiv geprägt ist. Was der eine als Musik empfindet, beurteilt ein anderer als Krach. Gerade bei Kinderlärm zeigt sich dieser Aspekt sehr deutlich. Sind Sie kinderfreundlich eingestellt, werden Sie Kinderlärm eher ertragen, als wenn Sie in Kindern nur kleine Rabauken sehen
  • Beachten Sie, dass die Gerichte weitgehend kinderfreundlich eingestellt sind. Kinder lassen sich nicht wie ein Radio einstellen und abstellen. Als Nachbar müssen Sie auch in Ruhezeiten Kinderlärm ertragen. So urteilte das Oberverwaltungsgericht Münster, dass derjenige, der Kinderlärm als lästig empfindet, selbst eine falsche Einstellung zu Kindern habe. Gehen Sie davon aus, dass Unterlassungsansprüche bei üblichem Kinderlärm in Mehrfamilienhäusern immer abgewiesen werden.
  • Erweist sich der Kinderlärm aber auch aufgrund des gleichgültigen Verhaltens der Eltern als rücksichtslos und vermeidbar, sollten Sie die Eltern ansprechen und versuchen, Ihr Ruhebedürfnis zu erläutern. Dies gilt besonders, wenn Sie Schichtarbeiter sind oder krankheitsbedingt auf Ihre Ruhe angewiesen sind.

Auch in der Mietwohnung gelten Ruhezeiten

  • Ansonsten verweisen Sie auf die Ruhezeiten, die auch von Kindern eigentlich einzuhalten sind. In den Hausordnungen sind in der Regel Ruhezeiten von 13:00 Uhr bis 15:00 Uhr und von 22:00 Uhr bis 7:00 Uhr festgeschrieben. Gesetzlich vorgeschrieben ist allerdings nur die Nachtruhe von 22:00 Uhr bis 7:00 Uhr.
  • Zumindest gelten diese Ruhezeiten für größere Kinder, die von den Eltern beeinflussbar sind und Anordnungen verstehen können. Lärmende größere Kinder und deren Eltern sollten in der Lage sein, für Ihr Ruhebedürfnis Verständnis zu zeigen.
  • Schreiende Babys und Kleinkinder werden Sie nicht auf die Ruhezeiten verweisen können. In diesem Fall sollten Sie bedenken, dass dieses Entwicklungsstadium nur kurzzeitig andauert und Sie bald Ihre Ruhe haben werden.
  • Bedenken Sie immer, dass es bei der Beurteilung einer Lärmkulisse nicht auf Ihre subjektive Empfindlichkeit ankommt, sondern darauf, wie ein normal empfindlicher Mensch ein Geräusch empfindet.
  • Führen Sie in extremen Fällen ein Lärmtagebuch, sodass sie dokumentieren können, in welchem Ausmaße Sie von Kinderlärm in Ihrer Mietwohnung betroffen sind.

Bedenken Sie insgesamt: Kinder sind Zukunft, unsere und auch Ihre.

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