Handtuft - so erstellen Sie Ihren eigenen Teppich

Ein Teppich verschönert den Raum. Ein Teppich verschönert den Raum.
In vielen Handlungen werden "Handtuft-Teppiche" angeboten. Das hört sich nach etwas ganz Besonderem an und man kann leicht auf die Idee kommen, selber einen "Handtuft-Teppich" herstellen zu wollen. Nur leider trügt der Name. Ein Handtuft-Teppich gehört nicht zu den handgeknüpften Teppichen, sondern wird mit einer Art "Teppich-Nähmaschine" bzw. einer "Hand-Teppich-Nähmaschine" erstellt. Aber wenn Sie wissen, wie ein Handtuft-Teppich aufgebaut ist, könnte es sein, dass Sie sich lieber einen Schurwollteppich knüpfen möchten und diesen mit der Abschur etwas "eintupfen".
Meggi Erwig
03.02.2012 Meggi Erwig
Was Sie benötigen
Das schaffen Sie mit Links
  • Smyrnastramin
  • Knüpftisch
  • Teppichnadel
  • Schurwolle für Teppiche
  • Teppichschermaschine

Handtuft ist ein Verfahren, um Teppiche herzustellen

Teppich bzw. Teppichboden kann durch kleben, nadeln, weben, beflocken, wirken, tufting oder das sogenannte "Handtuft-Verfahren" hergestellt werden. Die Fasern können bei allen Verfahren sehr unterschiedlich sein, z. B. chemisch-cellulosisch (Zellwolle, Viskose), synthetisch (Polypropylen, Polyacryl, Polyester, Polyamid), pflanzlich (Sisal, Hanf, Kokos, Flachs, Jute, Baumwolle) oder tierisch (Seide, Haare, Wolle).

  • Allen Herstellungsarten, auch dem Handtuft, ist zueigen, dass aus den Fasern Flach- oder Polgewebe hergestellt werden, deren Oberschicht als Velours, Schlinge, Zug oder Cut nutzbar sind. Solche Teppiche lassen sich nicht nur lose verlegen, sondern vor allem verkleben, verspannen oder verketten. Tuften, als auch Handtuft ist dabei eine maschinelle Methode, durch die Polfäden, ähnlich dem Nähmaschinenverfahren, mit unendlich vielen Nadeln in den Teppichträger eingeschossen werden.
  • Durch Luftdruck wird das eingeschossene Garn mit Greifern dann festgehalten, damit Schlaufen entstehen, die sich Polnoppen nennen. Dadurch entsteht ein Schlingflorteppich. Wie lang die Schlingen sind, entscheiden der Luftdruck und die jeweils verwendeten Garne. Durch Aufschneiden dieser Schlingen entsteht dann ein Veloursteppich. In der Regel ist dieses Messer bereits der Tuftingmaschine angeschlossen, um die Arbeitsabläufe in einem Gang durchführen zu können.
  • Die Tuftingmaschinen der Teppichindustrie fallen unterschiedlich aus. Große Betriebe nutzen in der Regel so große Modelle, dass ein 20 qm-großer Teppichträger auf seiner gesamten Fläche zeitgleich getuftet werden kann. Kleinere Betriebe rühmen sich damit, "Handtuft-Maschinen" zu nutzen, also kleinere, die per Hand bedient werden und den Teppich stückchenweise erstellen.
  • Bislang ist nur ein Hersteller in Bayern bekannt, der Handtuft-Maschinen herstellt und in der Regel an Teppich verarbeitende Betriebe verkauft. Zwar ist es über diesen Hersteller grundsätzlich möglich, eine solche Maschine auch privat zu erwerben, allerdings ist die Anschaffung in einer Preislage, dass sie sich nur für kleinere Betriebe, anstatt für Privathaushalte lohnt.

Wenn Sie einen eigenen Teppich herstellen möchten, könnten Sie z.B. einen Schurwollteppich knüpfen, scheren und die Wolle hinein tupfen - was natürlich etwas ganz anderes ist.

So knüpfen Sie Ihren Schurwollteppich

Im Grunde unterscheidet man zwischen drei Knotenarten, dem Singel, dem türkischen und persischen Knoten. Beim persischen Knoten, den man auch unter dem Namen Sennehknoten kennt, bindet man eine Schlinge eineinhalbfach um den Kettfaden. Der türkische Knoten, der auch unter dem Namen "Ghiordes" bekannt ist, wird in Form einer Doppelschlinge, deren Fäden mittig zusammenlaufen, geknotet. Und der Singel wird nur einfach geschlungen, sodass die Kette noch zu erkennen ist. Übrigens, ein antiker Teppich wird niemals mit einer einfachen "Singel" geknotet sein. Versuchen Sie, einen Schurwollteppich mit dem türkischen Knoten anzufertigen.

  1. Befestigen Sie den Stramin gut an Ihrem Knüpftisch. Sie können einen Knüpftisch auch durch einen Holzrahmen und einige Nägel selber herstellen. Wichtig ist nur, das der Stramin gut gespannt ist.
  2. Schieben Sie dann die Knüpfnadel unterhalb der ersten Kettfäden und legen Sie die Schurwolle in den Knüpfnadelhaken. Halten Sie eine Fadenseite fest, um die andere unter den Kettfäden herzuziehen.
  3. Halten Sie ein Fadenende weiter fest und schieben Sie nun die Knüpfnadel nur unter den zweiten, parallel liegenden Kettfaden, um den zur anderen Seite liegenden Schurwollfaden zwischen beiden Kettfäden durchzuziehen.
  4. Holen Sie nun genauso, nur seitenverkehrt, den anderen Schurwollfaden zwischen beiden Kettfäden hindurch. Mit dieser Knotentechnik setzen Sie die einzelnen Knoten sehr dicht aneinander. Wenn Ihr Teppich fertig ist, werden die Schurwollfäden ungleichmäßig nach oben stehen.
  5. Nun benötigen Sie die Teppichschermaschine. Stellen Sie die gewünschte Faserhöhe an Ihrer Maschine ein und scheren Sie die Oberfläche Ihres Schurwollteppichs. Lassen Sie die abgeschorenen Faserteilchen auf dem Teppich liegen und arbeiten Sie sie gut ein.

Ein echter Berberteppich z. B. flust deshalb, weil die geschorenen Schurwollteilchen eingearbeitet sind. Der Sinn dieser Vorgehensweise ist, dass der Teppich dichter, wärmer und aufnahmefähiger ist.



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