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Futurismus - eine Definition

Beinahe jeder hat schon einmal ein modernes Gebäude oder ein Stück High-Tech als futuristisch bezeichnet. Was vielen Menschen jedoch nicht bewusst ist, dass hinter dem Futurismusbegriff eine Kunstrichtung steht, welche unter anderem die Malerei, die Musik und die Literatur beeinflusst hat, aber auch brisant war. Wie sieht die Definition des Begriffs aus?

Der Futurismus öffnet sich dem Zukünftigen.
Der Futurismus öffnet sich dem Zukünftigen.

Die Kunstform liefert ihre eigene Definition

Eine klare Definition ist bei Kunstrichtungen nie ganz einfach zu tätigen, der Futurismus bildet da eine gewisse Ausnahme, denn er geht auf ein einzelnes Manifest des Italieners Filippo Tommaso Marinetti aus dem Jahre 1909 zurück. Dieses gilt als die Grundlage der Stilrichtung. Hier eine Zusammenfassung der einzelnen Punkte:

  • Zur Vertrautheit sollen Energie und Verwegenheit treten. Die Liebe zur Gefahr wohnt der Bewegung inne.
  • Der Futurismus soll einen kühnen und auflehnenden Charakter haben.
  • Angriffslust und Agilität sollen den Stil prägen.
  • Geschwindigkeit ist ein zentrales Moment.
  • Der sich bewegende Einzelne ist Bestandteil eines großen dynamischen Systems.
  • Der Dichter (Marinetti war selbst Poet, weshalb sich sein Manifest vor allem auf die Literatur bezieht) soll in seinem Schaffen leidenschaftlich glühen.
  • Ein Werk muss aggressiv sein. Schönheit wird im Konflikt gesehen.
  • Der Futurismus soll nicht zurück in die Vergangenheit blicken.
  • Der Krieg ist mit allen seinen gewaltsamen Ausprägungen zu verherrlichen, denn er wird als reinigende Instanz betrachtet.
  • Die klassischen Kulturträger sollen vernichtet und überwunden werden, da sie untrennbar mit einem zu überwindenden Moralismus verbunden seien.
  • Symbolisch sollen die endlosen Arbeiterschaften, der nie ruhende Motor der Industrie sowie der Gigantismus der Städte besungen werden.

Der Futurismus sieht sich als Revolution

  • Die Selbstdefinition des Futurismus ist untrennbar mit der Person Marinettis verbunden, der darin auch ein persönliches Aufbegehren gegen die sehr institutionalisierten wohlhabenden Umstände sah, in die er hineingeboren wurde. 
  • Der Futurismus sieht sich also als revolutionäre Bewegung, welche der schneller werdenden Welt des frühen 20. Jahrhunderts huldigt. Er lehnt moralische Normen ebenso ab, wie er versucht, religiöse und kulturelle Konventionen zu überwinden.
  • Viele seiner Charakteristika, wie etwa die Ästhetisierung der Gewalt, lassen den Futurismus zu einem Nährboden für den Faschismus werden, der in Italien in den frühen 20er Jahren des 20. Jahrhunderts aufkeimt. So ist auch die weitere Geschichte der Kunstform mit der faschistischen Ideologie untrennbar verbunden.
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