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Hb-Wert zu niedrig - was Sie wissen müssen

Ist der Hb-Wert zu niedrig, liegt eine Anämie vor, die nicht selten zufällig im Rahmen einer Routineuntersuchung festgestellt wird. Eine Anämie per se ist keine Krankheit, sondern nur Anzeichen einer zugrunde liegenden Erkrankung oder eines Mangelzustands. Sie bedarf einer ursächlichen Abklärung, damit eine an der Ursache orientierte, gezielte Behandlung möglich ist. Eisenmangel und Anämie bei chronischen Erkrankungen oder Entzündungen sind mit etwa 50 Prozent aller Anämien die häufigsten Ursachen. Sollte Ihr Hb-Wert zu niedrig sein, wird Ihr Arzt durch die Bestimmung verschiedener Blutwerte die Form der Anämie näher eingrenzen.

Bei einer Anämie sind verschiedene Blutuntersuchungen erforderlich.
Bei einer Anämie sind verschiedene Blutuntersuchungen erforderlich.

Der Hb-Wert ist alters- und geschlechtsabhängig

Der Hb-Wert gibt an, wie viel roter Blutfarbstoff, medizinisch Hämoglobin (Hb), in den Erythrozyten (roten Blutkörperchen) enthalten ist. Das Hämoglobin ist das Transportvehikel für Sauerstoff und sorgt dafür, dass Organe und Gewebe des Körpers ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Eine Anämie ist definiert als eine Erniedrigung der Hämoglobinkonzentration unter die altersentsprechende und geschlechtsspezifische Norm. Der Hb-Wert gehört mit anderen Blutwerten zum sogenannten „Blutbild“, das häufig im Rahmen einer Routinekontrolle erstellt wird.

  • Ob Ihr Hb-Wert normal ist, hängt also von Ihrem Geschlecht und Ihrem Alter ab. Bei Kindern liegt er je nach Alter zwischen elf und zwölf g/dl (Gramm pro Deziliter Blut), bei Frauen bei zwölf g/dl, bei Schwangeren bei elf g/dl und bei Männern bei 13 g/dl.
  • Ihr Laborzettel kann den Hb-Wert allerdings auch mit einer anderen Einheit angeben, nämlich Millimol pro Liter (mmol/l). Dann lauten die Normwerte entsprechend anders. Für Kinder liegen sie je nach Alter zwischen 6,83 und 7,45 mmol/l. Für Frauen gelten 7,45 mmol/l, für Schwangere 6,83 mmol/l und für Männer 8,07 mmol/l als normal.
  • Ist Ihr Hb zu niedrig, bedeutet das, Ihre Erythrozyten enthalten zu wenig roten Blutfarbstoff. Dadurch leidet die Sauerstoffversorgung der Organe. Ob Sie Symptome entwickeln, hängt davon ab, wie stark der Hb-Wert erniedrigt ist und wie schnell sich die Blutarmut entwickelt hat.
  • Je nach Ursache kann es durchaus vorkommen, dass sich Hb-Abfall langsam über viele Monate entwickelt. Bei einer derart langsamen Entwicklung gewöhnt sich Ihr Körper bis zu einem gewissen Grad an die Sauerstoffunterversorgung. Unter normaler Alltagsbelastung verspüren Sie dann trotz Anämie keine Beschwerden. Eventuell fällt Ihnen oder anderen aber auf, dass Sie etwas blass wirken.
  • Bei einer Blutuntersuchung können sehr viele Werte bestimmt werden, denn das Blut …

  • Kann Ihr Körper den Hb- beziehungsweise Sauerstoffmangel nicht mehr kompensieren, treten typische Anämiesymptome auf. Dazu zählen Kurzatmigkeit, Herzjagen unter leichter Belastung (zum Beispiel beim Treppensteigen), Müdigkeit, Schwindel und Kopfschmerzen.
  • Bleibt Ihre Anämie über lange Zeit unentdeckt und unbehandelt, können weitere Symptome auftreten. Es kann sich dabei um Auffälligkeiten handeln, die man nicht mit einer Anämie in Zusammenhang bringen würde. Dazu gehören Haarausfall, eine Verformung und Brüchigkeit der Fingernägel (nach innen gewölbt mit Längsrillen) und Missempfindungen an Händen und Füßen. Ebenso können sich Zungenbrennen, entzündliche Veränderungen der Zunge, wunde Mundwinkel und das Restless-Legs-Syndrom bemerkbar machen.

Eisenmangel ist die häufigste Anämieursache

  • Ist Ihr Hb-Wert zu niedrig, wird Ihr Arzt Ihnen zur weiteren Abklärung raten. Er wird Ihnen erklären, dass der niedrige Hb-Wert nicht nur ein Ausrutscher auf Ihrem Laborzettel ist. Neben dem häufigen Eisenmangel (50 Prozent der Fälle) können auch gravierende Erkrankungen ursächlich sein. Dazu gehören chronisch-entzündliche Nieren- und Magen-Darm-Erkrankungen. Ebenso können Infektionen, Autoimmun- oder Tumorerkrankungen vorliegen.
  • Oft handelt es sich bei der Untersuchung um eine routinemäßige Blutuntersuchung, zum Beispiel im Rahmen eines Check-ups. Ihr Arzt wird dann auf Sie zukommen und nachfragen, ob irgendwelche Besonderheiten vorliegen. Dazu gehören Gewichtsverlust, nächtliches Schwitzen und Appetitmangel. Auch zurückliegende Infektionserkrankungen, häufige Durchfälle oder Fieber können hierunter fallen. Dasselbe gilt für neue Medikamente, die Sie eventuell von einem anderen Arzt verschrieben bekommen haben. Diese Informationen helfen Ihrem Arzt, der Ursache der Anämie ein Stück näher zu kommen.
  • Der wichtigste, diagnostische Schritt sind weitere Blutuntersuchungen, die die Form der Anämie bestimmen lassen. So kann die auslösende Erkrankung eingegrenzt werden. Die Armut kann an den roten Blutkörperchen selbst liegen, von denen im Knochenmark zu wenige oder schadhafte gebildet werden. Ebenso könnten die Blutkörperchen vorzeitig absterben (normalerweise werden sie 120 Tage alt).
  • Möglicherweise besteht aber auch ein Problem bei der Bildung des Hämoglobins. Das würde für Eisenmangel oder eine bis dato noch nicht diagnostizierte, chronische Erkrankung oder Entzündung sprechen. Auch ein chronischer Blutverlust kann ursächlich sein. So können Sie irgendwo im Körper eine kleine Blutungsquelle haben, aus der täglich winzige Blutmengen austreten. Der Blutverlust summiert sich im Laufe der Zeit und kann dann zu einer Anämie führen. Typisches Beispiel ist ein kleines Magengeschwür.
  • Bei Frauen in der Schwangerschaft kann eine Blut-Verteilungsstörung zu einem erniedrigten Hb-Wert führen. Auch die Monatsblutung kann Anämien hervorrufen, insbesondere dann, wenn Ihre Blutung häufig außergewöhnlich intensiv ist oder länger anhält.

