Gegen Langeweile im Büro - so gestalten Sie Ihren Arbeitstag spannend

Langeweile im Büro nützt niemandem - zum Glück lässt sich etwas dagegen tun. Langeweile im Büro nützt niemandem - zum Glück lässt sich etwas dagegen tun.
Egal ob Bedienung, Bildhauer oder Bundeskanzlerin: In den meisten Berufen treten Phasen monotoner Arbeit und damit der Ermüdung oder gar der Langeweile auf. Das ist ganz normal. Häufen sich diese Phasen allerdings und gehen mit einer starken Unterforderung einher, spricht die Psychologie vom sogenannten Bore-Out (im Gegensatz zum Burn-Out durch Überlastung) und damit einer körperlich und seelisch belastenden Situation, der Sie sich selbst zuliebe entschieden entgegentreten sollten.
Simon Kolzuniak
25.11.2010 Simon Kolzuniak
Was Sie benötigen
Dafür brauchen Sie beide Hände
  • Eigene Anamnese (schriftlich)
  • Phantasie, Neugier, Kreativität
  • Regelmäßige Pausen
  • Kollegen
  • Ggf. professionelle und neutrale Ansprechpartner (z.B. Coach, Psychotherapeut)

Langeweile erkennen - Lösungen entwickeln

  • Am Anfang steht die Problemdiagnose. Versuchen Sie, Ihre Langeweile am Arbeitsplatz einzuordnen, indem Sie sich z.B. fragen, ob Ihnen das vorgegebene Tempo zu langsam ist oder Ihnen der gesamte Arbeitsprozess sinnlos erscheint und wie sehr welcher prozentuale Anteil Ihres täglichen Arbeitspensums Sie wirklich ermüdet.
  • Notieren Sie ebenso, wie ein typischer Arbeitstag für Sie aussieht und in welcher Sequenz anregende mit monotonen Beschäftigungen abwechseln. Berücksichtigen Sie dabei auch räumliche Wechsel. Überdenken Sie ebenfalls, wie viel Freiräume Ihnen Ihre Arbeit liefert und welches soziale Klima an Ihrem Arbeitsplatz vorherrscht.
  • Wenn Sie feststellen, dass Ihr Problem eher in Leerläufen besteht, dass es lediglich wenige Arbeitsvorgänge betrifft und/oder dass das Betriebsklima Ihnen genug Freiräume bietet, können Sie Ihre Ermüdungserscheinungen mit einigen wenigen Techniken kurz- bis mittelfristig erheblich reduzieren.

Klassische Ansätze - Organisieren Sie Ihr Büro neu

  • Die Wissenschaft verweist seit Jahrzehnten auf drei bewährte Mechanismen, sich von monotoner und gesundheitsschädlicher Arbeit durch neue Formen der Organisation zu befreien: Job-Rotation, Job-Enlargement und Job-Enrichment.
  • Job-Rotation bedeutet, dass Sie regelmäßig Ihren Arbeitsplatz und/oder die Arbeitsaufgabe wechseln. Je freier Ihre Zeiteinteilung und je unterschiedlicher Ihre Aufgabengebiete sind, desto leichter lässt sich dieses Prinzip eigenständig umsetzen. Der Vorteil: Sie können kreative mit monotonen Tätigkeiten abwechseln.
  • Job-Enlargement bedeutet, dass Sie wie ein Fallmanager einen Arbeitsvorgang – z.B. die Mahnung säumiger Kunden- komplett betreuen. Job-Enrichment erweitert dieses Mechanismus auch um  planerische und kontrollierende Funktionen (z.B. die statistische Auswertung aller Vorgänge in einem Quartal). Der Nachteil: Solche Organisationstechniken lassen sich lediglich bedingt eigenständig steuern und bedürfen daher meist der Rücksprache mit der Abteilungsleitung und/oder dem Betriebsrat.
  • Entscheidend ist, dass Sie die Sequenz Ihrer Arbeitsschritte an Ihre Bedürfnisse anpassen. Sind Sie z.B. bei freier Zeiteinteilung für Dokumentation und telefonische Akquise zuständig, könnten Sie die Dokumentation in den frühen Morgen, die Mittagszeit und den frühen Abend bringen und die Telefonakquise in den Vor- und Nachmittag legen.

Die kreative Trickkiste im Büro

  • Neben der äußeren Organisation Ihrer Arbeit spielt aber auch Ihre Motivation eine große Rolle. Besonders spannend ist hierbei die pragmatische Philosophie – gehen Sie davon aus, dass Ihre Arbeit keinen Sinn hat, solange Sie nicht selbst diesen Sinn stiften!
  • Erkennen Sie, dass Sie der beste Experte an Ihrem Arbeitsplatz sind: Setzen Sie sich aktiv mit Ihrem Arbeitsprozess und dem Endprodukt auseinander und überlegen, wie Sie Ihre Leistung verbessern oder  Ihrem Kunden noch mehr Service bieten können. Aus solchen Gedanken ist schon das ein oder andere Patent oder selbständige Geschäftsmodell entstanden.
  • Systemische Ansätze raten zudem, verschiedene Arbeitsbereiche anzureichern, indem Sie Querverbindungen nutzen, in komplexeren Zusammenhängen denken und sogenannte „Synergien“ produzieren. Wenn Sie beispielsweise gute Geschäftsbriefe formulieren, aber Probleme haben, telefonische Reklamationen anzunehmen, dann überlegen Sie einmal, wie Sie Ihre Talente im Schreiben ins Telefonieren übertragen können.

Unterbrechungen gegen Langeweile

  • Es gibt keine effektive Produktion ohne Phasen der Reproduktion, also der Stillung physischer und psychischer Bedürfnisse.
  • Unterschätzen Sie nicht die Wirkung von Pausen – egal ob der Gang in die Kantine, die Raucherpause oder der Ausflug in die Teeküche: Im Gespräch mit Kollegen, gleichgültig ob aus der gleichen Abteilung oder aus ganz anderen Bereichen, gewinnen Sie neue Blicke auf Ihre Arbeit und die Kultur Ihres Unternehmens, wechseln Ihre Perspektive und gewinnen neue Ideen.
  • Wichtige reproduktive Fluchten können aber auch Phasen sein, in denen Sie Ihre Arbeit komplett unterbrechen, indem Sie zum Beispiel das Treppenhaus statt den Aufzug nehmen, einmal ein oder zwei Minuten die Augen schließen um sich vom Bildschirmflimmern zu erholen (mindestens ein stilles Örtchen dafür findet sich immer) oder bewusst Ihre Körperhaltung am Schreibtisch wahrnehmen.
  • Kreativität lebt davon, in begrenzten Räumen Potentiale zu entfalten. Manchmal geht dies nicht – dann kann es helfen, sich von der Arbeit innerlich zu distanzieren und die Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken. Sollten Sie dabei allerdings merken, dass Sie weiterhin unter Monotonie leiden und eine Bore-Out-Anfälligkeit besitzen, scheuen Sie sich nicht, professionelle und neutrale Hilfe in Anspruch zu nehmen und einen kontrollierten Wechsel des Arbeitsplatzes zu erwägen.
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