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Inkasso-Gebühr zahlen - darauf sollten Sie achten

Post vom Inkassobüro ist unangenehm. Die Gebühr, die Sie zahlen sollen, erscheint oft überhöht. Nicht immer ist sie auch berechtigt. Prüfen Sie bestimmte Aspekte ab, bevor Sie Zahlung leisten.

Mit dem Leid anderer Kasse machen
Mit dem Leid anderer Kasse machen

Nicht jeder ist zum Inkasso berechtigt

Bevor Sie eine Inkasso-Gebühr zahlen, schauen Sie sich den Briefbogen genau an.

  • Inkassounternehmen bedürfen nach dem Rechtsberatungsgesetz der behördlichen Erlaubnis. Diese Erlaubnis wird auf dem Briefbogen normalerweise ausdrücklich erwähnt. Finden Sie keinen Hinweis, verweigern Sie zunächst die Zahlung und fragen auf schriftlichem Wege nach.
  • Grundsätzlich ist es so, dass Sie sich als Schuldner in Verzug befinden müssen. Infolge Ihres Verzuges sind Sie gesetzlich verpflichtet, die dem Gläubiger entstehenden Kosten zur Beitreibung seiner Forderung zu ersetzen.

Gebühr ist nur bei Erfolgsaussicht begründet

  • Der Gläubiger muss durch die Einschaltung eines Inkassounternehmens die Beitreibung seiner Forderung erwarten dürfen. Demgemäß wird die Inkassogebühr abgelehnt, wenn Sie als Schuldner sachliche Einwendungen gegen die Forderung erhoben haben. Ist die von dem Gläubiger gelieferte Sache mangelhaft, muss der Gläubiger davon ausgehen, dass er auf dem Weg der Beitreibung der Forderung durch ein Inkassounternehmen nicht zum Erfolg kommen wird.
  • Die Erstattung wird vielfach auch abgelehnt, wenn Sie nachhaltig zahlungsunfähig sein sollten und der Gläubiger davon Kenntnis hat.
  • Soweit der Gläubiger professionell organisiert ist, muss er, bevor er ein Inkassobüro beauftragt, einfache Mahnschreiben selbst durchführen, ohne diese Kosten Ihnen in Rechnung stellen zu können. 
  • Achten Sie ferner darauf, ob das Inkassounternehmen in fremden Namen oder in eigenem Namen auftritt. Tritt es im eigenen Namen auf, kann es entweder Inhaber der Forderung sein, da es die Forderung infolge eines Forderungskaufs von dem Gläubiger gekauft hat oder weil der Gläubiger die Forderung zur Einziehungszwecken an das Inkassobüro abgetreten hat.
  • In diesem Fall verlangen Sie die Vorlage einer vom bisherigen Gläubiger ausgestellten Urkunde, aus der sich die Forderungsübertragung ergibt.
  • Wenn das Inkassobüro eine eigene Forderung einzieht, kann es keine zusätzlichen Inkassogebühren geltend machen, da es in eigener Sache tätig wird.
  • Wurde die Forderung lediglich getreten, handelt es zwar in eigenem Namen, aber auf fremde Rechnung und kann Ihnen eine Inkassogebühr berechnen.

Zahlen Sie nur, was Sie nachvollziehen können

Die Zahlungsaufforderung sollte eine genaue Forderungsaufstellung beinhalten, die neben der Forderung die Inkassogebühren im Detail auflistet.

  • Zahlen Sie keinesfalls eine pauschal berechnete Gebühr. Unterschreiben Sie keinesfalls ein oft beiliegendes Schreiben, in dem Sie alle möglichen Kosten anerkennen.
  • Es gibt keine einheitliche Gebührenstruktur oder gesetzliche Regelung für Inkasso-Gebühren.
  • Orientierungsmaßstab für die Inkasso-Gebühr ist das Rechtsdienstleistungsgesetz. Es gilt insoweit auch für ein Inkassobüro, als es keine höheren Gebühren fordern darf, als es Rechtsanwälten erlaubt ist.
  • Sie brauchen keine Kontoführungsgebühren zu bezahlen, da es das Inkassobüro organisatorisch sicherstellen muss, wie es den Auftrag und eventuelle Zahlungen verbucht.
  • Die gerne in Rechnung gestellten Adressermittlungsgebühren sollten Sie nur zahlen, wenn der Gläubiger tatsächlich Ihren Wohnort nicht kannte und dieser ermittelt werden musste. Hierfür kommen allenfalls etwa 10 € in Betracht.

Gegenstandswert der Forderung bestimmt Gebührenansatz

  • Zahlen müssen Sie mindestens eine Inkassogebühr. Diese berechnet sich nach dem Gegenstandswert der Forderung. Sie beträgt nach der Rechtsanwaltsgebührenordnung bei Werten bis 300 €: 25 €. Ferner kann eine Kostenpauschale für Porto in Rechnung gestellt werden.
  • Auch wenn Sie ein weiteres Schreiben vom Inkassobüro bekommen, darf dafür nicht eine weitere Gebühr berechnet werden, da dieses und weitere Schreiben mit der Inkassogebühr des ersten Schreibens insgesamt abgegolten sind.
  • Zahlen müssen Sie ferner die Verzugszinsen. Diese liegen nach dem Gesetz bei 5 % über dem jeweiligen Basiszinssatz. Dieser beträgt bis 31.12.2011 5,73 %, sodass Sie insgesamt Verzugszinsen in Höhe von 10,73 % zahlen müssen. (Stand: November 2011)
  • Wenn Sie Teilzahlungen leisten, vermerken Sie im Betreff Ihrer Überweisung, dass Sie auf die Hauptforderung zahlen. Sie vermeiden so, dass Ihre Zahlungen zunächst auf eventuell dubiose Inkassogebühren verrechnet werden.

Sind Ihnen Gebührenansätze unklar, fordern Sie das Inkassobüro zur Erläuterung auf. Bekommen Sie keine Antwort, schreiben Sie einen Beschwerdebrief an die Aufsichtsbehörde beim Landgericht, das für Ihren Wohnbezirk örtlich zuständig ist. Lassen sich keinesfalls von Drohungen einschüchtern. Wenn Ihnen mit der Russen-Mafia, dem schwarzen Mann oder dem Besuch eines Sachbearbeiters an der Haustür gedroht wird, erstatten Sie Strafanzeige wegen des Verdachts der Nötigung bei der nächsten Polizeidienststelle.

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