Indianerschrift lernen - so lernen Sie die Kultur der Mayas kennen

Die Mayasprachen gehen auf Indianerschrift zurück. Die Mayasprachen gehen auf Indianerschrift zurück.
Sprachen lernen ist nicht nur Vokabeln büffeln. Sprachen lernen ist Kulturen verstehen und Grenzen im eigenen Denken und Fühlen brechen. Je ausgefallener zu lernende Schrift und Sprache, desto mehr lernen wir dazu und desto weiter wird unser Horizont. Aus der Vielzahl von Sprachen der Welt nun eine auszuwählen, deren kulturelle Hintergründe Sie kennenlernen wollen, ist wohl gar nicht so einfach. Wie wär's mit Chinesisch? Oder Indisch? Oder noch etwas ausgefallener - mit den Mayasprachen? Entscheiden Sie sich für die, müssen Sie erst einmal die Indianerschrift erlernen.
Sima Moussavian
13.12.2011 Sima Moussavian
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Was Sie über die Mayasprachen wissen sollten

  • Sie sollten wissen, dass Mayasprachen anders als die indogermanischen Sprachen Ergativsprachen sind. Damit liegt ihnen ein Ergativ-Absolutiv-Schema zu Grunde, während Akkusativsprachen wie das Deutsche nach dem Nominativ-Akkusativ-Schema aufgebaut sind. Der Ergativ ist in den Mayasprachen unmarkiert.
  • Alle Mayasprachen kennzeichnen den Kasus von Subjekt und Objekt im Verb, das Verb inkorporiert also Teile, die sich im Deutschen einfach am Subjekt oder Objekt selbst befinden. Damit finden sich in den Mayasprachen grammatikalische Marker für die Kasus.
  • Zudem enthält die Sprachfamilie eine Reihe anderer ins Verb aufgenommener Marker zur semantischen Klassifizierung des Subjekts und Objekts. Bestimmte Suffixe und Präfixe stehen mit dem Verb, um klarzumachen, ob Subjekte bzw. Objekte belebt sind oder unbelebt, menschlich oder nichtmenschlich, von runder oder länglicher Form, von bestimmter Funktion usw.
  • Zur Phonologie ist zu sagen, dass Mayasprachen auf dieselben Vokale zurückgreifen wie das Deutsche. In einigen Untersprachen kommt zu diesem Grundvokalgerüst die Unterscheidung von Langvokalen ähnlich aa-ee-ii-oo-uu hinzu, zudem finden sich vereinzelt Zisch- und Knacklaute.
  • Die Schrift der Mayas ist eine logosyllabische, die Schriftzeichen setzen sich aus Logogrammen und Silbenzeichen zusammen, können jedoch auch alleine stehen, trotz dessen wird die Hälfte aller 700 Zeichen von Logogrammen bzw. Silbenzeichen ausgemacht. Die Schriftlogogramme gehen im Sinne einer bildhaften Indianerschrift auf das Abbild von Tieren und Gegenständen zurück, wobei viele der Zeichen nicht mehr auf ihren Ursprung zurückgeführt werden können. Die Syllabogramme sollen die Silben darstellen und sind als Konsonant-Vokal-Schema aufgebaut, so zum Beispiel als "BA".

Die Indianerschrift erlernen

  • Die Logogramme der Indianerschrift sind durch schriftliche Quellen belegt, so gibt es noch heute Wandmalereien, die ihre ursprünglichsten Formen enthalten und bei der Rekonstruktion von Mayaschrift eine Hilfe sind. Um in Logogrammen schreiben zu lernen, sollten Sie sich mit der Liste aller Darstellungsformen auseinandersetzen, letztlich ist das Wichtigste, dass verbildlicht wird, was man sieht - bei Nomen sollte das weniger ein Problem sein als bei Verben.
  • Für einen Lerner der Indianerschrift bietet es sich eher an, Wörter syllabisch zu schreiben. Hierzu müssen Sie die Liste der Konsonant-Vokal-Konsonant-Verbindungen lernen, die in der Sprache vorliegen, und die den einzelnen Verbindungen zugeschriebenen Zeichen kennen, um Wörter in das Schema übertragen zu können.
  • So besteht das Wort balam für Jaguar in einem Logogramm aus einem Jaguarkopf, syllabisch aus den Silben ba, la, und m(a), das a am Ende ist stumm, wird aber in die Verschriftlichung aufgenommen, weil in der Indianerschrift immer ein Vokal nach einem Konsonanten steht. Ein solches Vorgehen ist ein Relikt der Vokalharmonie, der Vokal der ersten Silbe muss in der letzten wiederholt werden.
  • Wenn in der syllabischen Schrift ein langer Vokal angezeigt werden soll, muss ein disharmonisches Zeichen verschriftlicht werden. Zudem finden sich leere Zeichen, die an Endungen angehängt werden, um zu verdeutlichen, dass der letzte Vokal kein stummer Vokal ist, sondern ausgesprochen wird.
  • Zu den meisten Silbenzeichen finden Sie in der Indianerschrift verschiedene, aber homophone Glyphen, sodass Sie dasjenige wählen können, welches Sie schöner finden, ohne dass sich Lautstruktur oder Bedeutung verändert.
  • Es gibt zudem oft eine Kombination von Logogramm und Syllabogramm, um Verwechslungen auszuschließen. So hängt man an den Jaguarkopf die syllabische Schreibweise für ba-la-m(a) mit an, damit klar ist, dass es sich nicht um eine Hyäne, sondern einen Jaguar handelt.
  • Auch Deutzeichen gibt es, die keinen Lautwert haben, aber klassifizierend wirken, so kann ein Adler mit einem stummen Deutzeichen kombiniert werden, das angibt, dass es sich um ein Tier bzw. etwas Belebtes und Nichtmenschliches handelt.
  • Doppelpunkte benutzt man dann, wenn in syllabischer Schreibweise eine Silbe wiederholt wird. Sie wird nicht noch einmal ausgeschrieben, sondern durch den Doppelpunkt markiert.
  • Letztlich finden sich neben Ereignisglyphen und Tierglyphen die unterschiedlichsten Klassen von Bildern, die durch einen zugeordneten Laut ergänzt werden, um auf ihren Ursprung in der bestimmten Klasse hinzuweisen, bei Tieren wird so beispielsweise na- vorgestellt.
  • Die Satzgestaltung muss in der Indianerschrift nach Verb-Objekt-Subjekt Schema verlaufen. Sind Zeitangaben enthalten, so sind diese ganz nach vorne zu stellen, um das Ereignis schon im Voraus näher einzuordnen.

Letztlich dürfte es für einen Laien unmöglich sein, die Indianerschrift zu erlernen. Zwar können Sie Wörter in Tabellen nachschlagen und spielerisch Logogramme und Syllabogramme zu Lautfolgen erstellen, dass Sie die Schrift aber wirklich können, ist fast ausgeschlossen. Schade eigentlich, denn ästhetisch und interessant ist sie allemal.

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