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Franz Kafka: Die Verwandlung - Analyse

"Die Verwandlung" ist die vielleicht bekannteste Erzählung von Franz Kafka und wird meist als Erstes mit dem Autor in Verbindung gebracht. In ihr kommen viele Elemente zum Vorschein, die typisch für sein Schaffen sind.

"Die Verwandlung" - vom Mensch zum Ungeziefer
"Die Verwandlung" - vom Mensch zum Ungeziefer

Informationen zu Franz Kafka

  • Franz Kafka wurde am 3. Juli 1883 in Prag geboren und starb am 3. Juni 1924 in Österreich. Er begann ein Germanistikstudium und wechselte dann zu Jura. Er schloss mit der Promotion ab.
  • Parallel zu seinem Studium und seinen juristischen Tätigkeiten wurde er literarisch tätig, veröffentlichte aber nur wenige, kurze Texte.
  • Kafka litt schon früh an Lungenproblemen und starb schließlich geschwächt durch Tuberkulose. Seinem engsten Freund und Nachlassverwalter Max Brod hinterließ er den Auftrag, seine Werke nicht zu publizieren. Max Brod jedoch, der ein großer Bewunderer von Kafkas Schaffen war, entschied sich, die Werke zu veröffentlichen.

Inhalt von "Die Verwandlung"

  • Protagonist der Erzählung ist Gregor Samsa, der eines Morgens aufwacht und sich in ein riesiges Ungeziefer verwandelt vorfindet. Er ist nahezu bewegungsunfähig und kann nicht einmal das Bett verlassen. Gregor Samsa ist der Ernährer der Familie und sorgt sowohl für seine Eltern als auch für seine jüngere Schwester, die alle gemeinsam im Haus leben. Er arbeitet hart, um die Schulden der Familie abzutragen.
  • Seine Schwester Grete ist von nun an dafür zuständig, ihn zu versorgen. Während es Gregor nach und nach gelingt, mühevoll im Zimmer herumzukriechen, distanziert sich seine Familie zunehmend von ihm. Sie missinterpretieren seine tierischen Verhaltensweisen und verletzen ihn.
  • Während sie aus finanziellen Gründen Untermieter aufnehmen, kümmern sie sich kaum noch um Gregor. Sowohl er als auch sein Zimmer verkommen immer mehr, bis er schließlich stirbt. Gregors Familie steht dagegen vor einem Neuanfang, die Schwester ist zu einer heiratsfähigen Frau herangereift.

Hinweise zur Analyse

  • Wie so viele Erzählungen von Franz Kafka dominiert auch in der "Verwandlung" eine düstere und pessimistische Atmosphäre. Gregor Samsa führte bereits vor seiner Verwandlung in ein Ungeziefer ein deprimierendes Leben. Er hasst seinen Beruf als Tuchhändler und Vertreter, arbeitet aber dennoch unermüdlich, um die Schulden des Vaters zu bezahlen. Seine Transformation vertauscht die Rollen, denn nun ist er derjenige, der versorgt werden muss.
  • Gleichzeitig wird aber offenbar, dass die Kälte ihm gegenüber schon zuvor vorhanden war. Vor allem der Vater behandelte Gregor in Menschengestalt kaum besser, sondern sah in erster Linie den Geldgeber in ihm. Auch die Kommunikation war bereits vorher gestört, denn es stellt sich heraus, dass sowohl seine Familie ihn falsch einschätzte als umgekehrt er auch sie - die Mutter ahnte nicht, wie unglücklich Gregor in seinem Beruf war und er wiederum ahnte nicht, dass sie für sich selbst sorgen können.
  • Die Verwandlung Gregors lässt sich beispielsweise als drastische bildliche Darstellung dessen deuten, was unterbewusst bereits zuvor in Gregors Leben angelegt und nur nicht so offensichtlich war. In diesem Zusammenhang kann Gregors Metamorphose als Akt der Rebellion gegenüber seiner Familie verstanden werden, indem er von heute auf morgen die Verhältnisse umkehrt und die Ernährer- und Versorgerrolle aufgibt.  
  • Gerne wird in Analysen auch biografischer Bezug zu Franz Kafka genommen - die Basis dafür liefert das gestörte Verhältnis zu seinem Vater, das sich auf Gregor Samsa und dessen Vater übertragen lässt; auch bezüglich seiner Schwester Ottla gibt es Parallelen zu Gregor Samsas Schwester. Solche Deutungen dürfen aber nur mit Bedacht angewendet werden, da Literatur nicht unbedingt als autobiografisch zu verstehen ist, sondern grundsätzlich zwischen Erzähler und Autorpersönlichkeit getrennt werden muss.
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