Hämoglobinwert zu niedrig - der Ursache auf die Schliche kommen

  • Hat Ihr Blutbild einen zu niedrigen Hb-Wert ergeben, wird Ihr Arzt Ihnen nochmals Blut abnehmen und zusätzlich zum Blutbild einige Basisuntersuchungen zur Anämiediagnostik veranlassen. Dazu gehören die Leberwerte (Bilirubin und Transaminasen), Nierenwerte (unter anderem Kreatinin und Harnstoff) und Entzündungswerte (Blutsenkung und CRP). Sind diese Blutwerte auffällig, kann das der erste Hinweis auf eine Organerkrankung sein.
  • Es wird Sie vielleicht überraschen, aber auch wenn Eisenmangel die häufigste Anämieursache ist, gehört der Eisenspiegel nicht mit zum Basislabor bei der Anämieabklärung. Er unterliegt nämlich sehr hohen Schwankungsbreiten und kann trotz Eisenmangelanämie im Normbereich liegen.
  • Auch ein normaler Eisenspiegel im Blut schließt eine Eisenmangelanämie nicht aus. Ihr Arzt wird daher stattdessen das Serumferritin im Blut bestimmen lassen. Das Ferritin ist ein Proteinmolekül, das als Speicherort für Eisen dient. Beim Menschen kommt es in Leber, Milz und Knochenmark vor. Ist der Wert zu niedrig, spricht das für einen Eisenmangel. Ist er erhöht oder auch normal, hat die Anämie eine andere Ursache. Es könnte ein Infekt, ein Tumor oder eine Lebererkrankung vorliegen.
  • Mit Blutbild und kleinem Basislabor zur Anämiediagnostik inklusive Ferritin hat Ihr Arzt eine Menge Informationen gesammelt. Bei erniedrigtem Ferritinspiegel im Blut kann er sogar schon die Diagnose einer Eisenmangelanämie stellen. Es muss dann noch geklärt werden, warum Eisenmangel vorliegt. Denn entweder ist die Eisenzufuhr zu gering, der Eisenbedarf erhöht, die Eisenaufnahme gestört oder es liegt Eisenverlust vor. Mit der Diagnose Eisenmangelanämie ist es also nicht getan. Ihr Arzt muss weiterforschen, kann jetzt aber wesentlich gezielter vorgehen.
  • Eine zu geringe Eisenzufuhr kann vorliegen, wenn Sie sich streng vegetarisch ernähren. Möglicherweise ist die Eisenzufuhr über die Ernährung zwar ausreichend, aber es liegt ein Problem bei der Eisenaufnahme im Zwölffingerdarm vor. Hier kommen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen als Ursache infrage. Vielleicht stehen auch nicht genug Magensäure oder Enzyme zur Verfügung, die zur Eisenaufnahme benötigt werden. Zu einem Eisenverlust kommt es durch Blutungen, die akut oder chronisch bestehen können.
  • Ist der Ferritinspiegel normal oder erhöht, kann Ihr Arzt eine Eisenmangelanämie ausschließen und muss weitere Anämieursachen abklären. Dazu kann er ein sogenanntes Differenzial-Blutbild anfertigen lassen. Es gibt unter anderem darüber Auskunft, wie groß die Erythrozyten sind („MCV-Wert“). Außerdem sagt es aus, wie viel Hämoglobin in einem Erythrozyten enthalten ist („MCH-Wert“). In Kombination mit den bereits erhobenen Blutwerten ergeben sich daraus weitere Rückschlüsse auf die Anämieursache. So weisen beispielsweise erhöhte MCV- und MCH-Werte auf einen Vitamin B12-Mangel hin.
  • Hilfreich ist auch die Bestimmung der Retikulozyten-Anzahl im Blut. Retikulozyten sind unreife Vorstufen der Erythrozyten, die im Knochenmark gebildet und an das Blut abgegeben werden. Liegt die Zahl der Retikulozyten unter der Norm, kann die Ursache in Ihrem Knochenmark liegen. Je nach Konstellation der Blutwerte ist es dann eventuell nötig, eine Knochenmarkprobe zur histologischen Untersuchung zu gewinnen.
  • Eine Erhöhung der Retikulozytenzahl im Blut kann aber auch harmlose Ursachen haben. Nach einer Blutspende versucht Ihr Knochenmark beispielsweise, die abgezapfte Blutmenge schnell zu ersetzen. So können viele, noch unreife Erythrozyten im Blut schwimmen.
  • Letztlich muss Ihr Arzt Detektiv spielen. Durch die Bestimmung des Blutbildes in Kombination mit weiteren Laborwerten grenzt er die möglichen Ursachen Ihrer Anämie ein. Je nach Befundkonstellation kommen dann weitere Untersuchungen auf Sie zu. Magen-Darm-Spiegelungen, Ultraschall und Röntgenaufnahmen können hierunter fallen. Bei Frauen kann auch eine gynäkologische Untersuchung angezeigt sein. In seltenen Fällen nimmt man eine Knochenmarkpunktion vor.

Die Behandlung der Anämie richtet sich nach der Ursache

  • Grundsätzlich gilt, dass die Ursache Ihrer Anämie behandelt werden muss. Wird die auslösende Erkrankung behandelt oder heilt aus, bessern sich auch Ihre Blutwerte. Der Hämoglobinwert kann sich so normalisieren.
  • Das gilt prinzipiell auch für die häufige Eisenmangelanämie. Dennoch wird Ihr Arzt Ihnen evwentuell zu einer Behandlung mit Eisenpräparaten raten. Das gilt insbesondere dann, wenn der Hb-Wert durch den Eisenmangel stark erniedrigt ist. Auch wenn Sie weitere Mangelsymptome, wie Haarausfall, Restless-Legs-Syndrom oder Missempfindungen, entwickelt haben, können Eisenpräparate angezeigt sein. Ebenso kommt Eisen während eine Schwangerschaft und bei Dialyse-Patienten als Behandlung infrage.
  • Die Behandlung mit Eisen kann oral (Kapseln, Tabletten) und intravenös erfolgen. Da die intravenöse Behandlung nicht ganz ungefährlich ist, wird Ihr Arzt Ihnen zu einer oralen Behandlung raten. Bei der oralen Behandlung sollten Sie die Kapseln oder Tabletten auf nüchternen Magen einnehmen. So etwa ein bis zwei Stunden vor dem Frühstück. Empfehlenswert ist dazu zum Beispiel ein Glas Orangensaft. Das darin enthaltene Vitamin C verbessert die Eisenaufnahme im Zwölffingerdarm.
  • Unter der oralen Behandlung kann es zu Übelkeit, Verstopfung und Bauchschmerzen kommen. Das macht entsprechende Gegenmaßnahmen erforderlich. Dazu gehören zum Beispiel leichte Abführmittel, Backobst oder ein entkrampfend wirkendes Medikament. Sind die Nebenwirkungen problematisch, kann das Eisenpräparat auch zum Essen eingenommen werden. Es wird dann allerdings schlechter vom Darm aufgenommen. Erschrecken Sie nicht, wenn sich Ihr Stuhl während der Einnahme pechschwarz verfärbt oder klebrig ist. Das ist kein Grund zur Beunruhigung.
  • Eine intravenöse Eisenbehandlung kommt nur dann infrage, wenn die orale Behandlung nicht ausreichend wirkt oder partout nicht vertragen wird. Diese Art der Eisengabe ist nicht ganz ungefährlich, da frei im Blut zirkulierendes Eisen zu Blutdruckabfall, Kollaps, Schock und Überempfindlichkeitsreaktionen führen kann. Während der Behandlung wird Ihr Arzt Sie daher sorgfältig überwachen und Sie sollten mindestens noch 30 Minuten in der Praxis bleiben. Von einer intravenösen Eisengabe während der Schwangerschaft wird abgeraten.
  • Ziel der Eisentherapie ist es, Ihre Eisenspeicher im Körper wieder aufzufüllen. Nach circa vier Wochen wird daher der Hb- und Ferritin-Wert kontrolliert. Bei einer Langzeitbehandlung wird alle drei Monate kontrolliert.

Ein zu niedriger Hb-Wert ist zusammenfassend also ein Hinweis auf eine bestehende Anämie. Eine solche wird nicht selten zufällig entdeckt und kann zahlreiche Ursachen haben. Aufgabe des Arztes ist es, durch die geschickte Auswahl von Laborwerten, die Form der Anämie einzugrenzen, damit eine zielgerichtete Organdiagnostik möglich ist. Nur so lassen sich unnötige Untersuchungen vermeiden und die Behandlung der auslösenden Erkrankung kann zügig beginnen.

Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.

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