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Insolvenz im Ausland anmelden - so geht's in Frankreich

Wenn die Firma nicht mehr läuft oder man seinen Job verliert, wenn die Berge von ungeöffneten Rechnungen sich bis zur Decke stapeln und die Gläubiger einen schon mit Hausbesuchen erfreuen- dann wird es Zeit, sich eine radikalere Lösung für die finanziellen Probleme zu überlegen und über eine Insolvenz nachzudenken. Weil eine Insolvenz in Deutschland aber wahnsinnig langwierig ist, sollten Sie dabei auch das Ausland in Betracht ziehen. Wie Sie im französichen Ausland Insolvenz beantragen können, lesen Sie hier.

Seit beinahe 10 Jahren ist es Deutschen möglich, im französischen Ausland Insolvenz zu beantragen.
Seit beinahe 10 Jahren ist es Deutschen möglich, im französischen Ausland Insolvenz zu beantragen.

Insolvenz in Deutschland beantragen

  • Generell verliert jeder Antragssteller auf Insolvenz in Deutschland sein sicheres Einkommen, muss sich im Grunde täglich mit dem Finanzamt auseinandersetzen und Vollstreckungsversuche über sich ergehen lassen. Zwar dient die Insolvenz eigentlich dazu, den Schuldbetrag zu reduzieren und am Ende eine Schulderlassung herbeizuführen, weil vor dem Prozess der Erlassung jedoch mindestens 7 oder 8 Jahre verstreichen, entstehen durch den immensen finanziellen Stress, unter dem sich der Antragssteller befindet, oft auch private Probleme bis hin zu Trennung oder gar Scheidung. 
  • Nach der Antragsstellung beim Finanzamt, befindet sich der Betroffene in einer 6 Jahre andauernden Bewährungsphase, der sogenannten Wohlverhaltensphase. Während dieser Zeit wird der pfändbare Teil des Einkommens an einen Treuhänder abgeführt. Somit bleibt einem Insolvenzantragssteller in Deutschland über mindestens 6 Jahre nicht mehr als das absolut überlebensnotwendige Monatseinkommen, weil jeder Cent darüber an die Gläubiger verteilt wird. Auf jede Art von Luxus muss dabei verzichtet werden, was in den meisten Fällen eine komplette Umstellung des Lebensstils bedeutet.
  • Auch nach den 6 Jahren ist nicht unbedingt gesagt, dass die Restschuld schließlich erlassen wird. Wenn Gläubiger dem Schuldner ein Fehlverhalten wie eine verzögerte Zahlung innerhalb der Wohlverhaltensphase nachweisen können, erlischt der Anspruch auf Restschuldtilgung und das Einkommen wird weiterhin gepfändet. Erst nach neuestem Rechtsspruch ist es möglich, wegen Masselosigkeit trotz eines Fehlverhaltens auf eine Schulderlassung zu hoffen.

Antragsstellung im französischen Ausland

  • Seit dem 18.09.2001 ist es einem deutschen Schuldner nun erlaubt, die Insolvenz auch außerhalb von Deutschland zu beantragen. Vor allem das Elsass stellt dabei durch ein 1924 erlassenes Gesetz eine attraktive Ausweichmöglichkeit für Insolvenzantragssteller dar. So existiert in Frankreich grundsätzlich keine Wohlverhaltensphase für Insolvenzbetroffene, was am Ende zu einer zügigen Rechtsschuldbefreiung in etwa 12-18 Monaten führt. Die Gültigkeit des Rechtsspruches in Frankreich muss in Deutschland nach einer EU-Verordnung anerkannt werden und ist von den deutschen Behörden nicht anzufechten.
  • Wenn Sie über eine Rechtsschuldbefreiung in Frankreich nachdenken, sollten Sie zunächst wissen, dass Sie Ihren Lebensmittelpunkt für die Insolvenzantragsstellung auch nach Frankreich verlegen müssen. Dabei sind Französischkenntnisse sicherlich von Vorteil, letztendlich bestimmen sie aber nicht über den Erfolg der Insolvenz. Wichtig ist nur, dass Sie einen festen Wohnsitz im französischen Ausland nachweisen können, dazu muss ein Inlandskonto, ein Telefonanschluss und eine Anmeldung bei den französischen Versorgungswerken vorliegen.
  • Sobald Sie sich für die Insolvenz im französischen Ausland entscheiden und sich in Deutschland abmelden, müssen Sie auch die Gläubiger über den Wohnortswechsel informieren. So können die nichts mehr pfänden, weil ihnen keine Pfändungsadresse im Inland vorliegt und es ihnen nicht erlaubt ist, sich EU-weit fortzubewegen, solange sie keinen zusätzlichen Titel erworben haben. Schon alleine der Vorgang des Umzuges kann zu einem milden Vergleichsangebot durch die Gläubiger führen, sodass Sie womöglich schon nach einigen Wochen nach Deutschland zurückkehren können.
  • Sollten Ihre Gläubiger trotz Ihres Wohnortswechsels ins Ausland keinen Verlgeich stellen, müssen Sie sich nun um einen Arbeitsvertag in Frankreich kümmern. Dabei bietet es sich an, eine GmbH zu gründen und so einen Arbeitsvertrag zu beschaffen, mit dem Sie schließlich nach einer Ansässigkeitspflicht von 6 Monaten den Insolvenzantrag in Frankeich stellen können. Nach einigen folglosen Vollstreckungsversuchen durch die französischen Behörden stehen Sie während der Antragsprüfung durch das französische Amt nun unter Gläubigerschutz, bevor man das Verfahren gegen Sie wegen Masselosigkeit einstellen wird.

Am Ende können Sie also nach einer doch eher geringen Zeitspanne schuldenfrei nach Deutschland zurückkehren und Ihr altes Leben weiterführen- dieses Mal aber hoffentlich etwas sparsamer- damit Sie in Zukunft nur noch nach Frankreich fahren, um es sich im Urlaub richtig gut gehen zu lassen.

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