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"Isst man Spinnen im Schlaf?" - Wissenswertes zur Entstehung von urbanen Mythen

Immer wieder liest man in Internetforen die Frage, ob im Schlaf Spinnen in den offenen Mund wandern, wo sie von den Träumenden verschluckt werden. Überhaupt spielt das Essverhalten eine wichtige Rolle in urbanen Mythen. Isst man etwa Babys in China? Stirbt man, wenn man Cola und eine bestimmte Kaubonbon-Marke zusammen konsumiert? Jeder kennt eine oder mehrere dieser fantastischen Geschichten, die nicht nur der Unterhaltung dienen.

Haben Sie auch Angst vor Spinnen?
Haben Sie auch Angst vor Spinnen? © Stephanie__Hofschlaeger / Pixelio

Die Spinnen in der Zimmerpflanze

  • Urbane Mythen oder Legenden werden auch als Schauer-, Ammen- oder Wandermärchen bezeichnet. In den USA kennt man diese Geschichten auch als "friend of a friend tales" - Freund eines Freundes-Sagen.
  • Diese Legenden sind ein wichtiger Bestandteil der Popkultur, denn sie erlauben wichtige Rückschlüsse über die Befindlichkeiten eines Volks. Welche Ängste plagen die Deutschen? Was bringt sie zum Lachen? Welcher Glauben oder Aberglauben herrscht vor?
  • Urbane Legenden werden in der Regel mündlich übertragen, zunehmend auch über digitale Medien wie E-Mails oder soziale Netzwerke. 
  • Ein wichtiges Erkennungsmerkmal dieser Geschichten ist die vage Quelle. Niemand weiß, woher die Sage stammt. Soll ihr jedoch mehr Glaubhaftigkeit verliehen werden, werden gerne Formulierungen wie "Meiner Schwester, der Arbeitskollegin, dem Bekannten eines Freundes" ist dieses oder jenes passiert. Ob der Empfänger an die Legende glaubt, ist jedoch zweitrangig.
  • Auch der Variantenreichtum kennzeichnet diese Art der Erzählungen. Jeder kennt eine eigene Version. Lokale Besonderheiten, Stadt- oder Personennamen verleihen der Sage einen individuellen Anstrich. Doch Großstadtmythen sind kein ausschließlich deutsches Phänomen, überall auf der Welt kennt man die Geschichten, wie sie in Büchern wie "Die Spinne in der Yucca-Palme" versammelt sind.
  • Sagen haben ihren Ursprung meist im Volksmund. Viele bekannte Sagen erzählen von …

Was man so isst im Schlaf

  • Die Deutschen haben besonders große Angst, Spinnen im Schlaf zu verspeisen. Schaut man hinter diesen Irrglauben, findet man heraus, dass deutschland- und europaweit besonders viele Menschen unter der Arachnophobie - der Angst vor Spinnen - leiden. In anderen Kulturkreisen sind die krabbelnden Insekten hingegen kein Auslöser von Ängsten. Der Spinnen-Schlaf-Mythos fungiert hier nun als eine Art Ventil für diese beherrschende Angst vieler Menschen.
  • In den USA sind andere urbane Mythen ausgeprägter. Hier finden sich beispielsweise Verschwörungstheorien zum 9. September 2011, dem Hurrikan Katrina oder biologischen und chemischen Giftstoffen, die sich in Lebensmitteln verbergen sollen. Elvis soll weiterhin unter den Lebenden wandeln, wer Hühnchen eines bestimmten Herstellers isst, soll in Wirklichkeit frittierte Ratte zu sich nehmen.
  • Weltweit bekannt wurde die Erzählung von dem Mann (George Turklebaum), der fünf Tage lang tot an seinem Schreibtisch saß ohne, dass er von seinen Kollegen entdeckt wurde. Verschiedene Print- und Online-Medien griffen die Geschichte auf. Als Folge entstand gar ein neues Wort. "Turklebaumed" bezeichnet einen Menschen, der zum Opfer eines Aprilscherzes oder eines urbanen Mythos wurde.
  • Großstadtmythen kommen neu hinzu, wenn sich die Gesellschaft ändert, andere Sagen geraten in Vergessenheit. Immer wieder finden sich moralisierende Sagen, Rache- und Geistergeschichten sowie Kriminalgeschichten. Auch die Angst vor dem Fremden oder dem Tod spiegelt sich in urbanen Legenden wider.

Selbst, wenn Sie lesen, dass ein Mensch durchschnittlich bis zu elf Spinnen im Schlaf isst, sollten Sie dieser Aussage keinen Glauben schenken. Großstadtmythen lehren unter anderem, dass nicht alles, was glaubhaft scheint, es auch sein muss.

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