Alle Kategorien
Suche

Insolvenz selber machen - so gehen Sie korrekt vor

Was Firmen können, können Sie auch. Wenn dem Unternehmer das Geld ausgeht, meldet er Insolvenz an und entledigt sich seiner Schulden. Auch Sie können Ihre Insolvenz selber machen. Sie müssen nur wissen, wie Sie vorgehen.

Mit der Restschuldbefreiung Bonität wiederherstellen
Mit der Restschuldbefreiung Bonität wiederherstellen © Petra Bork / Pixelio

Was Sie benötigen:

  • Schuldnerberatung

Seit einigen Jahren bietet der Gesetzgeber das Verbraucherinsolvenzverfahren an. Damit können Sie als Privatperson oder als Kleingewerbetreibender mit höchstens 20 Gläubigern in einem vereinfachten Insolvenzverfahren sozusagen Ihre Insolvenz selber machen.

Selber machen ist besser als Nichtstun bei Insolvenz

  • Sie brauchen nicht darauf zu warten, bis ein Gläubiger einen Insolvenzantrag gegen Sie stellt. Gläubiger tun dies nur ungern, da Sie zur Einleitung des Verfahrens einen Kostenvorschuss an das Insolvenzgericht zahlen müssen. Niemand möchte gutes Geld dem schlechten Geld hinterher werfen, vor allem dann nicht, wenn man sicher weiß, dass faktisch keine Vermögenswerte vorhanden sind. In diesem Fall müssen Sie Ihre Insolvenz eben selber machen.
  • Das Verbraucherinsolvenzverfahren beinhaltet im Wesentlichen vier Verfahrensschritte. Gehen Sie zu einer Schuldnerberatung, sofern Sie in absehbarer Zeit einen Termin bekommen, oder suchen Sie einen in Verbraucherinsolvenzen kompetenten Rechtsanwalt auf. Führen Sie ein erstes Beratungsgespräch, das in der Verbraucherzentrale kostenlos ist, beim Rechtsanwalt über die staatliche Beratungshilfe abgedeckt wird.

Insolvenz und Restschuldbefreiung in vier Schritten

  • Im ersten Schritt muss Ihr Schuldnerberater versuchen, eine außergerichtliche Einigung mit Ihren Gläubigern herbeizuführen. Sie müssen einen Schuldenbereinigungsplan erarbeiten, aus dem hervorgeht, wie Sie auf der Grundlage Ihrer aktuellen Vermögens- und Eigentumsverhältnisse planen, ihrer Verbindlichkeiten Herr zu werden.
  • Akzeptieren die Gläubiger Ihren Plan, entfällt das Insolvenzverfahren und Sie zahlen Ihre Verbindlichkeiten vereinbarungsgemäß zurück. Dieser Schuldenbereinigungsplan kann auch einen Teilforderungsverzicht Ihrer Gläubiger vorsehen.
  • Gelingt die außergerichtliche Einigung nicht, stellen Sie beim Amtsgericht einen Antrag auf Durchführung des Verbraucherinsolvenzverfahrens. Das Gericht versucht seinerseits, nochmals eine Einigung mit Ihren Gläubigern zu realisieren. Dabei können einzelne Gläubiger, die sich in der Kopf- und Kapitalminderheit befinden, vom Gericht gezwungen werden, Ihrem Schuldenbereinigungsplan zuzustimmen. Wird der Plan dann angenommen, erübrigt sich wiederum das Insolvenzverfahren.

Verfahrenseinleitung nur bei Planablehnung

  • Lehnen Gläubiger, die sich in der Kopf- und Kapitalmehrheit befinden, Ihren Schuldenbereinigungsplan ab, wird ein vereinfachtes Insolvenzverfahren eingeleitet. Sie müssen dann für die Dauer von sechs Jahren das Einkommen, das über Ihren persönlichen Freibetrag von 1028,89 € (bei Unterhaltspflicht gelten höhere Freibeträge) hinausgeht, an einen vom Gericht bestellten Treuhänder abführen, der es an Ihre Gläubiger anteilmäßig verteilt. In dieser Wohlverhaltensphase dürfen Sie keine weiteren Schulden machen und müssen ordnungsgemäß Ihre Zahlungen erbringen.
  • Nach sechs Jahren Wohlverhaltens erteilt Ihnen das Gericht die Restschuldbefreiung. Sie sind dann schuldenfrei und Ihre Bonität ist wiederhergestellt.
  • Wenn Sie Ihre Insolvenz also selber machen möchten, überlegen Sie, ob Sie noch etwas zuwarten. Der Gesetzgeber plant, die Wohlverhaltensphase auf drei Jahre zu reduzieren. Sie erreichen die Restschuldbefreiung dann, wenn Sie in dieser Zeit ein Viertel Ihrer Verbindlichkeiten tilgen und sich wohl verhalten.
Teilen: