Alle Kategorien
Suche

Gscheidhaferl - die bayerische Redewendung kurz erklärt

Wenn ein Norddeutscher von einem Bayern als "Gscheidhaferl" bezeichnet wird, kann er damit herzlich wenig anfangen. Die Redewendung lässt sich aber recht einfach erklären.

Ein Gscheidhaferl ist kein kluger Nachttopf
Ein Gscheidhaferl ist kein kluger Nachttopf © Dieter_Sch�tz / Pixelio

Ein bayerisches Gscheidhaferl

Menschen, die Dialekt sprechen, werden in den Städten immer weniger, auf dem Land dagegen ist die Mundart immer noch häufig in Gebrauch. Das gilt vor allem auch für Bayern. In bayerischen Dörfern kennt man auch noch ältere Begriffe, von denen selbst mancher gebürtige Münchner nicht mehr weiß, was sie bedeuten. Zu diesen Begriffen gehört auch das Gscheidhaferl.

  • Der Begriff Gscheidhaferl ist zunächst einmal zusammengesetzt aus den beiden Wörtern "gscheid" und "Haferl".
  • Gscheid wiederum bedeutet nichts anderes als gescheit, woraus im bayerischen und übrigens auch im schwäbischen Dialekt das Wort gscheid wird.
  • Ein Haferl bezeichnet im bayerisch-österreichischen Sprachraum eine Tasse und obwohl die Endung für eine Verniedlichung und Verkleinerung steht, handelt es sich beim Haferl um eine große Tasse, weshalb der Gast in einem bayerischen Café auch gerne einmal gefragt wird, ob er eine Tasse oder ein Haferl Kaffee möchte. Daneben steht das Haferl jedoch auch für den Nachttopf, im Bayerischen gerne Nachthaferl genannt. Ein Haferl ist also auf jeden Fall ein Gefäß.

Klugscheißer und Oberschlaue

Um eine gescheite Tasse oder einen gescheiten Nachttopf handelt es sich jedoch nicht, wenn die Bayern von einem Gscheidhaferl reden. Über solche Eigenschaften verfügen auch bayerische Gefäße nicht.

  • Bezeichnet ein Bayer einen anderen als "so a Gscheidhaferl" oder "a richtigs Gscheidhaferl", dann ist das meist nicht allzu positiv gemeint, denn der Begriff wird für Menschen verwendet, die immer alles besser wissen. Ein Preuße ist also aus Sicht eines Bayern gerne mal ein Gscheidhaferl.
  • Müsste man Synonyme für das Wort Gscheidhaferl finden, dann wären das Begriffe wie Klugscheißer, Besserwisser oder Oberschlauer. Ein Preuße würde also umgekehrt einen Bayern als bayerischen Klugscheißer bezeichnen, wenn er ein Gscheidhaferl meint.

Wenn Sie das nächste Mal von einem Bayern als Gscheidhaferl bezeichnet werden, dann wissen Sie also, was er von Ihnen hält.

Teilen: